1. Bundesliga 17/18
| 15.20 Uhr

Martialischer Auftritt von Dynamo-Dresden-Fans
Kriegserklärung an den Fußball

Dresden-Fans in Kampfmontur auf den Tribünen
Dresden-Fans in Kampfmontur auf den Tribünen FOTO: dpa, ua hak
Meinung | Düsseldorf. Fans von Dynamo Dresden bringen ihren Verein zum wiederholten Male in Verruf. Der martialische Marsch in Karlsruhe war nicht nur eine Kriegserklärung an den DFB, sondern an den gesamten Fußball. Von Gianni Costa

Für Dynamo Dresden geht es schon seit einer geraumen Weile sportlich um relativ wenig in der Zweiten Liga. Der Verein wird, das steht schon vor dem letzten Spieltag fest, die Saison als Fünfter beenden. Eine beachtliche Leistung mit überschaubaren Mitteln.

Man könnte also einen entspannten Saisonausklang erwarten. Doch mal wieder haben größere Teile der Anhängerschaft ihren angeblich so geliebten Klub schändlich vertreten. Es ist nicht einmal ein Verweis auf die Dresdner Geschichte nötig, um deutlich zu machen, wie peinlich es ist, in Tarnkleidung als "Football Army Dresden" zum Karlsruher Stadion zu marschieren. Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde der Krieg erklärt, weil man sich vom Verband gegängelt fühlt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Anhänger in ihrer vermeintlichen Kreativität derart über die Stränge schlagen. Das hat nichts mit dem Ausleben von Meinungsfreiheit zu tun. Man ist erstaunt, wie leichtfertig die Ordnungskräfte in Dresden und Karlsruhe in der Gefahreneinschätzung mit derartigem Klientel vorgehen. In der Szene war die martialische Inszenierung lange bekannt. T-Shirt und Mütze im Camouflage-Look konnten im Paket gekauft werden. Und trotzdem durften die Dresdner, in großen Teilen vermummt, mit Polizei-Eskorte marschieren. 15 Beamte wurden verletzt.

Der Marsch war nicht nur eine Kriegserklärung an den DFB, sondern an den gesamten Fußball. Das ist nicht die Fan-Kultur, die rund um das Spiel Platz bekommen darf – ihn aber viel zu oft bekommt. Nicht nur in Dresden. Der DFB tut gut daran, in der Beurteilung die richtigen Schlüsse zu ziehen. Damit zu rechnen ist leider nicht. Es bringt rein gar nichts, den Verein mit einer Kollektivstrafe wie einem Teilausschluss der Anhänger zu bestrafen. Was sollte sich dadurch ändern? Vielmehr sollten die Klubs selbst die Verantwortung übernehmen und die Krawallmacher gezielt langfristig aus dem Spiel nehmen.

Das geht – man muss es nur auch wirklich wollen.

(gic)
 
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