"Wir bringen euch Presseleute um": Hansa-Fans greifen Journalisten an
zuletzt aktualisiert: 15.02.2011 - 15:36Berlin/Rostock (RPO). Eine "neue Qualität" der Gewalt bringt den Fußball-Drittligisten Hansa Rostock wieder in Verruf. Am vergangenen Wochenende wurden vor dem Spiel gegen Werder Bremen II zwei Journalisten von etwa 30 vermummten Anhängern des Traditionsklubs attackiert und zumindest einer von ihnen sogar mit dem Tod bedroht.
"Wir bringen euch Presseleute um. Wir bringen dich um. Wir wissen, wer du bist, und wir finden dich", berichtete einer der Betroffenen im NDR von den Drohungen, die gegen ihn gerichtet wurden. Die Angst sitzt bei ihm immer noch tief. Nur anonymisiert trat der Sportfotograf, der sich letztendlich auf einen VIP-Parkplatz rettete, vor die Fernsehkamera.
"Das ist eine Katastrophe, dass so etwas passiert ist. Das ist nicht hinnehmbar", sagte Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Es ist eine neue Qualität, dass Unbeteiligte Angriffen ausgesetzt sind und dass man im Vorfeld auf die Idee kommt, jemanden herauszupicken."
Am Dienstagabend akzeptierten die beiden Journalisten nach einem Treffen mit Hofmann und Veranstaltungsleiter Rainer Friedrich die Entschuldigung des Vereins. "Das Gespräch, in dem wir uns mit den Medienvertretern unter anderem auch noch einmal über den Ablauf der Geschehnisse ausgetauscht haben, verlief in einer angenehmen, konstruktiven Atmosphäre. Beide Journalisten haben unsere Entschuldigung akzeptiert und wir haben ihnen versichert, dass wir alles tun werden, um die Täter zu ermitteln", sagte Hofmann.
Als Konsequenz will Hansa nun den Standort der Medienparkplätze verlegen und die Ordnerpräsenz in den betreffenden Bereichen erhöhen. Zudem will der Verein die entstandenen Schäden an den Autos der beiden Journalisten von rund 6000 Euro begleichen.
Auch die Politik hat sich mittlerweile eingeschaltet. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier forderte die Vereinsführung auf, mit aller Entschiedenheit gegen die Gewalttäter vorzugehen. "Ich glaube, dass Stadionverbote für die wenigen Unbelehrbaren als 'erzieherische Maßnahme' nicht ausreichen", sagte Caffier der Ostseezeitung.
"Das ist eine Straftat und wir helfen bei der lückenlosen Aufklärung, damit die Täter ihre Strafe bekommen", sagte Hofmann. Bereits am Spieltag hatte der Verein das Gespräch mit den Angegriffenen gesucht und sich entschuldigt. Ein weiteres Treffen war für Dienstagnachmittag angesetzt.
Bereits häufiger hatten Teile der Rostocker Anhängerschaft für negative Schlagzeilen gesorgt. So musste der Verein nach Ausschreitungen im Ost-Derby gegen Dynamo Dresden zwei Auswärtsspiele ohne die Unterstützung der eigenen Fans auskommen.
"Es ist traurig, dass unser sportlicher Erfolg deswegen in den Hintergrund rückt. Wir sind sportlich auf Kurs, genau deshalb ist es für den Betrachter nicht nachvollziehbar, was passiert ist", sagte Hofmann. Hansa liegt derzeit mit zehn Punkten Vorsprung auf den Verfolger Kickers Offenbach auf Platz zwei der 3. Liga und damit auf Kurs Zweitliga-Rückkehr.
Der Verein arbeitet die Vorfälle gemeinsam mit der Polizei auf. Die Anfahrtswege und das Zusammenspiel zwischen Sicherheitsdienst und der Polizei sollen überprüft werden. "Der Wachdienst hat unsere Einsatzkräfte über diesen Vorfall informiert. Als diese aber eintrafen, hatten sich die Angreifer schon zerstreut", sagte eine Sprecherin der Rostocker Polizei dem SID.
Dabei ist der Verein einem Jahr nach dem Abstieg aus der zweiten Liga eigentlich auf einem guten Weg. Der neuen Vereinsführung um Hofmann, Manager Stefan Beinlich und Trainer Peter Vollmann gelang bis jetzt der Spagat zwischen wirtschaftlicher Konsolidierung des finanziell angeschlagenen Vereins und dem sportlichen Erfolg gut.
Doch auch in der vergangenen Woche im Spiel gegen Ahlen hatten Anhänger zum wiederholten Mal in dieser Saison Pyrotechnik und Knallkörper gezündet. "In Ahlen haben aber erstmals eigene Fans den Böllerwerfer aus dem Block geschmissen. Dessen Personalien konnten daraufhin festgestellt werden", sagte Hofmann
Die langsam einsetzende Selbstregulierung in der Rostocker Fanszene kommt für die beiden Opfer allerdings zu spät. "Sofern sich nicht maßgebliche Dinge ändern, werde ich meine Akkreditierung zurückgeben", sagte der angegriffene Fotograf: "Ich habe keine Lust, bei der Berichterstattung über einen Drittligaverein mein Leben zu riskieren."
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