Wegen provokanter Äußerungen: Effenberg fliegt aus Bayern-Kader
zuletzt aktualisiert: 19.04.2002 - 19:25München (rpo). Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hat Kapitän Stefan Effenberg nach den provokanten Äußerungen über Arbeitslose in Deutschland aus dem Kader für das Punktspiel am Samstag gegen Hertha BSC gestrichen.
"Das Spiel gegen Hertha ist für uns derart wichtig, dass wir die hundertprozentige Unterstützung unseres Publikums brauchen. Ich hoffe und erwarte, dass die Fans uns helfen werden, damit wir die drei wichtigen Punkte im Kampf um einen Platz für die Champions-League-Qualifikation holen", sagte Hitzfeld.
Schon vor dieser Entscheidung war er auf Distanz zu seinem Starspieler gegangen. "Ich kann Stefans Meinung nicht vertreten. Er hat gesellschaftliche Verantwortung. Es war unklug von ihm, sich zu äußern", hatte der Coach am Freitag nach dem Training gesagt.
Hitzfeld befürchtete im Bundesligaspiel gegen Hertha BSC Berlin negative Auswirkungen für den Rekordmeister: "Das ist eine Belastung für die Mannschaft. Aber ich hoffe, dass sie alles abschütteln und sich auf das Sportliche konzentrieren kann." Effenberg habe der Mannschaft mit seinen Äußerungen jedenfalls keinen Gefallen getan, schimpfte Hitzfeld.
Vor dem Duell der Verfolger appellierte Hitzfeld an die Fans des Weltpokalsiegers, die eigene Mannschaft nicht mit Pfiffen noch weiter zu verunsichern. "Ich hoffe, dass sie den Ernst der Lage erkennen und appelliere daran, uns zu unterstützen."
Der 33-jährige Effenberg hatte in einem Interview mit dem Playboy viele Arbeitslose pauschal als Drückeberger und Absahner abqualifiziert. Der Bayern-Kapitän hatte dafür plädiert, die "Stütze auf ein Minimum" herabzusetzen: "Viele können offensichtlich vom Arbeitslosengeld so gut leben, dass sie keine Lust haben, morgens früh aufzustehen und bis in die Abendstunden zu buckeln ..."
Als "unanständig und unverfroren" hatten unter der Woche bereits führende Vertreter von Gewerkschaften und Sozialverbänden "Effes" Aussagen bezeichnet, der in einem Interview mit dem Playboy viele Arbeitslose pauschal als Drückeberger und Absahner abqualifiziert hatte. Frank Bsirske als Vorsitzender von ver.di Deutschlands mächtigster Gewerkschaftsboss schimpfte: "Hier verhöhnt einer seine eigenen Fans."
Walter Hirrlinger, der als Präsident des Sozial-Verbandes VdK 1,2 Millionen Mitglieder vertritt, sagte: "Ich halte es für eine Unverfrorenheit, dass ein Fußball-Millionario die deutschen Arbeitslosen in dieser Art und Weise beleidigt."
Effenberg selbst, der bei Bayern München 4 Millionen Euro pro Saison verdienen soll, blieb ausdrücklich bei seiner Aussage: "Ich stehe voll dazu."
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