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3. Liga
Wutrede bei Youtube: Osnabrück feuert Wollitz
3. Liga: Wutrede bei Youtube: Osnabrück feuert Wollitz
Claus-Dieter Wollitz ist mit seiner Wutrede der Hit bei Youtube. FOTO: dapd, dapd
Osnabrück. Nach einer im Internet verbreiteten Wutrede ist Claus-Dieter Wollitz als Trainer des VfL Osnabrück mit sofortiger Wirkung abgelöst worden.

Mit einer lautstarken Wutrede im Stile seines berühmten Münchner Trainerkollegen Giovanni Trapattoni hat Claus-Dieter Wollitz seine sofortige Kündigung durch den Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück förmlich provoziert.

Auf einem Handy-Video bei Youtube ist im Internet mehr als drei Minuten lang zu sehen, wie der 47-Jährige in Jeans und roter Jacke vor dem Stadiontor an der Bremer Brücke hochemotional mit wartenden Fans diskutiert. Er sei ein Gerechtigkeitsfanatiker und habe einige Dinge einfach nicht mehr auf sich beruhen lassen können, äußerte Wollitz und fügte mit Blick auf den VfL-Vorstand hinzu: "Das muss ich mir nicht mehr antun."

Als offizielle Begründung für den Schritt nannte die Klubführung in einer Pressemitteilung am Dienstagmorgen allerdings zunächst nur "die öffentliche Bekanntgabe seines bevorstehenden Rücktritts und die geäußerte Kritik an Teilen der Vereinsführung auf der Pressekonferenz nach dem Spiel bei Arminia Bielefeld am vergangenen Samstag".

Als Interimscoach bis zum Saisonende soll am Nachmittag der bisherige Co-Trainer Alexander Ukrow vorgestellt werden. Als Wunschtrainer für die neue Spielzeit gilt bei den Niedersachsen VfL-Urgestein Joe Enochs, der Nachwuchscoach besitzt allerdings nicht die erforderliche Trainerlizenz.

Die Niedersachsen hatten am Samstag durch eine 0:1-Niederlage in Bielefeld die letzte Chance auf einen direkten Aufstieg in die 2. Liga verspielt. Einen Sieg im letzten Heimspiel am Samstag gegen Tabellenschlusslicht Alemannia Aachen vorausgesetzt, müssen die Norddeutschen nunmehr darauf hoffen, dass zeitgleich der drittplatzierte 1. FC Heidenheim vor eigenem Publikum nicht gegen Kickers Offenbach gewinnt.

"Wir bedauern diesen Schritt"

Die Entscheidung zur Beurlaubung von Wollitz trafen Präsident Christian Kröger und VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend nach ausführlichen Gesprächen am Montagabend. "Wir bedauern diesen Schritt, sahen aber angesichts der Umstände keine andere Handlungsmöglichkeit", sagte Kröger: "Wir müssen jetzt die letzten Kräfte bündeln. Wenn wir in die Relegation kommen, werden wir alles dafür tun, diese erfolgreich zu bestreiten und den Aufstieg in die 2. Bundesliga doch noch zu realisieren."

Wollitz hatte am Samstag nach dem Spiel überraschend seinen Rücktritt als Trainer und Sportdirektor erklärt. Wegen "Veränderungen im Verein", mit denen er sich nicht identifizieren könne, werde er nach der Saison aufhören, teilte er mit. Er spüre nicht mehr das Vertrauen, das er für seine Arbeit brauche, so Wollitz weiter. "Menschlich habe ich im vergangenen Jahr unheimlich viel gelernt", sagte Wollitz, der sich bei seinem Team und den Mitarbeitern des VfL für die Zusammenarbeit bedankte.

Der "Pele" genannte Trainer hatte im Dezember 2011 die Nachfolge des entlassenen Uwe Fuchs angetreten. Der frühere Bundesliga-Profi genießt in Osnabrück Kultstatus und war dort als Spieler (1989 bis 1993) und schon zuvor als Trainer (2004 bis 2009) aktiv.

Quelle: sid/seeg
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