1. Bundesliga 16/17
| 11.58 Uhr

Hessen auf Talfahrt in der Bundesliga
Eintracht Frankfurt entlässt Trainer Veh

Bundesliga: Alle Trainerwechsel der Saison 15/16
Bundesliga: Alle Trainerwechsel der Saison 15/16 FOTO: dpa, jai
Frankfurt/Main. Alte Liebe rostet eben doch. Nach wochenlangem Hin und Her und vielen nur halbgaren Treuebekenntnissen gehen der akut abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt und Trainer Armin Veh schon wieder getrennte Wege. Das Ende des zweiten Versuchs der vermeintlichen Traumpartnerschaft besiegelte das trostlose Unentschieden am Samstag gegen den FC Ingolstadt (1:1). Vehs Rückkehr an den Main dauerte nur 265 Tage.

"Es ist nie schön einen Trainer zu entlassen", sagte Frankfurts Vorstands-Boss Heribert Bruchhagen (67) am Sonntagvormittag, nachdem er am Vorabend wortlos das Stadion verlassen hatte: "Das ist uns sehr schwer gefallen, denn Armin Veh hat bis zuletzt unser Vertrauen gehabt." Wirklich gespürt hatte das der 55 Jahre alte Coach aber längst nicht mehr.

"Weiß nicht, keine Ahnung", sagte Veh völlig entnervt, als er während der Pressekonferenz nach dem Ingolstadt-Spiel seine persönliche Situation einschätzen sollte. Die neuerlichen "Armin-raus"-Rufe von den Tribünen, auch von den treuesten Fans, waren da gerade erst verstummt. Der gebürtige Augsburger war seit Wochen dünnhäutig und gereizt, im Eintracht-Team war nach dem Absturz auf den Relegationsplatz 16 die Verunsicherung allgegenwärtig.

Deshalb "wollen wir mit einem Trainerwechsel der Mannschaft im Abstiegskampf einen wichtigen Impuls geben, damit wir den Klassenerhalt schaffen", sagte Bruchhagen. Co-Trainer Reiner Geyer übernimmt zunächst das Training, über die Veh-Nachfolge will der Vorstand zeitnah entscheiden.

Gisdol, Runjaic oder Schur?

"Das Anforderungsprofil ist klar", sagte Bruchhagen – ohne es zu verraten. Der frühere Kaiserslautern-Trainer Kosta Runjaic (44), Ex-Hoffenheim-Coach Markus Gisdol (46) und der ehemalige Eintracht-Profi Alexander Schur (44) scheinen die Kandidaten zu sein. Es mache "keinen Sinn, eine Deadline zu setzen", sagte Bruchhagen. Trainiert wird am Main am Dienstag wieder, am kommenden Samstag tritt Frankfurt bei Borussia Mönchengladbach an (15.30).

"Ich sage Frankfurt weder ab noch zu", sagte der 46-Jährige Gisdol im Doppelpass bei Sport1 am Sonntag. "Wenn ein Trainerkollege entlassen wird, dann fühlt man in erster Linie mit", äußerte Gisdol: "Ich schätze Armin sehr, und deswegen gehen die Gedanken momentan nicht so weit. Es widerstrebt mir auch, als Nachfolger gehandelt zu werden."

Außerdem sehe seine Planung eine andere Vorgehensweise vor. Gisdol: "Ich habe nicht den unwahrscheinlichen Druck, jetzt irgendwo einzusteigen." Eigentlich möchte er erst im Sommer wieder ins Trainergeschäft einsteigen.

"Die Enttäuschung ist groß, wir treten auf der Stelle", hatte Sportdirektor Bruno Hübner nach dem Spiel gesagt. Er verurteilte auch die Reaktion der Fans: "Die Stimmung ist nicht gut, das ist alles nicht hilfreich." Die Treuebekenntnisse aus der Mannschaft halfen am Ende auch nichts mehr. "Ich bin überzeugt, dass wir nur mit Veh da unten rauskommen. Ich mache mir keine Sorgen um ihn", sagte Ersatzkapitän Marco Russ, der den Ausgleich erzielt hatte (69.). Ingolstadts Moritz Hartmann hatte die Eintracht zuvor in die Depression gestürzt (8.) - und Vehs Sturz eingeleitet.

Nach einem kurzzeitigen Intermezzo beim VfB Stuttgart, das auch nur 146 Tage andauerte, war der Coach am 15. Juni 2015 in Frankfurt mit großen Vorschusslorbeeren vorgestellt worden. Statt einem Platz im gesicherten Mittelfeld droht aber nun der Abstieg. Bruchhagen hört nach dieser Saison auf - und er will seinem Nachfolger auf keinen Fall einen sportlichen Trümmerhaufen hinterlassen. Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder, mit dem gesprochen wurde, gab den Hessen einen Korb; er wird nicht Bruchhagen-Nachfolger.

Doch es gibt wenig Hoffnung, dass sich die angespannte Lage entspannt. Zwar steigerte sich die Eintracht auch am Samstag in der zweiten Halbzeit noch mal, allerdings fehlte Torjäger Alexander Meier (Knieverletzung) an allen Ecken und Enden. "Es läuft einfach alles gegen uns", meinte der starke Keeper Lukas Hradecky. Der Rest des Teams fällt einfach zu häufig in ein Leistungsloch.

(seeg/sid)
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