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"Authentisch ist natürlich auch subjektiv"
ARD-Kommentator Gottlob vor größtem Auftritt gelassen

ARD-Kommentator Gerd Gottlob vor seinem größtem Auftritt gelassen
Gerd Gottlob kommentiert erstmals ein großes Finale. FOTO: NDR/Christian Wyrwa
Hannover. Das Endspiel der EM überträgt die ARD - und der Mann am Mikrofon ist Gerd Gottlob. Seit zehn Jahren kommentiert er für das Erste bei großen Turnieren.

Von Aufregung keine Spur - Gerd Gottlob ist einer der ruhigen Vertreter in einer oft aufgedrehten und aufgeregten TV-Branche. "Ich werde dieses Spiel angehen wie jedes andere auch, mit guter Vorbereitung und einer Portion Gelassenheit", sagte der Endspiel-Reporter vor dem EM-Finale. Der 51-Jährige kommentiert das letzte Spiel der Fußball-Europameisterschaft am Sonntagabend in der ARD vor bis zu 20 Millionen Fernsehzuschauern.

Was die meisten Menschen vor den Fernsehern nicht ahnen: Gottlob hat derzeit zwei Jobs. Der TV-Journalist ist auch ARD-Teamchef für die Olympischen Spiele in Rio. Vor den Halbfinalspielen war Gottlob noch mal schnell in Deutschland, um im Büro zu arbeiten. Am Mittwoch ging es zurück nach Frankreich. "Ich habe mir beide Halbfinals im Stadion angeschaut", erzählte der ARD-Mann. Zusammen mit seinem Assistenten Tobias Blanck will er "über beide Teams gute und relevante Infos parat" haben. Dafür ist auch der Blick von der Tribüne notwendig.

Wie wird ein Journalist bei der ARD zum Endspiel-Reporter? Mit viel Erfahrung, Können und den richtigen Fürsprechern. "Das war ein Vorschlag des Federführers WDR, dem die ARD-Sportchefs dann zugestimmt haben", erklärte Gottlob. Seit 2006 kommentiert der ehemalige Zeitungs-Journalist für das Erste bei großen Turnieren. In Frankreich war er neben den ARD-Kollegen Steffen Simon und Tom Bartels bei der EM im Dauereinsatz.

Das Finale ist auch für einen erfahrenen Mann wie Gottlob etwas Besonderes: "Der Respekt vor der Aufgabe ist sicher noch einmal größer." Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft werden wohl nicht ganz so viele Zuschauer vor dem Fernseher sitzen. Andererseits wird es vielleicht einen Tick einfacher, weil die Emotionen keine so große Rolle spielen.

Grundsätzlich gilt für Gottlob auch bei Partien mit deutscher Beteiligung: "Die objektiven Kriterien sind im Prinzip ja immer gleich, nach denen ein Spiel oder die Leistung der Akteure bewertet wird. Aber ich sage natürlich auch meine Meinung, ich kommentiere im journalistischen Sinn, und wenn ich authentisch sein will, ist das natürlich auch immer subjektiv. Wichtig ist, immer fair zu bleiben: nichts schönreden, nichts schlechtmachen, wenn es nicht angebracht ist."

Es allen recht zu machen, ist für Fußball-Reporter ohnehin unmöglich. Neben Millionen Bundestrainern gibt es in Deutschland auch Millionen TV-Kommentatoren. Mit dem Genörgel und mit anonymen Kritikern im Netz geht Gottlob nach eigener Aussage "mit größtmöglicher Gelassenheit" um.

"Es gibt so viele Geschmäcker, positives und negatives Feedback, man wird es ja eh nie allen recht machen können", sagte der ARD-Mann vor seinem bisher größten Auftritt. "Konstruktive Kritik von Freunden und Kollegen höre ich mir immer an. Alles, was während eines Turniers veröffentlicht wird, lasse ich nicht an mich heran." Und nach dem Turnier wird er auch keine Zeit dafür haben, weil es für ihn als ARD-Teamchef für die Olympischen Spiele gleich weitergeht.

 

(dpa)
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