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Jahn Regensburg
Wie Douglas Costa einem Futsal-Team zu seinem Aufstieg verhilft

Douglas Costa: Wie ein Futsal-Team vom FC Bayern München profitiert
Douglas Costa klatscht mit Arjen Robben ab. FOTO: dpa, geb hak
Düsseldorf. Erst seit knapp zwei Jahren existiert die Futsal-Abteilung des SSV Jahn 1889 Regensburg. Als Glücksfall für die Regensburger erwies sich wenige Monate nach der Gründung der Wechsel von Douglas Costa zum FC Bayern München. Nun träumt der Klub sogar von der Deutschen Meisterschaft.  Von Phillip Oldenburg

Luca Silveira Kruel, Luis Gustavo Perotta Correa, Halison De Souza Goncalves, Raul Mantelli Guimares – Futsaler, die vor anderthalb Jahren in Regensburg einen Futsal-Boom ausgelöst haben. Mit dem SSV Jahn Regensburg schreiben sie derzeit an einer Erfolgsgeschichte, die im April mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen könnte. Allen kritischen Stimmen zum Trotz. 

Oliver Vogel, sportlicher Leiter bei Jahn Regensburg, gilt als Gründer des Futsal-Projekts in Regensburg. Beruflich weilte Vogel bis Ende 2014 in Australien, spielte dort selbst knapp vier Jahre Futsal. Seine Leidenschaft brachte er mit nach Deutschland. Im Februar 2015 suchte er erstmals Gespräche mit der Vereinsführung des SSV Jahn und entwickelte sein Projekt Schritt für Schritt weiter. 

Als Glücksfall für die Regensburger erwies sich wenige Monate nach der Gründung der Wechsel von Douglas Costa zum FC Bayern München. Gemeinsam mit seinem Personal-Trainer Lucas Kruel, einem ehemaligen Futsal-Profi, wechselte Costa aus Donezk nach München. 

Spielertrainer Lukas Kruel (rechts) hat viele alte Weggefährten nach Regensburg gelotst. FOTO: Foto: Jahn Regensburg

"Nur wegen Douglas bin ich hier"

Obwohl Kruel seine Karriere als Spieler bereits beendet hatte, ließ er sich von Vogel überzeugen, sich am Projekt Regensburg zu beteiligen. Beide kannten sich aus ihrer Zeit in Australien. Nach kurzem Zögern sagte der Brasilianer zu und löste damit einen kleinen Futsal-Boom in der Domstadt aus. "Nur wegen Douglas bin ich hier, kann Futsal spielen und konnte so das Projekt in Regenburg starten", sagte Kruel in einem Interview mit "Mister Futsal". Direkt im ersten Jahr stieg man in die Regionalliga Süd auf - die höchste deutsche Spielklasse. Es folgte ein beeindruckender Durchmarsch. Im Februar 2017 wurde der SSV Jahn mit 18 Siegen in 18 Spielen (202:45 Tore) Meister der Regionalliga Süd und sicherte sich damit das Ticket für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. 

Dieser sportliche Erfolg lässt sich aber nicht allein auf das Talent von Kruel zurückführen, dessen Kontakte in die weite Welt - vor allem nach Brasilien - eine große Rolle spielten. Neben Kruel sorgten im Aufstiegsjahr vier weitere Brasilianer im Team der Regensburger für Furore. "Alle wollen das der Futsal weltweit wächst und für dieses Wachstum sind 'Demonstrationsspieler' wichtig", begründet Kruel diesen Schritt. Mittlerweile ist die Zahl der Brasilianer im Kader auf sieben angewachsen - der Großteil wechselte direkt aus Brasilien nach Regensburg. "Im Training wird englisch gesprochen, es sei denn, es stehen nur Brasilianer auf dem Platz. Dann hört man natürlich ausschließlich portugiesisch", sagt Vogel. Bei nur vier Deutschen im Kader kein unmögliches Szenario.

Doch eine solche Transferpolitik ist natürlich nicht ganz günstig: Flugtickets, Unterkünfte, Verpflegung. Für alles muss der Verein selbst aufkommen. Über das Thema Geld spricht man in Regensburg daher auch nur ungern. "Wir zahlen viel aus der eigenen Tasche, sind aber natürlich auch auf fremde Hilfe angewiesen", sagt Vogel. Namen nennt er keine. 

Umso mehr beschäftigt sich der 47-Jährigen mit den vielen kritischen Stimmen, die dem Verein Wettbewerbsverzerrung und mangelnde Nachhaltigkeit vorwerfen. "Wir wollen von ihnen lernen, wir wollen den Futsal vom Ursprung lernen - und das kann niemand so gut rüberbringen wie die Brasilianer", erklärt Vogel. Kruel sieht das ähnlich: "Aufgrund ihrer Erfahrung sind sie sehr wichtig, um anderen Spielern im Team zu zeigen, was Futsal wirklich ausmacht und bedeutet." Der Ursprung von Futsal liegt in Südamerika, international gehört Brasilien zu den Top-Nationen, ist aktueller und Rekord-Weltmeister. In Deutschland ist der offizielle Hallen-Fußball der Fifa noch relativ unbedeutend. Erst im vergangenen Jahr wurde die Nationalmannschaft gegründet, die Ende Oktober 2016 ihr allererstes Länderspiel gegen England ausgetragen hat.

Viertelfinale gegen Holzpfosten Schwerte

In der Endrunde um die Meisterschaft treffen die Jungs um Spieletrainer Kruel im Viertelfinale auf Holzpfosten Schwerte. "Wir freuen uns auf die Schwerter. Das wird ein Wahnsinnspiel. Ich beobachte die Szene schon seit mehreren Jahren, mit einem Viertelfinale gegen Schwerte geht auch ein kleiner Traum in Erfüllung", schwärmt Vogel. "Aber unsere Mannschaft ist hochmotiviert, gibt in jedem Training Vollgas." Im Zuge der Qualifikation für das Viertelfinale hat man das Trainingspensum nochmal angezogen. "Wir trainieren derzeit 3-4 die Woche", verrät Vogel. In einem möglichen Halbfinale könnten die Regensburger dann auf keinen geringeren als den Titelverteidiger und Rekordmeister Hamburg Panthers treffen. 

Dass der Jahn nichts unversucht lässt, um den großen Traum wahr zu machen, zeigen die jüngsten Personalien, die der Klub getätigt hat. Extra für die Endrunde hat sich das Kruel-Team noch einmal verstärkt: Ab sofort läuft der Brasilianer Marquinhus für die Regensburger Futsaler auf, für das Torwarttraining wurde dessen Landsmann Leonardo Ceresa verpflichtet. Zudem konnten Ehsan Modarressi aus Darmstadt und Alexander Günter von 1860 München an die Donau gelotst werden. Darüber hinaus soll mit Andre Caro Salve (spielte zuletzt in Australien) ein weiterer Brasilianer die ohnehin starke Offensive der Regensburger weiter beleben. Die Wechselfristen in Bayern machten dies möglich. 

Doch was passiert, wenn Costa die Bayern verlässt und seinen Personaltrainer mitnimmt? Auch damit hat sich Vogel bereits auseinandergesetzt. "Ich glaube nicht, dass Lucas uns dann verlassen wird. Lucas betreut mittlerweile weitere Spieler des FC Bayern. Er hat sich hier neben dem Futsal etwas aufgebaut, dass er nicht so ohne weiteres aufgeben wird". Der Titel des Deutschen Futsal-Meisters wäre ein weiteres Argument für Regensburg.

 
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