| 20.11 Uhr

Eklat in Osnabrück
Spielabbruch: Schiedsrichter von Gegenstand am Kopf getroffen

Fotos: Schiedsrichter wird von Wurfgeschoss verletzt
Fotos: Schiedsrichter wird von Wurfgeschoss verletzt FOTO: dpa, frg kno
Das Erstrundenspiel zwischen dem VfL Osnabrück und RB Leipzig ist beim Stande von 1:0 für die Gastgeber abgebrochen worden. Schiedsrichter Martin Petersen wurde von einem Feuerzeug am Kopf getroffen, das in der 71. Minute aus dem Fanblock der Gastgeber aufs Spielfeld geworfen wurde.

Der junge Referee hielt sich daraufhin mit schmerzverzerrtem Gesicht den Kopf und wurde zur Behandlung in die Katakomben gebracht. Einige Minuten später die Entscheidung: Spielabbruch. Über die Wertung des Spiels muss nun das DFB-Sportgericht entscheiden.

"Der Kontrollausschuss hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. Über die Spielwertung wird dann das DFB-Sportgericht entscheiden. Daneben geht es um die sportrechtliche Sanktion gegen den Verein, dem der Vorfall zuzurechnen ist", sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker in einer Stellungnahme am Montagabend.

Reaktionen: "Das ist eine bittere Stunde"

Die Osnabrücker Spieler und Verantwortlichen zeigten sich tief enttäuscht. "Wir sitzen alle in der Kabine und sind total erschüttert und traurig. So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir sind uns sicher, dass wir das Spiel gewonnen hätten. Was jetzt passiert, weiß ich auch nicht", sagte VfL-Spieler Nicolas Feldhahn.

"Das ist eine bittere Stunde für den VfL Osnabrück", sagte VfL-Präsident Hermann Queckenstedt. "Wenn man so aufopferungsvoll kämpft und dann auf diese miserable Art und Weise, durch eine kriminelle Aktionen um die Früchte seiner Arbeit gebracht wird, dann ist das ganz traurig. Das hat mit Fußball nichts zu tun." Der Vereinschef hofft, dass der Übeltäter ausfindig gemacht wird. "Nach unseren Informationen ist er auf Fernsehaufzeichnungen auszumachen. Er müsste erkennungsdienstlich ermittelt werden."

"Niederträchtig"

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius, als eingeschworener Osnabrück-Fan vor Ort, stellte fest: "Jedem Stadionbesucher muss klar werden, dass solche Aktionen niederträchtig sind, und strafbar dazu. Die oder derjenige muss hart bestraft werden."

Spielabbrüche nach Wurfgeschossen

Wie schwer Petersen verletzt wurde und ob der Wurf ihm oder dem neben ihm stehenden Leipziger Davie Selke galt, war zunächst unklar. Der 30-Jährige wurde zur Untersuchung in eine Klinik gebracht, in den Krankenwagen stieg er aber aus eigener Kraft ein.

"Bei dem Vorgang in Osnabrück handelt es sich um einen tätlichen Angriff auf den Schiedsrichter. Der Spielabbruch ist dann die logische und notwendige Konsequenz", sagte Herbert Fandel, Vorsitzender der Schiedsrichterkommission.

Vor dem Wurf des roten Feuerzeugs war es vor dem Osnabrücker Block zu einem Wortgefecht zwischen Acht-Millionen-Mann Selke und VfL-Ersatzspieler Michael Hohnstedt gekommen, der sich hinter dem Tor der Gastgeber aufwärmte. Schiedsrichter Petersen wollte die Situation schlichten und wurde am Kopf getroffen. Das zeigten die TV-Bilder.

Frust, Wut und Enttäuschung

"Ich spüre Frust, Wut und Enttäuschung. Die Gesundheit des Schiedsrichters geht vor. Im Sinne des Fußballs hatte ich gehofft, dass der Vierte Offizielle übernehmen könnte", sagte VfL-Coach Maik Walpurgis.

2006 war das Zweitrundenspiel zwischen den Stuttgarter Kickers und Hertha BSC nach einem ähnlichen Vorfall abgebrochen worden. Beim Stand von 2:0 für die Hertha war ein Schiedsrichter-Assistent von einem gefüllten Bierbecher am Nacken getroffen worden. Die Partie wurde zugunsten der Berliner gewertet, die allerdings auch 2:0 führten.

Die mitgereisten Leipziger Fans in Osnabrück zeigten sich unterdessen nach dem Abbruch siegessicher. Sie feierten trotz des Rückstands in ihrer Kurve und skandierten lautstark "Sieg". Betretene Gesichter gab es derweil bei den Osnabrückern Spielern und beim VfL-Anhang.

Dabei sah alles nach einer Überraschung durch den Drittligisten aus, die Osnabrücker hatten ihrem Ruf als Favoritenschreck einmal mehr alle Ehre gemacht. In der Saison 2009/10 waren die Lila-Weißen als Drittligist ins Viertelfinale vorgedrungen und hatten dabei auf dem Weg die Bundesligisten Hamburger SV und Borussia Dortmund eliminiert. Drei Jahre davor hatten die Niedersachsen das Achtelfinale erreicht.

Der zweitligaerfahrende Savran erzielte für den Außenseiter den schnellen Führungstreffer. In der Folgezeit entwickelte sich eine hitzige und turbulente Partie mit vielen harten Zweikämpfen und weniger Torszenen, in der die Gastgeber dem zweiten Treffer die meiste Zeit näher waren als Leipzig dem ersten. Die von Ralf Rangnick trainierten Gäste enttäuschten auf ganzer Linie.

(areh/sid/dpa)
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