Schiedsrichter pauken unter südlicher Sonne: DFB schickt Referees zum Englischkurs nach Zypern
zuletzt aktualisiert: 19.01.2000Frankfurt/Main (dpa). In milder Luft und bei Sonnenschein pauken die Bundesliga-Schiedsrichter englische Vokabeln. Vom heutigen Mittwoch bis zum kommenden Sonntag schickt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Referees zur Vorbereitung auf die Rückrunde nach Zypern. Der Trip auf die Mittelmeerinsel dient auch als Sprachreise.
In einem Englisch-Crash-Kurs sollen die "Pfeifenmänner" wichtiges Vokabular lernen. "Der Fußball wird immer internationaler. Deshalb brauchen auch die Schiedsrichter einen gewissen englischen Wortschatz", begründet Manfred Amerell, Mitglied des DFB-Schiedsrichter- Ausschusses, die neue Fremdsprachen-Lektion.
Urlaubsstimmung soll in dem Feriendomizil nicht aufkommen. "Wir absolvieren unser normales Lehrgangsprogramm. Nur das Klima wird hoffentlich besser sein als in Deutschland", setzt Amerell vor allem auf gute Wetter-Bedingungen bei der Saison-Vorbereitung im sonnigen Süden.
Ungern denkt FIFA-Schiedsrichter Hellmut Krug an den Winterlehrgang der Bundesliga-Referees im vergangenen Jahr. "Im Eisregen haben wir auf durchgeweichten Bahnen unseren Leistungstest gemacht", erinnert der 43-Jährige an "grausige Wetterverhältnisse" im niedersächsischen Barsinghausen. Damit sich die Referees auf solch missliche Zustände nicht mehr einstellen müssen, machen sie es in diesem Jahr erstmals den Bundesliga-Vereinen nach und trainieren fern des heimischen Winters.
Doch nicht nur die klimatischen Vorteile sprechen aus Sicht von Amerell für das Trainingslager in südlichen Gefilden. Im Sonnenparadies bleibt Zeit für Zwischenmenschliches: "Auf dieser Reise können wir intensiver kommunizieren. Durch die räumliche Entfernung von der Heimat wird der Gedankenaustausch belebt", glaubt der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter.
Wichtiger Programmteil des Lehrgangs wird die Aufarbeitung der Leistungen in der Hinrunde sein. In dieser Einheit wird auch Krug genau hinschauen müssen. Der Gelsenkirchener sorgte durch die Verweigerung eines regulären Treffers des 1. FC Kaiserslautern im Gastspiel beim TSV München 1860 im Dezember für die spektakulärste Fehlentscheidung der ersten Halbserie.
Auf Zypern geht der Blick aber in erster Linie nach vorne. Neben dem sportlichen Leistungstest werden die Schiedsrichter fit gemacht für den emotionalen Druck in den Bundesliga-Stadien. Ein Motivationstrainer wird den Referees in einem Referat Möglichkeiten der Stressbewältigung näher bringen.
Insgesamt besteht die DFB-Reisegruppe aus etwa 80 Personen. Neben Schiedsrichtern, Referenten und medizinischer Abteilung fliegt auch der komplette Schiedsrichter-Ausschuss in den Süden. Zudem haben sich die DFB-Vizepräsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder und Engelbert Nelle für einen Kurzbesuch auf Zypern angemeldet.
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