Ehinger und Wolf neue Vizepräsidenten in Frankfurt: Eintracht-Präsidium handlungsfähig
zuletzt aktualisiert: 10.05.2000 - 15:05Frankfurt/Main (dpa). Eintracht Frankfurt hat nach vier Tagen der Lähmung wieder ein handlungsfähiges Rumpfpräsidium. Aber der viel beschworene strategische Partner zur Sanierung des Schuldenclubs wurde auch in einer fünfstündige Krisensitzung am Dienstagabend noch nicht gefunden.
96 Stunden nach dem überraschenden Rücktritt von Schatzmeister Rainer Leben nahm der Verwaltungsratsvorsitzende Bernd Ehinger als einer von vier Vizepräsidenten auf dem «Elefantentreffen» der fünf Entscheidungsgremien die Zügel in die Hand. Er soll künftig als Sprecher das Wort bei der Eintracht führen. Das Amt des Präsidenten bleibt nach dem erzwungenen Ausstieg von Präsident Rolf Heller am 31. Januar weiterhin verwaist.
Der Verwaltungsrats-Vorsitz ist nun vakant und wird wie der Wahlausschuss auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 28. Mai neu besetzt werden müssen. Die beiden vierjährigen Amtsperioden laufen dann aus. Bei der äußerst angespannten Finanzlage der Hessen und dem noch möglichen sportlichen Abstieg fand sich auch am Dienstag keine Persönlichkeit, die den Chef-Posten übernehmen will.
Die vier Vizepräsidenten - die neuen, einstimmig gewählten Ehinger und Josef Wolf sowie Peter Lämmerhirdt und Hans-Joachim Schroeder - sind laut Satzung als geschäftsführendes Organ bis zum Oktober 2002 im Amt, können aber durch den Verwaltungsrat in Zusammenarbeit mit dem Wahlausschuss nach dem 28. Mai entmachtet werden.
Knapp drei Wochen vor dem für die Erteilung der Lizenz entscheidenden Termin beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) am 31. Mai ist der Club zwar mit der Rotation im Präsidium einen Schritt weiter gekommen. Aber zur Rettung der Existenz fehlt immer noch der seit Monaten fieberhaft gesuchte Investor, der 30 Millionen Mark in den Verein hineinpumpt. Nur mit dieser Summe kann die Lizenz für die kommende Saison gesichert werden.
IMG, Octagon, Swiss Invest und ein noch unbekannter vierter Kandidat wurden am Dienstag ohne Namensnennung den 35 Vertretern aus dem Rumpfpräsidium, Verwaltungsrat, Beirat, Ältestenrat und Wahlausschuss präsentiert. Eine Favorisierung für einen Kandidaten wie IMG wollte Ehinger nicht bestätigen. Für 25,1 Prozent Beteiligung an der neu gegründeten Eintracht Frankfurt Holding AG muss der Sponsor für eine unsichere Zukunft eine Riesensumme investieren.
«Die Vorlagen sind an Vertraulichkeitserklärungen gebunden. Es drohen sonst bis zu siebenstellige Vertragsstrafen», sagte Ehinger. «Wir stehen unter größtem Zeitdruck und die Angst spielt mit, weil wir nur noch drei Wochen Zeit haben, den strategischen Partner beim DFB zu präsentieren.» Der DFB hatte in dem noch nicht abgeschlossenen Lizenzierungsverfahren Auflagen gemacht, die die Vorlage der unterschriftsreifen Verträge vor dem 31. Mai notwendig machen.
«Ich hoffe, dass wir uns bis zum Wochenende auf einen der vier Partner einigen können. In der kommenden Woche wollen wir die Unterlagen beim DFB einreichen», gab Ehinger das Tempo der Verhandlungen vor, die mit zwei Nachtsitzungen am Mittwoch und Donnerstag weitergeführt werden sollen. Einiges müsse noch modifiziert werden. Der Beschluss zur Umwandlung der Lizenzspielerabteilung in die Holding AG ist seit vergangenen Freitag gefasst. Am 28. Mai muss die Vereinsbasis die erfolgte Umstrukturierung absegnen.
Damit müssten sämtliche Arbeitsverträge unter anderem mit dem aktuellen Bundesliga-Kader und Trainer Felix Magath geändert oder mit einem Zusatz versehen werden. «Mit Herrn Magath habe ich gesprochen. Wir haben ein positives Zeichen gesetzt. Seinen Vertrag hatte er für drei Jahre unterschrieben. Das gilt für uns», betonte der neue Chef.
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