Wettskandal: DFB und DFL setzen Task Force ein
zuletzt aktualisiert: 23.11.2009 - 14:34Frankfurt/Main (RPO). Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben im Zusammenhang mit dem neuen europäischen Wettskandal eine Task Force eingesetzt. Diese Kommission steht unter Leitung von DFB-Chefjustiziar Jörg Englisch und wird mit Vertretern aus den relevanten Abteilungen besetzt.
Vier Tage nach Bekanntwerden des Skandals beantragten beide Seiten zudem Akteneinsicht bei der ermittelnden Staatsanwaltschaft Bochum.
Gleichzeitig stellten DFB-Präsident Theo Zwanziger und Christian Seifert, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, bei einer Pressekonferenz in Frankfurt/Main klar, dass den Verbänden beim Thema Wettbetrug die Hände gebunden seien.
"Ein Sportverband ist absolut überfordert, organisierte Kriminalität mit internationalem Charakter zu bekämpfen. Ohne die Unterstützung der Staatsanwaltschaft sind wir nicht in der Lage, den Sumpf aufzulösen", sagte Zwanziger und drohte den Tätern eine "konsequente sportrechtliche" Verurteilung an.
Kritik am Frühwarnsystem wies Zwanziger vehement zurück. "Wir haben ein Warnsystem aufgebaut, das uns in den letzten Jahren geholfen hat. Wir haben in der Vergangenheit doch gezeigt, dass wir die Dinge nicht bagatellisieren", erklärte der DFB-Boss und bekam Unterstützung von Seifert: "Kein Verband der Welt, kein Frühwarnsystem der Welt kann organisierte Kriminalität, die Spiele manipulieren will, zu 100 Prozent aufdecken."
Das Vorwarnsystem hatte in einigen Fällen sogar funktioniert. "Wir haben in den letzten Monaten einige auffällige Partien gehabt", betonte Carsten Koerl von der zuständigen Firma Sportradar.
In Deutschland, wo nach Angaben der Bochumer Staatsanwaltschaft unter anderem vier Zweitliga-Spiele unter Manipulationsverdacht stehen, habe es dagegen keine Auffälligkeiten gegeben.
DFB und DFB streben allerdings eine weitere Optimierung des Vorwarnsystems an, das pro Jahr 200.000 Euro verschlingt. Rund 200 Spiele in neun europäischen Staaten, darunter 32 in Deutschland, sollen vom Betrug betroffen sein.
Um die Problematik weiter zu erörtern, werden Sportdirektor Wolfgang Niersbach und Robert Weise vom Kontrollausschuss den DFB am Mittwoch beim Krisengipfel der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Nyon vertreten.
Beide gehören auch der siebenköpfigen Task Force mit DFB-Chefjustiziar Jörg Englisch an der Spitze an, die neben der Aufarbeitung der aktuellen Fälle mittelfristig auch weitere Präventivmaßnahmen für die Zukunft erstellen soll. Bereits nach dem Fall Robert Hoyzer hatte der DFB 2005 einige seiner Statuten geändert, um der Manipulation vorzubeugen.
Die Uefa hat nach Angaben ihres Mediendirektors Robert Faulkner zum Treffen Vertreter der neun Verbände eingeladen, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum vom jüngsten Manipulationsskandal betroffen sind. Dies bestätigte Faulkner auf SID-Anfrage.
Die Zeit drängt, denn am Montag sorgten Festnahmen in Italien für Aufsehen. Der Präsident des italienischen Drittligisten Potenza Calcio, Giuseppe Postiglione, sowie acht weitere Funktionäre des Vereins und Mitglieder krimineller Organisationen wurden festgenommen. Ermittlungen laufen gegen insgesamt 20 Personen. Sie werden beschuldigt, Partien manipuliert und ein illegales Wettsystem aufgebaut zu haben.
Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat indes die Kritik von Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball zurückgewiesen, nicht in die Vorgänge der Justiz eingeweiht worden zu sein.
Strikte Gegenmaßnahmen haben unterdessen auch die Wettanbieter angemahnt. "Wir fordern schon seit langem deutlich effektivere Schutzmaßnahmen für die gesamte Branche, und das nicht erst seit dem Hoyzer-Skandal 2005.
Die Politik muss beispielsweise die erlaubten Einsatz- und Gewinnhöhen viel stärker limitieren und die Abgabe anonymisierter Wetten strikt verbieten", sagte bwin-Chef Jörg Wacker im "Welt"-Interview. Die Möglichkeiten des Internets seien dabei sehr hilfreich, "weil sie Wetteinsätze in Echtzeit kontrollieren und zuordnen können".
Zwanziger warnte zudem davor, Spieler, Offizielle oder Schiedsrichter vorzeitig zu verurteilen, bevor es eine klare Beweislage gebe.
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