1. Bundesliga 16/17
| 17.02 Uhr

"Tiger" neuer Trainer in Paderborn
Effenberg hat diese Chance verdient

Porträt: Stefan Effenberg: Vom Bayern-Star zum erfolglosen Trainer-Novizen
Porträt: Stefan Effenberg: Vom Bayern-Star zum erfolglosen Trainer-Novizen FOTO: dpa, ho nic
Meinung | Düsseldorf. Stefan Effenberg ist jetzt 47 Jahre alt. 2004 hat er beim al-Arabi Sports Club in Katar seine Fußballkarriere beendet. In der Zwischenzeit hat er sich ein paar Mal schlagzeilenträchtig von seiner zweiten Frau Claudia getrennt und mit ebenso großen Bildern in der Boulevardpresse auch wieder versöhnt. Er ist Großvater geworden. Von Gianni Costa

Zuletzt brillierte er wieder als Vorlagengeber für ein Skandälchen. Ende September wurde "Effe" bei einer Autofahrt nach dem Besuch des Münchner Oktoberfests mit 1,4 Promille Alkohol im Blut von der Polizei angehalten – und musste noch vor Ort seinen Führerschein abgeben. Auch das konnte man sehr groß über ihn lesen. Er war im Entertainment angekommen – irgendwo zwischen "Schlag den Star" und Plauderrunde bei "Sky".

Eines war ihm lange nicht gelungen: Trainer zu werden. Die Lizenz besitzt er bereits seit 2012. Er wurde immer mal wieder als Kandidat hier und dort gehandelt. Bei Hannover 96, dem VfL Bochum, dem Hamburger SV, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach – mal mehr, mal weniger ernsthaft. Er ist es vielleicht auch nicht geworden, weil von ihm das Proll-Image in der Öffentlichkeit dominiert. Als Kernkompetenzen werden Effenberg oft Frauen und Pöbeleien zugeschrieben. Dass er in diesen Bereichen Stärken hat, ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen.

Effenberg, Kahn und Co. beim Trainer-Lehrgang FOTO: dapd

Effenberg, der Fußballfachmann

Effenberg ist aber mehr. Er gilt in der Szene durchaus als ausgewiesener Fußballfachmann. Ob er das auch in der täglichen Arbeit mit einer Profimannschaft umsetzen kann, wird man nun bei seinem Engagement beim SC Paderborn sehen. Der Zweitligist bestätigte die Verpflichtung Effenbergs als neuen Coach. Nach intensiven Gesprächen in der Präsidentenvilla von Wilfried Finke auf Mallorca unterschrieb er einen Vertrag bis 2017. Am Mittwoch soll er schon sein erstes Training leiten. Der SCP spielt am Freitag in der eigenen Arena gegen Eintracht Braunschweig.

Und Paderborn ist ein geradezu idealer Ort dazu. Der ostwestfälische Sportverein war in den vergangenen Jahren immer wieder Arbeitsplatz von interessanten Trainertypen: Roger Schmidt (Bayer Leverkusen), André Schubert (Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach) und zuletzt André Breitenreiter (FC Schalke 04) haben dort gewirkt.

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Beide Seiten gehen ein Risiko ein. Effenberg hat nur einen Versuch, im seriösen Fach anzukommen. Gelingt ihm das nicht, droht ihm ein Lebenslauf wie der von Lothar Matthäus. Stürzt Paderborn mit Effenberg weiter ab, droht der Verein zur Lachnummer der Branche zu werden. Es ehrt Effenberg aber, dass er als hochdekorierter Ex-Fußballer mit Stationen unter anderem in Gladbach und beim FC Bayern München bereit ist, in der Provinz anzutreten – und dort seine Trainerphilosophie auf den Prüfstand zu stellen. Er muss zeigen, dass er mehr ist als ein Phrasendrescher auf zwei Beinen. Effenberg hat diese Chance verdient.

Quelle: RP
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