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Jahresbilanz
DFB schwimmt trotz WM-Affäre in Geld

DFB schwimmt trotz WM-Affäre im Geld
DFB-Präsident Reinhard Grindel hat am Donnerstag den Bericht für das Geschäftsjahr 2015 vorgestellt. FOTO: dpa, ade fdt
Frankfurt/Main. Der DFB schwimmt weiter im Geld. Zwar verringerte sich im Geschäftsjahr 2015 durch die Aufklärung der WM-Affäre der Gewinn, die Rücklagen und das Eigenkapital sind aber nach wie vor gewaltig.

Millionen-Ausgaben für die Aufklärung der WM-Affäre, weniger Einnahmen durch die Nationalmannschaft - und dennoch zufriedene Gesichter. Trotz eines erheblichen Gewinnrückgangs auf 3,5 Millionen Euro schwimmt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) weiter im Geld. "Wir sind wirtschaftlich absolut solide aufgestellt und stehen auf einem stabilen Fundament", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel am Donnerstag bei der Vorstellung des Finanzberichts für das Geschäftsjahr 2015.

Selbst die verbuchten 2,2 Millionen Euro zur Aufarbeitung des Sommermärchen-Skandals brachten den Boss des größten Einzelsportverbandes der Welt nicht aus der Fassung. "Das war eine hohe Summe, die wir eingesetzt haben", gestand Grindel zwar ein. Der 54-Jährige sprach jedoch von einer "richtigen und alternativlosen Entscheidung, um uns neue Integrität zu verschaffen".

Dazu soll auch der detaillierte Finanzbericht beitragen, der ab sofort auf der Internetseite des Verbands einsehbar ist. Grindel bezeichnete das knapp 50-seitige Schriftstück als einen "ersten Baustein der Reformbemühungen", als einen "Teil von mehr Offenheit und Transparenz im DFB". Als gemeinnütziger Verein ist der DFB nicht verpflichtet, Einblicke in sein Finanzwesen zu gewähren. "Aus vielerlei Gründen fühlen wir uns aber dazu verpflichtet", meinte Grindel. Vor allem wegen der WM-Affäre.

Die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der Verbandsgeschichte ließ daher auch die Rechtskosten für das vergangene Jahr in die Höhe schnellen. Betrug die Summe für diesen Einzelposten im Jahr 2014 noch 527.000 Euro, waren es im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Euro. "Das war ein teurer Weg", sagte Grindel, dessen Organisation die Ausgabe jedoch ebenso verschmerzen kann wie die weiteren 2,9 Millionen Euro, die in diesem Jahr mindestens an die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer fließen werden.

Nach einem Ertrag von insgesamt 228,1 Millionen Euro und einem Aufwand von 224,6 Millionen Euro belaufen sich die Rücklagen des DFB schließlich auf komfortable 167,9 Millionen Euro. Insgesamt verfügt der DFB über ein Eigenkapital von 192,2 Millionen Euro. "Der DFB ist wirtschaftlich gesund und wird weiterhin in der Lage sein, seine Aufgaben zu erfüllen", sagte Stephan Osnabrügge, als Schatzmeister Grindels Nachfolger. Ohnehin seien Überschüsse notwendig, um die neue DFB-Akademie in Frankfurt/Main für mehr als 100 Millionen Euro finanzieren zu können.

Dazu sollen bis 2018, wenn der DFB spätestens seinen Neubau auf dem Gelände der Galopprennbahn im Stadtteil Niederrad beziehen will, auch die Nationalspieler beitragen. Auch im zurückliegenden Geschäftsjahr lieferte die A-Nationalmannschaft den mit Abstand größten Teil im Bereich der Spielbetriebs- und Vermarktungseinnahmen. Vor allem 2017, wenn die Qualifikationsspiele für die WM 2018 anstehen, werden die Summen nochmal steigen. "2015 war nunmal geprägt durch geringere Ertragsmöglichkeiten", sagte Osnabrügge.

Aufs und Abs werden die DFB-Macher auch in den kommenden Jahren einkalkulieren. "Es werden auch künftig Schwankungen in unserem Haushalt festzustellen sein, die nicht mit der Qualität der geleisteten Arbeit zu tun haben, sondern mit den Spielplänen", sagte Grindel. Dies beeinflusse die Ergebnisse sehr, es sei schlichtweg nicht alles planbar: "Wir sind ja keine Fabrik." Das Geld fließt trotzdem.

(seeg/sid)
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