1. Bundesliga 16/17
| 11.53 Uhr

Zwietracht im Eintracht-Sturm
Meier der Held – Seferovic der Schurke

Fotos: Frankfurts Meier erzielt Dreierpack gegen Wolfsburg
Fotos: Frankfurts Meier erzielt Dreierpack gegen Wolfsburg FOTO: ap
Frankfurt/Main . Alexander Meier war nach seinem zweiten Dreierpack der Saison der gefeierte Held bei Eintracht Frankfurt. Beim 3:2 gegen den VfL Wolfsburg gab es allerdings auch einen großen Verlierer.

Als alle Loblieder auf Alexander Meier gesungen schienen, stimmte Armin Veh noch zwei völlig neue Strophen an. Zunächst verriet der Trainer von Eintracht Frankfurt nach dem äußerst glücklichen 3:2 (0:1) beim Rückrundenauftakt der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg, dass der dreifache Torschütze in der Winterpause fast weg gewesen wäre. Dann machte Veh deutlich, dass es neben dem strahlenden Helden auch einen "Schurken" gibt.

Der böse Bube ist Meiers Sturmpartner Haris Seferovic - und der Schweizer wurde von Veh derart in den Senkel gestellt, dass seine Zukunft bei den Hessen infrage steht. "Wenn hier einer meint, seinen Egotrip ausleben zu müssen und sich über die Mannschaft zu stellen, dann soll er es machen. Aber nicht bei mir und nicht bei uns", sagte Veh, dessen ausgezeichnete Laune nach dem Erfolg bei der Frage nach dem 23-Jährigen ganz schnell verflogen war.

Seferovic zeigt sich lustlos

Die zur Schau gestellte Lustlosigkeit von Seferovic, der nach der ersten Hälfte raus musste und beim Gang in die Kabine eine abfällige Geste in Richtung der eigenen Bank machte, brachte Veh zur Weißglut. "Das war ja nicht das erste Mal, das geht schon sehr lange so", schimpfte der 54-Jährige: "Ich brauche ihn, wir haben ja keine Stürmer. Aber irgendwann habe ich die Schnauze voll. Er hat drei Tore gemacht, davon ein Elfmeter - das ist für mich kein Torjäger."

Immerhin brachte der Begriff "Torjäger" den Coach wieder zurück zum erfreulichen Thema des Tages. "Er kann sich von Alex ein ganz großes Stück abschneiden. Vielleicht kann er dann mal irgendwann mal dahin kommen, wo Alex ist", äußerte Veh: "Alex ist nämlich so weit gekommen, weil er ein anständiger Kerl ist und weil er danach lebt."

Allerdings hätte Veh seinen Torgaranten vor wenigen Wochen fast verloren. Nur das Machtwort des Trainers hielt den 33 Jahre alten Routinier trotz eines lukrativen Angebots bei der nach wie vor abstiegsgefährdeten Eintracht. "Er hätte das X-Fache verdienen können", verriet Veh: "Ich habe ihm gesagt, dass das nicht geht. Nach einem Gespräch war das erledigt. Das sind charaktervolle Spieler."

Dass die Eintracht ohne Meier (noch) nicht funktioniert, wurde am Sonntag wieder einmal deutlich. Der Torschützenkönig der vergangenen Saison hatte nur 26 Ballkontakte und schoss dreimal auf das Wolfsburger Tor. Das reichte für seinen zweiten Dreierpack (66., 73. und 90.+3) der Saison.

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Wie die Sache beim "Mister Effektivität" läuft, hat sogar Neuzugang Marco Fabian schon kapiert. "Du musst ihm die Bälle geben, dann schießt er die Tore", sagte der Mexikaner, der den entscheidenden Meier-Treffer vorbereitete.

Der Matchwinner selbst gab sich nach dem Abpfiff wie immer bescheiden. "Es ist immer eine Mannschaftsleistung", äußerte der ruhige Norddeutsche: "Ich sollte in der zweiten Halbzeit ja nur noch vorne drin bleiben. Daran habe ich mich gehalten."

Dass Meier überhaupt noch für den Umschwung sorgen konnte, hätte in der Pause kaum jemand für möglich gehalten - zu dominant hatte der VfL die in allen Belangen unterlegene Eintracht an die Wand gespielt.

"Da musste einem angst und bange um die Eintracht werden", gestand der Frankfurter Vorstandsboss Heribert Bruchhagen. Auch Veh war ehrlich: "Wir waren in der ersten Hälfte völlig neben der Kappe."

(sid)
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