Prib erzielt Siegtor gegen Nürnberg: Vom "Vollpfosten" zur fränkischen Legende
zuletzt aktualisiert: 21.12.2011 - 14:21Nürnberg (RPO). Nicht einmal 200 Chaoten in Schwarz konnten Edgar Prib seine Freude an der Wandlung vom "Vollpfosten" zum fränkischen Fußball-Helden nehmen. "So entstehen Legenden", sagte der 22-Jährige mit einem Dauergrinsen im Gesicht: "Eben war ich noch der Depp, und jetzt schieße ich das Siegtor im ältesten Derby Deutschlands."
Vor einer guten Woche hatte Prib im Zweitliga-Spitzenspiel bei Eintracht Frankfurt aus fünf Metern statt des leeren Tors nur den Pfosten getroffen - und ist seitdem bei Youtube mit fast einer Million Klicks als "Vollpfosten" ein Star. Im Pokal-Duell beim fränkischen Bundesliga-Erzrivalen 1. FC Nürnberg machte er es nun besser und köpfte Greuther Fürth in der 15. Minute zum sensationellen 1:0 (1:0) im 254. Franken-Derby.
Prib stieg danach wie ein Gladiator auf den Zaun vor über 5.000 jubelnden Fans - und musste dann aber relativ zügig in die Kabine flüchten. Ein Mob aus angeblichen Club-Anhängern hatte offenbar aus Frust über die peinliche Pleite den Stadioninnenraum gestürmt. Die Randalierer rannten Richtung Fürth-Fanblock, es wurden Gegenstände geworfen. Erst als die Polizei viel zu spät eingriff, hatte der Spuk ein Ende. Auch unter den Spielern der Teams aus den Nachbarstädten gab es beim Verlassen des Spielfeldes Rangeleien.
"Sollen unsere Kinder diese Bilder sehen?"
Die Fan-Ausschreitungen verdarben Greuther-Erfolgscoach Mike Büskens sogar die Freude an dem süßen Sieg. "Ich finde es beängstigend, was in den letzten Monaten im deutschen Fußball abgegangen ist und wie Fans diese Bühne benutzen. Es ist ein Wahnsinn, was muss eigentlich noch passieren?" Mit Blick auf die schlimmen Randale beim Pokalspiel Dortmund gegen Dresden, Becherwürfe in St. Pauli oder Geisterspiele in Rostock meinte Büskens: "Ich dachte, Fußball ist ein Sport für Familien, und wo man seine Kinder mitnehmen kann. Aber sollen unsere Kinder diese Bilder sehen?"
Der ebenso traurige FCN-Trainer Dieter Hecking konnte Büskens nur zustimmen und griff die eigenen Anhänger an: "Ich kann damit überhaupt nichts anfangen. Egal, wie groß die Rivalität ist." Neben dem Frust über die Niederlage dürfte den in der Bundesliga abstiegsgefährdeten Nürnbergern auch noch ein Strafe vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) drohen. Trotzdem hoffen beide Trainer bald auf eine Wiederholung des Franken-Derbys in der Eliteklasse. "Ich hoffe, wir sehen uns in der Bundesliga wieder", sagte Büskens bei der Verabschiedung und Hecking antwortete: "Sieh zu, dass du es schaffst."
Die Chancen stehen durchaus gut, zumindest, dass der Zweitliga-Zweite Fürth tatsächlich den langersehnten Aufstieg schafft. Das unterklassige war in der ausverkauften Arena die klar bessere Mannschaft und verteidigte den Einzug ins Pokal-Viertelfinale selbst in Unterzahl nach dem Feldverweis für Bernd Nehrig (66.) souverän. "Das war ein weiterer Schritt in unserem Reifeprozess. Alle haben erwartet, dass wir in Nürnberg den Arsch voll kriegen", sagte Büskens und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Aber wir haben einfach ein Superteam - und Edgar Prib als Mann für die besonderen Momente."
Büskens persönlich hatte den Deutsch-Russen nach seinem peinlichen Fauxpas in Frankfurt aufgebaut: "Ich habe ihm gesagt, dass das auch eine Situation ist, an der man wachsen kann." Prib, der angeblich auf der Beobachtungsliste des deutschen Meisters Borussia Dortmund stehen soll, tat das mehr als überzeugend. "So ist nur der Fußball. Erst Frankfurt, jetzt Nürnberg - eigentlich kann ich beides nicht glauben ", sagte Prib und kündigte weitere Großtaten an: "Das gibt den letzten Tick Ehrgeiz, damit wir aufsteigen." Und er als Legende im 255. Franken-Derby seinen nächsten großen Auftritt bekommt.
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