Nach Babbel-Posse im DFB-Pokal: Stresstest für die Hertha
zuletzt aktualisiert: 21.12.2011 - 18:10Berlin (RPO). Vergangenen Freitag war es wieder soweit: Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürte das Wort des Jahres. Der Gewinner: "Stresstest". Banken, Landesregierungen und Atomkraftwerke haben ihn 2011 über sich ergehen lassen müssen, mit unterschiedlichem Ausgang.
Bundesligist Hertha BSC wäre nach Lage der Dinge mit wehenden Fahnen durchgefallen, wenn auch nur aus kommunikativer Sicht. Denn rein sportlich steht der Hauptstadtklub mindestens solide da, zudem winkt am Mittwochabend (19 Uhr/Live-Ticker) gegen den 1. FC Kaiserslautern der Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals, und damit Zusatzeinnahmen in Millionenhöhe.
Co-Trainer Widmayer springt Babbel zur Seite
Geld, das die Hertha angesichts des strapazierten Kontos gut gebrauchen kann, zumal sie seit Sonntag mit ungeplanten Ausgaben kalkuliert. Wunschtrainer Michael Skibbe kostet Ablöse und Gehalt, Ex-Wunschtrainer Markus Babbel erhält weiterhin monatliches Salär.
In dem wüsten und weiter über die lokalen Medien ausgetragenen Disput um Lügen, Anschuldigungen und finanziellen Nöte kommt Rainer Widmayer (44) eine nicht unwesentliche Rolle zu. Babbels Co-Trainer bereitet die Mannschaft auf das Duell mit dem FCK vor, auch im Wissen, dass dies sein erstes und wohl letztes Spiel als Verantwortlicher an der Seitenlinie sein wird.
Am Montag zitierte der "kicker" Widmayer, der seinem ehemaligen Chef zur Seite sprang und die Version Babbels bestätigte, schon im November Manager Michael Preetz über das geplante Vertragsende informiert zu haben. Damit fährt der für ein Spiel beförderte Widmayer sowohl Preetz als auch Präsident Werner Gegenbauer in die Parade. Die Chancen auf eine Weiterbeschäftigung neben einem neuen Trainer scheinen damit gering. Dass er am Mittwoch auf der Bank sitzt, ist eher der kurzen Zeitspanne zwischen Trainerentlassung und Pokalspiel geschuldet. Außerdem ist Widmayer bei Spielern anerkannt und beliebt und war unter Babbel schon zu Stuttgarter Zeiten für taktische Fragen und Trainingsgestaltung verantwortlich.
Kaiserslautern ist optimistisch
Den Gegner aus Kaiserslautern ficht das Berliner Theater nicht an. Dort zeigen Cheftrainer Marco Kurz und Vorstandschef Stefan Kuntz seit geraumer Zeit, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auch aussehen kann. Als die "Roten Teufel" im Oktober nach nur fünf Punkten aus den ersten acht Spielen in die Saison gestartet waren, gab der Verein die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Kurz bis 2014 bekannt. Entsprechend unaufgeregt und konzentriert gehen die Pfälzer nun in das Spiel: "Wir legen die Konzentration auf das Team und fahren nach Berlin, um das Spiel für uns zu entscheiden", sagte Kurz am Montag lapidar.
Mut machen dürfte den Gästen dabei die Erinnerung an die Bundesligabegegnung vor zwei Wochen auf dem Betzenberg, als Hertha nur mit viel Glück ein 1:1-Unentschieden erzielte: "Wir wissen, wie Hertha spielt und haben die Partie zusammen aufgearbeitet, um zu sehen, was gut war und was wir besser machen müssen, um am Mittwoch zu gewinnen", sagte Kurz.
Auf Platz sieben bei der Wahl zum Wort des Jahres landete im Übrigen "guttenbergen", auch da ging es ja um Halb- und Unwahrheiten. In Berlin wird jetzt diskutiert, ob sie im kommenden Jahr "babbeln" oder "preetzen" ins Rennen schicken.
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