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Aufsteiger Erzgebirge Aue
Elf neue Freunde müsst ihr sein

FC Erzgebirge Aue: Elf neue Freunde müsst ihr sein
Erzgebirge Aue hat den direkten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. FOTO: dpa, hak
Aue. Erzgebirge Aue tauschte nach dem Abstieg in die 3. Liga das gesamte Team aus. Es folgte der sofortige Wiederaufstieg. Von Sebastian Bergmann

Ein neuer Trainer, eine neue Liga und 17 neue Spieler – die Fans des FC Erzgebirge Aue mussten sich nach dem Abstieg in die Drittklassigkeit viele neue Gesichter merken, die Fußballer sich erst einmal kennenlernen. Doch die Eingewöhnungszeit verlief schneller als gedacht. Viel schneller. Durch ein 2:0 bei Fortuna Köln machten die Sachsen jetzt frühzeitig den sofortigen Wiederaufstieg in die 2. Fußball-Liga perfekt. Für Fans und Beobachter des Klubs grenzt die rasante Rückkehr der Lila-Weißen an ein Fußball-Wunder. Clevere Transfers, der Sohn eines Ex-Nationalspielers sowie der Schulterschluss mit den eigenen Fans waren am Ende ausschlaggebend dafür, dass das "Wunder von Aue" wahr wurde.

Als Trainer Pavel Dotchev Aue vor einem Jahr übernahm, fand er einen Kader vor, der diesen Namen eigentlich nicht verdient hatte. Gerade einmal vier Spieler hatten dem Verein nach dem Abstieg die Treue gehalten. Einer davon, Nils Miatke, war zu allem Überfluss auch noch dauerverletzt. Sportdirektor Steffen Ziffert stand vor der großen Herausforderung, quasi aus dem Nichts ein komplett neues Team auf die Beine zu stellen. In Windeseile füllte er den Kader mit Fußballern aus Deutschland und dem nahegelegenen Ausland, die ausnahmslos ablösefrei kamen, auf. Doch hinter dem Leistungsstand dieser zusammengewürfelten Truppe stand ein großes Fragezeichen.

Der Drittliga-Auftakt verlief dann auch wenig überraschend nicht sonderlich erfolgreich. Aus den ersten beiden Partien holte die Dotchev-Truppe nur einen mageren Zähler. Zugang Christian Tiffert, der zuvor ein Jahr ohne Verein war, war noch nicht in Wettkampfform. Es dauerte bis zum 7. Spieltag, ehe der 34-jährige Ex-Spieler des MSV Duisburg und des VfB Stuttgart erstmals eingreifen durfte. Doch dann schlug Tiffert ein. Schnell wurde er zum Fixpunkt im Mittelfeld der Erzgebirgler, zum Leistungsträger und Stammspieler unter Dotchev, dessen Team sich mehr und mehr fand.

Selbst als die Lila-Weißen den kompletten Oktober über und insgesamt sechs Liga-Spiele in Folge ohne Sieg blieben, behielten die Verantwortlichen in Aue die Ruhe. Anstatt in Panik zu verfallen, wurde der Kader weiter optimiert. Als größtes Sorgenkind hatten Dotchev und Ziffert die Offensivabteilung identifiziert. Die 15 Tore, die die Erzgebirgler in der Hinrunde schossen, waren der schlechteste Wert aller Drittligisten. Nicht zuletzt deshalb gab der Klub im Winter die Verpflichtung von Mittelstürmer Pascal Köpke, dem Sohn des Ex-Nationalspielers und Bundestorwarttrainers Andreas Köpke, bekannt. Und der erst 20-Jährige, der vom Karlsruher SC ausgeliehen wurde, war wie Tiffert ein Volltreffer. In 13 Partien schoss er acht Tore für den selbsternannten Bergarbeiter-Klub.

Ein weiterer Faktor, der zum "Wunder von Aue" beitrug, war die symbolträchtige Einbeziehung der Fans. Als der Vertrag mit dem Trikotsponsor endete, entschied sich Aue dazu, in der 3. Liga den Slogan des Klubs - "Kumpelverein" - fortan auf der Brust zu tragen. Die Idee kam bei den Anhängern mehr als gut an. Gleich 600 neue Mitglieder hieß Aue nach dem Abstieg willkommen. Dem Vernehmen nach denkt der Verein jetzt sogar darüber nach, auch in der 2. Liga auf einen Trikotsponsor zu verzichten.

Im Januar hatten die Sachsen den zum Aufstieg berechtigenden zweiten Tabellenplatz erstmals erobert - und gaben diesen nicht mehr her. Präsident Helge Leonhardt, der noch vor der Saison gesagt hatte, dass an einen sofortigen Aufstieg "nicht zu denken sei", schwärmte nach der Entscheidung in Köln von Erfolgstrainer Dotchev. "Er war der Richtige zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort", sagte er. Der 50-jährige Übungsleiter spielte den Ball gerne zurück und lobte den Vorstand. "Ich hatte immer super Unterstützung im Präsidium. Ich durfte so arbeiten, wie ich wollte."

Einen kompletten Neuanfang wird es bei den Erzgebirglern in diesem Sommer nicht noch einmal geben - für die 2. Liga hat Aue bereits 21 Aufstiegshelden fest unter Vertrag.

Quelle: RP
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