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Deutschland will die Weltmeisterschaft
Die Chronologie der Bewerbung zur WM 2006

Neuss (sid). Vor mehr als sieben Jahren machte sich Deutschland auf den langen Weg zur Fußball-Weltmeisterschaft. Die Chronologie der Ereignisse:

2. Juni 1993: DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder übergibt in Zürich als erster Bewerber die deutsche Kandidatur für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Fifa-Präsident Joao Havelange.

10. Februar 1995: Auch Brasilien möchte sich für die Weltmeisterschaft 2006 bewerben.

1. Juli 1996: England kündigt nach Abschluss der EM im eigenen Land endgültig seine Kandidatur an.

27. Dezember 1996: DFB-Präsident Egidius Braun setzt bei der Kandidatur auf "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer, der als WM-Botschafter für Deutschland werben soll.

2. März 1997: Der DFB gründet ein fünfköpfiges Bewerbungs-Komitee bestehend aus Egidius Braun, Franz Beckenbauer, Gerhard Mayer-Vorfelder, DFB-Generalsekretär Horst Schmidt und DFB-Pressesprecher Wolfgang Niersbach.

23. April 1997: Südafrika bekräftigt seinen Willen, sich neben Ägypten und Marokko als WM-Gastgeber vom afrikanischen Kontinent zu bewerben.

27. Mai 1997: Die offizielle Präsentation der deutschen Bewerbung findet im Münchner Prinzregenten-Theater statt, unter dem Motto "Wir sehen uns im Herzen Europas".

6. Januar 1998: Beckenbauer erklärt eine gemeinsame Bewerbung mit England für sinnlos.

10. Februar 1998: Kehrtwende von Joao Havelange. Er wirft Deutschland vor, den Weltfußball dominieren zu wollen. Den Schweden Lennart Johansson erklärt er zu einem Strohmann der Deutschen und rät von dessen Wahl zum neuen Fifa-Chef ab.

23. Februar 1998: Südafrika steigt mit der Präsentation seiner Bewerbung offiziell ins Rennen um die WM 2006 ein.

11. März 1998: Joao Havelange erklärt auf der britischen Insel jetzt England zu seinem persönlichen Favoriten.

19. März 1998: Die Universität Paderborn reicht beim DFB ein Gutachten ein, das einen volkswirtschaftlichen Gewinn in Milliardenhöhe vorhersagt, wenn Deutschland die WM 2006 bekäme.

8. Juni 1998: Sepp Blatter wird neuer Fifa-Präsident.

25. November 1998: Das "Bündnis für Fußball" wird in Bonn zwischen dem neuen Bundeskanzler Gerhard Schröder, Egidius Braun und Gerhard Mayer-Vorfelder geschmiedet.

27. November 1998: Franz Beckenbauer überreicht in Zürich die offizielle DFB-Absichtserklärung für die Kandidatur des DFB.

30. November 1998: Ein aufgedeckter Bestechungsskandal bei der Wahl zum Fifa-Vizepräsidenten setzt Englands Verbandspräsident und Drahtzieher Keith Wiseman unter Druck. Wenig später tritt neben Wiseman auch FA-Generalsekretär Graham Kelly zurück.

15. Dezember 1998: Franz Beckenbauer wird zum Chef des deutschen WM-Bewerbungs-Komitees befördert, DFB-Präsident Egidius Braun tritt in den Hintergrund.

31. Dezember 1998: Die Bewerbungsgfrist läuft ab. Offiziell gehören England, Brasilien, Südafrika, Ägypten, Nigeria, Marokko, Ghana und Deutschland zum Kreis der Kandidaten.

12. Januar 1999: Die Fifa verlangt von den Bewerbern eine Garantie über Steuerbefreiung für die WM.

18. Januar 1999: Bundesaußenminister Joschka Fischer sagt dem DFB die volle Unterstützung seines Ministeriums zu.

29. Januar 1999: Die Fifa erlässt einen fünfseitigen Pflichtenkatalog für die Kandidaten, um Bestechung vor der Vergabe der WM zu verhindern.

4. Februar 1999: Bundesinnenminister Otto Schily stellt dem DFB eine Befreiung der Fifa von der 25-prozentigen Ertragssteuer in Aussicht.

22. April 1999: Franz Beckenbauer übergibt die Bestätigung der der deutschen WM-Bewerbung an Sepp Blatter am Rande der "U 20"-WM in Nigeria.

28. April 1999: Ghana zieht seine Kandidatur zurück, kurz darauf tun dies auch Ägypten und Nigeria.

18. Juni 1999: Franz Beckenbauer präsentiert die deutsche Bewerbung den Staats- und Regierungschefs beim "G 8"-Gipfel in Köln.

24. Juni 1999: Innenminister Schily sieht die Bewerbung durch schleppende Planung bei der Sanierung des Berliner Olympiastadions gefährdet und fordert: "Berlin muss in die Gänge kommen."

27. Juni 1999: Geoff Thompson wird neuer Chef des englischen Verbandes.

1. Juli 1999: Trotz des Sparpakets will der Bund an seinem "Goldenen Plan Ost", der Berlin und Leipzig jeweils 100 Millionen Mark zur Stadionsanierung beschert, festhalten.

7. Juli 1999: Entscheidung der Fifa zur WM-Vergabe wird von März 2000 auf den 6. Juli 2000 bis nach der EM vertagt.

25. Juli 1999: Beckenbauer erhöht den Druck auf Berlin und kündigt an, im Notfall auch ohne ein Spiel in der Hauptstadt die WM auszurichten.

31. Juli 1999: Die ARD-WM-Gala steht in der Kölnarena unter dem Motto "Willkommen im Fußball-Land".

10. August 1999: In Zürich übergeben die fünf Bewerber ihre offiziellen Dossiers. Das deutsche ist 1.200 Seiten stark und wiegt 37 Kilogramm.

16.- 21. Oktober 1999: Eine Inspektoren-Gruppe der Fifa besucht neun deutsche Städte und deren Fußball-Stadien. Delegastionsleiter Alan Rothenberg lobt die "phänomenale Vorarbeit" des DFB.

21. Oktober 1999: Bundeskanzler Schröder empfängt Sepp Blatter zum "Gedankenaustausch" in Berlin.

30. November 1999: Der Chef der südafrikanischen Profiliga PSL, Joe Ndhlela, wird wegen Betrugs und Bestechung verhaftet.

14. Januar 2000: Franz Beckenbauer bietet Südafrika seine Hilfe für eine Kandidatur 2010 an, wenn die Afrikaner ihre aktuelle Bewerbung fallen lassen würden.

20. Januar 2000: Fifa-Inspektor Alan Rothenberg fällt ein vernichtendes Urteil über die brasilianische Bewerbung.

24. Februar 2000: Rothenberg bestätigt Marokko eine "hervorragende Bewerbung".

14. März 2000: Die Fifa-Inspektoren machen in Südafrika Station und zeigen sich "überwiegend beeindruckt".

12. April 2000: Sepp Blatter spielt Sicherheitsbedenken im Falle einer WM-Vergab an Südafrika herunter.

26. April 2000: Egidius Braun erklärt, sieben von acht europäischen Stimmen zur WM-Vergabe habe Deutschland sicher.

11. Mai 2000: Der südafrikanische Klubfunktionär Peter Rabali wird wegen Korruption lebenslänglich gesperrt.

30. Juni 2000: Am Rande des Uefa-Kongresses in Luxemburg sickert durch, dass Deutschland nach den Inspektionsreisen des Fifa-Gremiums unter Führung von Rothenberg in einer Fifa-Rangliste an Nummer eins vor Südafrika, England, Marokko und Brasilien geführt wird. In England herrscht helle Empörung.

3. Juli 2000: Brasilien zieht seine Kandidatur zurück

(RPO Archiv)
 
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