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Superstar zwischen großer Geste und Häme
"CR7" heißt jetzt "CRZero"

Spott und Häme für Cristiano Ronaldo
Spott und Häme für Cristiano Ronaldo
Düsseldorf. Cristiano Ronaldo und diese EM – das ist bislang noch keine Erfolgsgeschichte. Beim 0:0 gegen Österreich vergab der Superstar einen Elfmeter und zahlreiche weitere Chancen. Seine beste Szene hatte er erst nach Spielschluss. Von Denis Canalp

Portugals Superstar Ronaldo verschoss in diesem einseitigen Spiel im Pariser Prinzenpark aber nicht nur einen Strafstoß (79.). Er vergab auch noch mindestens fünf weitere aussichtsreiche Gelegenheiten. 23:3 Torschüsse für Portugal notierte die Statistik am Samstagabend, zehn Fehlversuche gingen davon alleine auf das Konto Ronaldos. Das brachte dem 31-jährigen Stürmer von Real Madrid weltweit ähnlich viel Häme ein wie seine abschätzigen Äußerungen nach dem enttäuschenden 1:1 zum Auftakt gegen Island.

Ronaldo hatte seine beste Szene bei dieser EM erst nach dem zweiten Gruppenspiel. Nach dem Schlusspfiff stürmte ein Flitzer über das Feld und gelangte zu seinem großen Vorbild Ronaldo. Der Fan wollte noch schnell ein Selfie mit "CR7" machen, bevor ihn die Ordner vom Feld entfernten. Ronaldo, dem häufig Arroganz vorgeworfen wird, höchstpersönlich schritt ein, ließ den Flitzer gewähren und wies den Ordner in die Schranken. Trotz der Enttäuschung über das Ergebnis und sein Spiel ließ Ronaldo die Prozedur geduldig über sich ergehen und trug es auch mit Fassung, dass der Fan offensichtlich technische Probleme hatte und ziemlich lange für das Foto seines Lebens brauchte. Auch das ist Ronaldo. Nicht jeder Fußball-Star hätte so gehandelt. Doch Ronaldo polarisiert eben.

"CRZero" ("CRNull"), titelte etwa die brasilianische Zeitung "Globo". Ronaldo selbst sagte nur: "So ist Fußball. So haben wir uns das nicht vorgestellt." Dass er am Samstag mit jetzt 128 Länderspielen zum alleinigen Rekordhalter seines Landes aufstieg und mit 16 Einsätzen auch in der EM-Historie zu dem Franzosen Liliam Thuram sowie dem Niederländer Edwin van der Sar aufschloss, war für ihn kein Trost.

Neben dem fast schon obligatorischen Hype um Ronaldo ging beinahe unter, dass beide Teams nach dieser Nullnummer immer noch die Chance haben, das Achtelfinale der Euro zu erreichen. Portugal ist mit zwei Punkten aktuell nur Gruppendritter, hat aber im letzten Spiel gegen Ungarn am Mittwochabend weiter alles in der eigenen Hand. Sogar der Gruppenletzte Österreich kann mit einem Sieg gegen Island noch auf Platz zwei springen – falls Portugal erneut nicht gewinnt.

Der portugiesische Trainer Fernando Santos lenkte den Blick schnell nach vorn. "Das war heute nicht das Ergebnis, das wir wollten. Das Ergebnis ist nicht verdient, es ist auch nicht fair", meinte er. "Aber wir haben jetzt keine Zeit, uns weiter damit zu beschäftigen, Wir haben jetzt am 22. Juni ein richtiges Endspiel gegen Ungarn. Nur darauf müssen wir uns konzentrieren. Wenn wir das gewinnen, wird das Team daran wachsen, da bin ich mir sicher."

Ob Ronaldo im Zweifelsfall dann wieder zum entscheidenden Elfmeter antritt, ist ziemlich wahrscheinlich. Weil es eben auch eine besondere Qualität Ronaldos ist, immer an sich zu glauben. Selbst, wenn vier der letzten fünf Elfmeter nicht im gegnerischen Netz landeten. Der wichtigste Versuch glückte ihm dabei dennoch: Im Finale der Champions League verwandelte er den finalen Schuss und machte Real Madrid zum Champions-League-Sieger. Ronaldo ist eben ein Spieler für die großen Momente, nicht für die schnöde Gruppenphase. CR7 ist mit dieser EM noch nicht fertig.

(can)
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