Diskussionen um Kölns Platzverweise: So entstand die Rot-Flut von Augsburg
VON CHRISTIAN KURTH - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010 - 13:39Augsburg (RPO). Drei Platzverweise in einem Spiel? Na gut. Aber drei Platzverweise in einem Spiel gegen dieselbe Mannschaft – da muss es schlichtweg Diskussionen um die Entscheidungen des Schiedsrichters geben. So geschehen im DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen dem Zweitligisten Augsburg und dem Bundesligisten 1. FC Köln.
Beim 0:2 (0:1) der Domstädter machte ausgerechnet "Prinz Poldi" den Fußball-Bundesligisten zu Karnevals-Beginn zur Lachnummer. Lukas Podolski sorgte mit seinem Acht-Minuten-Gastspiel für den unrühmlichen Tiefpunkt beim peinlichen Auftritt der Rheinländer, die sich mit zwei weiteren Hinausstellungen zum Narren machten.
Augsburg führte bereits nach drei Minuten durch einen Treffer von Torjäger Michael Thurk. Danach setzte sich das Kölner Unheil gnadenlos fort. Wir erklären die entscheidenden Situationen.
20. Minute: Augsburgs Andrew Sinkala springt ab und mit zwei gestreckten Beinen mit purer Absicht Richtung Schienbein von Yousef Mohamad. Das war fies, er wollte ihn verletzen und da gibt es keine zwei Meinungen. Da hätte es Rot geben müssen, Kinhöfer beließ es bei der Gelben Karte, die größte Fehlentscheidung des Spiels.
24. Minute: Miso Brecko bekommt wegen einer leichten Sperre die zweite Gelbe des Spiels – völlig unverhältnimäßig (Drei Augsburger waren Kölnern zuvor von hinten in die Beine gesäbelt, wurden dafür aber nicht bestraft. Sogar für sich genommen war dieses einer Verwarnung nicht würdig. Immerhin, diese Karte hatte keinerlei spielbeeinflussnde Auswirkungen.
30. Minute: Der vorher bereits des öfteren malträtierte Adil Chihi kassiert binnen weniger Sekunden drei Tritte von hinten. Wütend dreht sich der Kölner herum und macht mit seinem rechten Arm eine Ruderbewegung. Der eigentliche Übeltäter, Youssef El Akchaoui, sackt theatralisch zusammen, bleibt Minuten lang, vermeintlich schwer getroffen, liegen. Chihi bekommt Rot! Völlig überzogen, denn er streifte den Augsburger wenn überhaupt nur am Arm. El Akchaoui simuliert Schmerzen im Gesicht. Wie dem auch sei, Köln liegt zurück und spielt fortan in Unterzahl.
68. Minute: "In einem Pokalspiel, wo die Emotionen so hochkochen, kann so was passieren", kommentierte der 69-malige Nationalspieler Lukas Podolski lapidar seinen Aussetzer, der seinen Klub endgültig auf die Verliererstraße gebracht hatte. Nur acht Minuten nach seiner Einwechslung in der 60. Minute leistete sich der 24-Jährige zunächst ein Foul, schmiss mit Sand, klatschte dann Schiedsrichter Kinhöfer für dessen Freistoßpfiff höhnisch Beifall und quittierte die darauffolgende Verwarnung mit einem erhobenen Daumen. Diese Verhöhnung ließ sich Kinhöfer nicht bieten und schickte Podolski mit Gelb-Rot vom Platz. Daraufhin rastete der Stürmerstar aus und konnte nur von seinen Teamkollegen davon abgehalten werden, auf den Unparteiischen loszugehen.
Der zehn Millionen Euro teure Podolski, der sich schon zuletzt aufgrund seiner mäßigen Leistungen und seiner Verletzungen immer mehr vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind entwickelt hatte, sah nach dem Schlusspfiff immerhin seinen Fehler ein. "Ich war beim Schiri und habe mich entschuldigt", meinte der teuerste Spieler der Kölner Klubgeschichte, der seinen Platzverweis allerdings nicht als Grund für die Pleite gelten lassen wollte: "Die Gelb-Rote Karte hat das Spiel nicht entschieden. Wir haben es im Spiel vergeigt."
85. Minute: Petit, der ebenfalls zurecht wegen der Verhöhnung des Schiedsrichters vorzeitig in die Kabine musste, rundete die schwache Leistung der Rheinländer nur noch ab.
Fazit: Kinhöfer hatte sicher einen schlechten Tag. Das intensive Spiel war schwierig zu leiten. Kinhöfer gelang es letztlich nicht, die vielen Zweikämpfe ausgeglichen und konsequent zu bewerten. Rot gegen Chihi war viel zu hart, die Gelb-Roten gegen Podolski und Petit vertretbar. Eine schlechte Note verdiente sich Kinhöfer aber vor allem mit der Fehlbeurteilung des brutalen Sinkala-Fouls.
Entsprechend bedient war Trainer Zvonimir Soldo, der keinen Hehl aus seinem Ärger über Podolski und Petit machte. "Ich bin enttäuscht über die Art und Weise der Niederlage", erklärte der Kroate: "Egal was Poldi und Petit gemacht haben - so etwas darf erfahrenen Spielern nicht passieren." Noch deutlicher wurde Manager Michael Meier: "Ich bin sauer auf erfahrene Spieler wie Petit und Poldi. So können wir uns nicht präsentieren."
Während Köln den entgangenen Zusatzeinnahmen von rund drei Millionen Euro nachweinte, bejubelten die Augsburger den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Michael Thurk (3.) und Nando Rafael (86.) hatten mit ihren Toren den ersten Halbfinal-Einzug des Klubs perfekt gemacht und dem FCA laut Manager Andreas Rettig Einnahmen in Höhe von 2,2 Millionen Euro gesichert.
Wir haben für Sie die Pressestimmen zum DFB-Pokal-Viertelfinale gesammelt.
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