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Frank Mill spielte für Borussia und Fortuna
"Der Groll hielt nur ein, zwei Jahre an"

Frank Mill: "Nur ein, zwei Jahre Groll" auf Borussia Mönchengladbach
1990 wurde Frank Mill Weltmeister, ohne zum Einsatz zu kommen. FOTO: dpa, sk sfb hpl
Mönchengladbach. Der einstige Torjäger spricht über seinen Weggang aus Mönchengladbach 1986 und seinen Aufstieg mit Düsseldorf 1995.

Frank Mill hat in 387 Bundesligaspielen 123 Tore geschossen, trotzdem muss er meistens von dem einen Treffer erzählen, den er nicht erzielt hat: 9. August 1986, Mills erstes Spiel für Borussia Dortmund gegen Bayern München, alleine aufs leere Tor zugelaufen, nur den Pfosten getroffen, 2:2 gespielt. Doch die Geschichte, hundertmal erzählt, ersparen wir dem heute 59-Jährigen im Interview. Es soll um den Klub gehen, von dem er gerade gekommen war, als ihm sein legendärer Fehlschuss unterlief – Borussia Mönchengladbach. Und um den Klub, bei dem Mill nach seiner BVB-Zeit die Karriere ausklingen ließ – Fortuna Düsseldorf.

Weltmeister sind Sie geworden, aber den einzigen Titel auf Vereinsebene, den DFB-Pokal, haben Sie 1989 mit Borussia Dortmund gewonnen. Fünf Jahre zuvor mit Gladbach gab's eine Finalniederlage gegen Bayern München.

Mill Erstmal muss man sagen: Die Bayern hatten den Sieg verdient, die haben 80 Minuten auf ein Tor gespielt ...

... nachdem Sie zum 1:0 für Gladbach getroffen hatten.

Mill Genau, in Pokalendspielen habe ich immer per Kopf getroffen, für Dortmund auch.

Welche Erinnerungen haben Sie ans Finale gegen die Bayern 1984?

Mill Die Bayern waren Favorit, wir waren Außenseiter, sind aber in Führung gegangen und haben die bis kurz vor Schluss gehalten. Dann kam dieses berühmte Elfmeterschießen mit Lothar Matthäus, der danach zu den Bayern wechselte – wobei er ja nicht den entscheidenden Elfmeter verschossen hat, sondern Norbert Ringels. Das wird oft vergessen.

Sie kennen das selbst: Das Gedächtnis ist sehr selektiv.

Mill Klar, dann nimmt man die andere Variante, weil die mehr Spaß macht.

Es war ein sehr langes Elfmeterschießen. Acht Spieler von jeder Mannschaft mussten antreten: Sie waren neben Ewald Lienen der einzige Gladbacher Feldspieler, der nicht geschossen hat. Warum?

Mill Ich hatte für Borussia mal innerhalb weniger Tage drei verschossen. Zwei davon bei einem 10:0 gegen Eintracht Braunschweig. Deshalb bin ich nie mehr angetreten.

Jener Kantersieg gegen Braunschweig ist tatsächlich ein Spiel, mit dem Mill auch in Verbindung gebracht wird. Er blieb als Gladbacher Top-Torjäger ohne Treffer – einen Elfmeter verschoss er aber nicht, geschweige denn zwei, zudem ereignete sich das 10:0 nach dem Pokalfinale. Deutlich vorher war Mill 1982 in zwei verschiedenen Spielen vom Punkt an Braunschweigs Torwart Bernd Franke gescheitert, dazwischen noch einmal an Bochums Ralf Zumdick. Also hatte er vor dem Pokalfinale gegen Bayern wirklich lange pausiert und keine gute Serie – Grund genug, die Verantwortung den anderen zu überlassen.

Sie hatten eine ziemlich gute Zeit in Gladbach, haben regelmäßig zweistellig getroffen. War das der beste Frank Mill, den es gab?

Mill Ich glaube, in der Dortmunder Zeit danach war ich noch ein bisschen besser. Seinen Zenit erreicht man ja so zwischen 28 und 32 Jahren. Aber ich habe unglaublich gerne für Borussia Mönchengladbach gespielt. Nur dann wollten sie mich nicht mehr.

Es heißt, Manager Helmut Grashoff wollte Sie loswerden nach ein paar vergebenen Chancen gegen Real Madrid. Borussia verabschiedete sich in der Saison 1985/86 nach einem 5:1- Heimsieg im Hinspiel durch ein 0:4 in Madrid noch aus dem Uefa-Cup.

Mill Das lag an Jupp Heynckes und Helmut Grashoff. Die haben mein Gehalt in einem neuen Vertragsangebot nahezu halbiert. Deshalb bin ich nach Dortmund gegangen. Ein halbes Jahr später, ich hatte inzwischen zehn Tore gemacht, wollten sie mich wieder zurückholen. Das war aber zu spät – obwohl ich viel mehr verdient hätte als vorher.

Denken Sie deshalb mit etwas Groll an Ihre Gladbacher Zeit zurück?

Mill Nein, nein, ich habe zu allen ein gutes Verhältnis gehabt. Der Groll hielt nur ein, zwei Jahre an.

In Gladbach haben Sie mit einem jungen Stürmer namens Dieter Hecking zusammenspielt. Allerdings waren es insgesamt nicht einmal 45 Minuten. Welche Erinnerungen haben Sie an ihn?

Mill Er war auch ein Torjäger, aber er hatte es zu der Zeit nicht leicht, weil gerade Hans-Jörg Criens den Durchbruch schaffte. Mit dem Langen habe ich meistens zusammengespielt.

Ein anderer, zumindest sportlich Großer, war Uwe Rahn.

Mill Genau, der wurde Torschützenkönig, nachdem ich zum BVB gegangen war. Leider weiß ich gar nicht, was er heute macht.

Ihre Zeit in Gladbach blieb titellos. Den Pokal haben sie dann mit 30 Jahren im BVB-Trikot geholt.

Mill Ich musste ja lange Profi sein, um endlich einen Titel zu holen. Ein Jahr vorher hatte ich zwar mit der Olympiamannschaft die Bronzemedaille gewonnen, und 1990 war ich im Weltmeister-Kader, allerdings ohne zum Einsatz zu kommen. Deshalb ist das schon etwas Großes, endlich so einen Pokal in den Händen zu halten.

1988 bis 1990 waren also ziemlich gute Jahre. Olympia, DFB-Pokal, WM – dagegen ist es fast langweilig, dreimal Meister zu werden.

Mill Wenigstens einmal wäre ich aber schon gerne Meister geworden. Es gibt Spieler, die sind dreimal Meister geworden, an die kann sich aber kein Mensch mehr erinnern.

Wann waren Sie am nächsten dran? 1984 mit Gladbach, als 13 Tore fehlten?

Mill 1992 war es mit Dortmund noch etwas knapper. Da waren wir vor dem letzten Spieltag mit Frankfurt und Stuttgart punktgleich. Und Guido Buchwald machte für Stuttgart in Leverkusen kurz vor Schluss das 2:1. Wäre es 1:1 ausgegangen, wären wir Meister geworden, weil Frankfurt verlor.

1994 sind Sie aus Dortmund weg – prompt wurden die zweimal Meister.

Mill Ja, ein bisschen dumm gelaufen. (lacht)

Aber – ohne despektierlich zu sein – da war Ihre große Zeit auch schon vorbei.

Mill Klar, ich war 36. Dann habe ich noch zwei Jahre bei Fortuna gespielt.

Die war zunächst noch Zweitligist.

Mill Das war eine eingespielte Mannschaft, gerade aufgestiegen aus der Oberliga. Wir hatten sehr viele Serben, Kroaten und Bosnier dabei unter Aleksandar Ristic. Dazu Georg Koch im Tor, Carlo Werner und Harald Katemann, der 40 Meter einwerfen konnte. Mit einem Durchschnittsalter von 32 Jahren sind wir in die Bundesliga aufgestiegen. War auch eine schöne Zeit, obwohl es eine Umstellung war mit den Zuschauern.

Inwiefern?

Mill In Dortmund war es immer voll, in Düsseldorf war es eher spärlich besucht.

Dass es in Gladbach immer voll war, ist aber auch eine Legende.

Mill Mag sein, aber es war trotzdem toll. Gigantisch wurde es dann im Europapokal, an so Spiele wie gegen Magdeburg kann ich mich noch gut erinnern.

Sind Sie ab und an im Borussia-Park zu Gast?

Mill Selten, zuletzt vor vielleicht drei Jahren. Ich muss ja auch arbeiten (lacht). Entweder spiele ich noch selbst in der Traditionsmannschaft von Borussia Dortmund oder leite Fußballcamps.

Haben Sie denn das Erstrundenspiel zwischen Rot-Weiss Essen und Gladbach in Ihrer Heimatstadt gesehen?

Mill Ich glaube, ich war diese Saison erst einmal im Stadion – bei Dortmund gegen Gladbach. Das lief für Gladbach jetzt nicht so gut beim 1:6.

Wenn es danach geht, werden Sie von Gladbach wohl keine Einladung für das Pokalspiel am Dienstag in Düsseldorf erhalten. Bei Fortuna läuft es gut, nach der vergangenen Saison hatten Sie sich noch sehr kritisch über die Entwicklung dort geäußert. Was ist passiert?

Mill Ich denke, das liegt am Trainer. Friedhelm Funkel macht das klasse. Wobei ich nicht mehr so viele Verbindungen nach Düsseldorf habe. Vor ein paar Wochen war ich aber noch bei Bernd Restle, der auch mein Physio ist. Und vor kurzem war ich in Düsseldorf...

... mit Ihrer Fußballschule?

Mill Bei den Rolling Stones, ein Geburtstagsgeschenk von meinen Kindern. Da war natürlich das Stadion auch voll, so wie am Dienstag.

Wie lautet Ihr Tipp?

Mill Gladbach gewinnt 2:0.

Jannik Sorgatz führte das Gespräch.

(jaso)
 
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