1. Bundesliga 16/17
| 12.58 Uhr

Co-Trainer Sören Osterland
Deutschlands jüngster Fußball-Lehrer ist Effenbergs Mastermind

Stefan Effenberg: Sören Osterland ist sein Mastermind
Sören Osterland unterstützt Stefan Effenberg als Co-Trainer. FOTO: dpa, frg lus
Düsseldorf. Mit 26 Jahren schloss er den Lehrgang des DFB ab und wurde zum jüngsten Fußball-Lehrer Deutschlands. Nun ist Sören Osterland Co-Trainer von Stefan Effenberg beim SC Paderborn. Der Tiger hatte den "Streber", dessen Kinderzimmer ein "Effe"-Poster zierte, im DFB-Klassenzimmer aus der letzten Reihe beobachtet.  Von Antje Rehse

Mehmet Scholls Urteil über Deutschlands neue Trainer-Generation im Interview mit dem "Spiegel" fiel zuletzt drastisch aus. "Bei denen ist Taktik oberstes Gebot, das sind Laptop-Trainer", sagte der ehemalige Profi von Bayern München, der zwischen 2009 und 2013 zweimal die zweite Mannschaft des Rekordmeisters trainierte. Dazwischen machte Scholl den Abschluss als "Fußball-Lehrer" an der Hennes-Weisweiler-Akademie, den er im März 2012 abschloss. "Je mehr ich die Kandidaten beobachtet habe, die mit Bestnoten abschließen, die dieses typische Kursbestergesicht haben und die Kursinhalte aufgesogen haben, desto mehr sträubten sich bei mir die Nackenhaare", so Scholl.

Effenberg leitet erstes Training in Paderborn FOTO: dpa, frg lus

Sören Osterland hatte Glück. Er machte zusammen mit Scholl den Lehrgang – mit 26 als jüngster Trainer in Deutschland – wurde aber "nur" Zweiter. Alexander Zorniger, mittlerweile Trainer des kriselnden VfB Stuttgart, bekam noch bessere Noten. Scholls damalige Wertschätzung dem jungen Kollegen gegenüber zeigte sich darin, dass er ihn bei seiner zweiten Amtszeit bei Bayern II in sein Trainerteam aufnahm. Beide arbeiteten ein Jahr zusammen. Scholl konzentrierte sich danach wieder auf seine Karriere als TV-Experte, Osterland wurde Cheftrainer bei Hannover 96 II, trainierte dann kurzzeitig die U19-Nationalmannschaft Ungarns. Bis zum Anruf eines weiteren Ex-Bayern-Stars.

Denn auch Stefan Effenberg war beim Lehrgang mit Scholl und Osterland dabei. Die zwei Champions-League-Sieger von 2001 sollen nebeneinander in der letzten Reihe gesessen haben, heißt es. Und der junge Musterknabe von der ersten Bank, der als Spieler nie über die Oberliga hinausgekommen war, hinterließ auch bei Effenberg Eindruck. "Ich habe ihm gesagt, er solle sich immer eine Klausel in seine Verträge schreiben lassen, falls ich ihn brauche", berichtete Effenberg einen Tag vor seinem Amtsantritt als Chefcoach des SC Paderborn im Interview mit "Sky Sport News HD". Und als sich der 47-Jährige dazu entschied, seinen ersten Trainerjob im Profigeschäft anzunehmen, brauchte er Osterland.

"Es muss immer eine Mischung sein aus Konzept und Motivation", sagte Effenberg, gefragt nach seiner Trainerphilosophie, bei seiner ersten Pressekonferenz in Paderborn. "Mein Co-Trainer Sören Osterland ist natürlich ein Experte am Laptop, dann stimmt die Mischung wieder. Er hat auch viel für mich geschrieben beim Lehrgang", fügte Effenberg lachend hinzu, um dann klarzustellen, dass die Inhalte natürlich von ihm selbst gekommen seien, Osterland aber einfach schneller tippen könne. "Hätte ich selber getippt, würde ich heute noch da sitzen." 

Effenberg, Kahn und Co. beim Trainer-Lehrgang FOTO: dapd

Mehr als nur Schreibkraft

Man darf allerdings davon ausgehen, dass Osterland in Paderborn nicht nur als Schreibkraft angestellt wurde. Denn der mittlerweile 29-Jährige hat ehrgeizige Ziele und schon jede Menge Erfahrung als Coach. Schon früh strebte er eine Laufbahn als Trainer an. Während er selbst noch als Spieler aktiv war, trainierte er im Auswahlbereich des Fußball-Landesverbandes Sachsen-Anhalt die Nachwuchskicker, war dann zusätzlich an der DFB-Eliteschule des Fußballs in Magdeburg und später als Co-Trainer bei der U17 des SC Magdeburg tätig. 2011 besorgte er sich dann ein Stipendium, um die Lizenz als Fußball-Lehrer zu machen. Da war er gerade einmal 25.

Und auch die Schattenseiten des Trainer-Daseins hat er schon kennengelernt. In diesem Frühjahr wurde ihm mitgeteilt, dass sein Vertrag bei Hannover 96 nach zwei Jahren bei den Niedersachsen nicht verlängert werde. Er sei zu jung, fanden die Verantwortlichen plötzlich. "Wie soll ich dagegen argumentieren", fragte sich Osterland.

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Die Fans stellten sich klar auf die Seite Osterlands und gegen Sportdirektor Dirk Dufner. Letzterer ist mittlerweile bei den Niedersachsen längst Geschichte. Und Osterland? Während seiner Zeit bei Hannover 96 II seien regelmäßig Angebote bei ihm eingegangen, berichtete Osterland in diesem Frühjar im Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Neuen Presse: "Die reichten von Posten in Nachwuchsleistungszentren bis zum Profibereich."

Es wurde, nach einer kurzen Zwischenstation in Ungarn, also der Profibereich. Und damit wird für Osterland nicht nur der Traum von der Bundesliga (wenn auch noch in der kleineren Variante) wahr. Nach Scholl darf Osterland nun mit seinem zweiten großen Idol zusammenarbeiten. "Ich hatte von beiden Poster in meinem Kinderzimmer hängen", berichtet der Trainer-Youngster.

Die Arbeit am neuen Ort müsse Spaß machen, es müssten professionelle Strukturen herrschen und zwischenmenschlich sollte es passen. "Dann würde ich gern mithelfen langfristig etwas aufzubauen", hatte Osterland nach dem Aus in Hannover gesagt. In Paderborn bekommt er nun die Chance dazu. Die Ostwestfalen gelten in Deutschland längst als Trainerschmiede. Osterland hätte – genau wie Effenberg – sicher nichts dagegen, sich in Zukunft in diese Liste um André Schubert (Gladbach), Roger Schmidt (Leverkusen) und André Breitenreiter (Schalke) einzureihen. Dann aber als Cheftrainer. Zeit hat er ja noch genug.

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