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Legendäre Pokalschlacht
Schalke - Bayern: Erinnerungen an das 6:6

Das ist aus den WM-Helden von 1990 geworden
Das ist aus den WM-Helden von 1990 geworden FOTO: dpa, jhe sk_A hak nic
Düsseldorf (RP). Die Mannschaften der beiden großen Klubs lieferten sich vor fast 26 Jahren im Gelsenkirchener Parkstadion einen atemberaubenden Pokal-Krimi. Und als großer Held wurde ein Spieler gefeiert, der am Tag zuvor 18 Jahre alt geworden war: Olaf Thon. Von Friedhelm Körner

Der FC Schalke erwartet heute (20.30 Uhr/Live-Ticker) den FC Bayern zum Schlagerspiel im Halbfinale des DFB-Pokals. Es ist die Neuauflage eines Klassikers, der vor fast 26 Jahren einen atemberaubenden Vorgänger hatte. Im selben Wettbewerb, in derselben Runde, in derselben Stadt. Unentschieden 6:6 trennten sich am 2. Mai 1984 die beiden Mannschaften im Gelsenkirchener Parkstadion.

Olaf Thon wird berühmt

Und der große Held, von den Schalker Anhängern auf Schultern getragen, war ein junger Mann, der das Schweißerhandwerk erlernte, mit dem Revierverein damals noch in der Zweiten Liga spielte und in einer Imbissstube des Gelsenkirchener Stadtteils Beckhausen in den 1. Mai hineinfeierte – seinen 18. Geburtstag: Olaf Thon. Drei Treffer erzielte der in Gelsenkirchen "auf Kohle geborene" Youngster bei dem Torfestival vor 71 .000 begeisterten Fans, darunter das 6:6 in letzter Minute. Über Nacht kannte ihn ganz Fußball-Deutschland.

Das Wiederholungsspiel in München verloren Olaf Thon und seine Teamgefährten mit 2:3, die Bayern gewannen den Pokal durch einen Endspielsieg gegen Borussia Mönchengladbach (1:1/7:6 im Elfmeterschießen). Für Thon begann vier Jahre nach dem denkwürdigen Torrausch gegen die Münchner ein anderes Kapitel FC Bayern – das als Profi bei den Roten. Er wurde mit dem Klub dreimal Deutscher Meister und schlüpfte in eine ganz neue Rolle: Aus dem Offensivspieler Thon wurde der Libero Thon, und auch auf dieser Position bewährte sich der feine Techniker aus dem Ruhrgebiet.

Weltmeister mit Deutschland

Wegen seiner Eloquenz, die er auch im Umgang mit den Medien bewies, bekam Thon den Spitznamen "Professor". 19 Jahre dauerte die Profikarriere des 52-maligen Nationalspielers, der im Halbfinale der WM 1990 gegen England als Schütze des letzten Treffers im Elfmeterschießen seine größte Stunde im Trikot der DFB-Auswahl erlebte. Vier Tage später, beim Endspiel gegen Argentinien in Rom, kam er nicht mehr zum Einsatz.

Als er 1994 vom FC Bayern nach Schalke zurückkehrte, begann das dritte große Kapitel seiner Karriere. Thon war 1997 als Kapitän einer der großen "Eurofighter", die mit den Finalsiegen gegen Inter Mailand den Uefa-Cup gewannen. 2001 und 2002 holte er mit den Königsblauen den DFB-Pokal. Und er war dabei, als die Gelsenkirchener sich 2001 beim Herzblutfinale der Bundesliga viereinhalb Minuten lang als Meister fühlten und dann doch nur "Meister der Herzen" waren, als ihnen die Bayern den Titel noch vor der Nase wegschnappten.

Aus dem 1984 bei der Torflut gegen die Bayern gefeierten Schalker Eigengewächs war eine Schalker Legende geworden. Doch eine ähnlich große zweite Laufbahn im Verein, in der Schalker Führung, glückte Olaf Thon nicht. Er war Berater des Vorstands, arbeitete für den Klub im Marketingbereich, wurde Mitglied des Aufsichtsrats. Er beklagte sich, dass er in schwieriger Situation des Vereins nicht in Entscheidungsprozesse einbezogen, dass nicht mehr in sportlichen Fragen auf seine Erfahrung und Kompetenz zurückgegriffen wurde. Im Sommer 2009 beendete er seine Arbeit beim FC Schalke.

Jetzt hat er sich für den Trainerjob entschieden. "Ich werde es von der Pike auf machen", sagt Olaf Thon. Dafür geht der Weltmeister, inzwischen 43 Jahre alt, nun sogar in die fünfte Spielklasse. Nach Marl zum VfB Hüls – aktuell Tabellen-Dreizehnter der NRW-Liga.

Quelle: RP
 
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