| 16.54 Uhr

Kolumne Gegenpressing
Die Geister, die der Fußball rief

So funktioniert das Geschäft der Spielerberater
So funktioniert das Geschäft der Spielerberater
Der berühmte Spielerberater Mino Raiola hat offenbar noch nicht genug verdient. Nun bietet er seinen Klienten Henrich Mchitarjan in ganz Europa an. Auch in Dortmund. Von dort ging Mchitarjan 2016 zu Manchester United. Von Robert Peters

Über den Jahreswechsel hat Mino Raiola möglicherweise mal wieder auf die Kontoauszüge geschaut. Dabei wird er festgestellt haben, dass er immer noch kein armer Mann ist. Aber wie das bei den nicht so armen Menschen ist, hat er bestimmt auch gedacht, dass es ruhig noch ein bisschen mehr sein kann. Und weil Mino Raiola ein sogenannter Spielerberater ist, lässt sich das Vermögen am schnellsten erkennbar mehren, wenn mal wieder ein feiner Transfer vollzogen wird. An den schönen Ablösesummen, die im heutigen Profifußball an Vereine und Spieler gezahlt werden, verdienen die Agenten schließlich mit. Bis zu zehn Prozent der Transfersummen wandern in ihre Taschen, auch wenn Raiola mal behauptet hat, so manchen Transfer habe er ohne Provision über die Bühne gebracht. So viel Edelmut lässt einen beinahe erröten.

Ganz sicher hat Raiola ordentlich kassiert, als er im Sommer 2016 gleich drei seiner Klienten an den englischen Premier-League-Klub Manchester United vermittelte. Paul Pogbas Transfer von Juventus Turin auf die Insel ließen sich Manchesters Eigentümer 108 Millionen Euro kosten, Henrikh Mkhitaryan kam für 42 Millionen Euro von Borussia Dortmund. Aber zumindest an der Ablösesumme von Zlatan Ibrahimovic, der Paris St. Germain verließ, verdiente der Edelmann Raiola nicht. Es gab nämlich keine, Ibrahimovic kam ablösefrei nach Ablauf seines Vertrags.

Ob der italienische Spielerberater beim fälligen Handgeld, das der Spieler gewiss eingestrichen hat, mit im Geschäft war, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich. Die Wintertransfer-Periode hat Raiolas Bankguthaben bisher nicht beleben können. Das findet der Agent natürlich nicht so schön. Deshalb bringt er seinen Klienten Mchitarjan in ganz Europa bei den zahlungskräftigen Klubs ins Gespräch. Auch bei Borussia Dortmund. Es hat sich ja nicht nur bis zu Raiola herumgesprochen, dass der BVB im Sommer Ousmane Dembélé für über 140 Millionen Euro (inklusive Bonuszahlungen) an den FC Barcelona weitergereicht hat. Dortmund ist also reich genug, den Armenier Mchitarjan zurückzuholen.

Dass Raiola seinen Klienten vor anderthalb Jahren dazu bewegte, mit allen (auch den vielen weniger freundlichen) Mitteln den Weg aus seinem Dortmunder Vertrag zu suchen, hält der Spielerberater einerseits für normal, andererseits offenkundig für verjährt. So ganz nach dem Adenauer-Prinzip: "Was gehen mich meine kleinen Schweinereien von gestern an?" Zum Glück für die führenden Agenten auf dem Planeten Fußball, zu denen Raiola gehört, sind seine Geschäftspartner auf dem Globus ebenfalls ziemlich vergesslich. Zumindest so lange, wie ein Spielerwechsel den eigenen Interessen dienen könnte.

Wenn es ihnen gerade nicht so passt, werden die Spielerberater in entrüsteten Sonntagsreden gern als das Grundübel eines herzlosen Geschäfts hingestellt. Wahrscheinlich ist es wie beim Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, auch nicht mehr los wurde. Dass er sie gerufen hatte, ist allerdings eine Tatsache. Da hilft gelegentliches Wehklagen nicht weiter.

Ihre Meinung? Schreiben Sie unserem Autor: kolumne@rheinische-post.de

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Die Geister, die der Fußball rief


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.