Michael Feichtenbeiner in Indonesien: "Dieter Bohlen" trainiert "FC Liverpool"
zuletzt aktualisiert: 08.02.2011 - 07:48Köln/Medan (RPO). Michael Feichtenbeiner ist derzeit mehr Entwicklungshelfer als Trainer. In Indonesien soll er helfen, die vom Milliardär Arifin Panigaro gegründete Liga aufzubauen. Er castet wie Dieter Bohlen, trainiert den "FC Liverpool Indonesiens" und genießt am Abend einen traumhaften Blick über die Millionen-Metropole Medan.
Michael Feichtenbeiner geht es gerade richtig gut. Nach zahlreichen Engagements in der zweiten und dritten Liga in Deutschland und einem missglückten Intermezzo als Sportdirektor bei Energie Cottbus ist der 50-Jährige nun als Entwicklungshelfer in Sachen Fußball unterwegs.
Der Stuttgarter vermisst seine Lebensgefährtin Natalie und Sohn David, ansonsten ist er rundum zufrieden. "Wenn meine Familie da wäre, gäbe es keinen Grund, nach Deutschland zurückzukehren", sagt der 50-Jährige im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (SID). Seit dem 14. Dezember ist er in Indonesien und soll helfen, die neue Profiliga LPI aufzubauen.
Kleiner, silberhaariger Mann
Sie gehört Arifin Panigaro, dem zweitreichsten Mann Indonesiens. Im Oktober hat der 65-Jährige seine Anteile an seiner Ölfirma abgegeben, die Liga ist sein neues Spielzeug. Feichtenbeiner beschreibt ihn als "kleinen, silberhaarigen Mann mit einer unglaublichen Aura".
Panigaro hat offenbar hehre Absichten. Er will mit der LPI die von Manipulation verseuchte Super League ersetzen. Die Spieler aller 19 Vereine und sämtliche Funktionsträger stehen bei ihm unter Vertrag, in zwei oder drei Jahren soll die Liga offiziell anerkannt und die Vereine selbstständig sein. Begeistert berichtet Feichtenbeiner vom 15-Jahres-Plan Panigaros, den dieser mit genauen Jahreszielen in einem 200 Seiten dicken Handbuch zusammengefasst hat.
Langfristiges Ziel ist eine WM-Teilnahme Indonesiens. "Mit einem Land mit 240 Millionen Einwohnern, in dem der Fußball Sportart Nummer eins ist, muss das möglich sein", sagt Feichtenbeiner. "Ich bin zwar ein gebranntes Kind", sagt der Schwabe mit Blick auf ein chaotisches Jahr in Malaysia 2005/06, "aber das hat mich gereizt".
Dass noch keine gewachsenen Strukturen vorhanden sind, macht sich aber täglich bemerkbar. Kurz nach seiner Ankunft musste Feichtenbeiner erst einmal ein Casting durchführen. Aus 200 Bewerben suchte er 20 für den Klub PSM Makassar aus. "Das hatte schon was von Dieter Bohlen", sagt er schmunzelnd.
Heißblütige Fans in Indonesien
Doch kaum war die Sichtung fertig, wurde Feichtenbeiner versetzt. Man könnte auch sagen, befördert. Denn Panigaro betraute ihn mit dem Traineramt bei Bintang Medan. Der Klub aus der Drei-Millionen-Stadt auf Sumatra ist dank seiner heißblütigen Fans als "Liverpool Indonesiens" bekannt, verlor nach einem Auftaktsieg aber gleich das zweite Spiel mit 1:3 beim vom Ex-Stuttgarter Jose Basualdo trainierten Team Real Mataram.
Feichtenbeiner fühlte sich verpfiffen. Zwei klare Elfmeter seien seinem Team verweigert worden, erzählt er, außerdem seien zwei Tore des Gegners irregulär gewesen. Also doch wieder Bestechung? "Nein", entgegnet er: "Unsere Spieler tauchen ja noch nicht einmal auf Wettscheinen auf. Aber die Schiedsrichter sind einfach nur unglaublich schlecht, sie haben nicht einmal Ahnung von Abseits."
Es ist also gar nicht so leicht als Entwicklungshelfer. Das merkt auch der Ex-Wolfsburger Uwe Erkenbrecher, der mit Cendrawasih Papua die ersten zwei Spiele verlor. Feichtenbeiner beschreibt die ersten beiden Monate als "eine ganz besondere Lebenserfahrung". Und falls Natalie und David sich nach dem ersten Besuch im März zum Bleiben entscheiden, gibt es aber auch gar keinen Grund mehr, den schnellen Weg zurück nach Deutschland zu suchen.
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