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Verletzung, Tränen, Triumph
Ronaldo nach emotionalem EM-Finale am Ziel seiner Träume

Fotos: Cristiano Ronaldo – Weltfußballer, Schönling, Torjäger
Fotos: Cristiano Ronaldo – Weltfußballer, Schönling, Torjäger FOTO: afp
Saint-Denis. Gleich zu Beginn des EM-Finales gegen Frankreich erlitt Portugals Superstar Cristiano Ronaldo eine Knieverletzung. Der dreimalige Weltfußballer konnte kaum noch laufen und wurde ausgewechselt. Am Ende konnte er sein Glück kaum fassen.

Cristiano Ronaldo warf sich auf den Rasen, das Gesicht schmerzverzerrt, er weinte. Der dreimalige Weltfußballer sah seinen großen Traum vom EM-Titel schon platzen - eine Knie-Verletzung, die er kurz nach dem Anpfiff des Finales gegen Frankreich im Zweikampf mit dem hart einsteigenden Dimitri Payet erlitt, beendete Ronaldos Auftritt im Stade de France vorzeitig. Der, der sich für den Besten seiner Zeit hält, wurde auf einer Trage vom Feld gebracht. Am Ende konnte er sein Glück kaum fassen.

"Portugal verdient das. Es waren viele Jahre voller Opfer, niemand hat an uns geglaubt", schwärmte Ronaldo. "Das ist einer der glücklichsten Momente meiner Karriere."

Pressestimmen : "Das schafft nur Ronaldo" FOTO: ap, TH

Ganz für sich allein, fast in sich gekehrt bejubelte der 31-Jährige den entscheidenden Treffer des eingewechselten Eder zum 1:0 in der 109. Minute. Während alle portugiesischen Ersatzspieler auf das Feld rannten, wandte sich Ronaldo vom Geschehen ab, er schlug ungläubig die Hände vor sein Gesicht. In den folgenden elf Minuten peitschte der längst am Knie bandagierte Kapitän seine Mannschaft an - und versank nach dem Abpfiff in einer Jubeltraube.

Ohne ihren Anführer, der seinen EM-Rekord auf 21 Spiele ausbaute, wirkten die Portugiesen in der regulären Spielzeit schockiert. Schon als Ronaldo nach Payets Foul (8.) über den Rasen humpelte, fragten sein Sturmpartner Nani, Bayern-Neuzugang Renato Sanches und all die anderen unentwegt besorgt nach. Kurz darauf sank "CR7" zum ersten Mal auf den Platz, doch die kurze Behandlungspause und ein dicker Verband am Knie halfen nichts.

Als das Spiel nach 90 Minuten keinen Sieger hatte, kam der Kapitän zurück aus den Katakomben. Ronaldo ging zu fast jedem der völlig ausgepumpten Spieler und sprach ihnen Mut zu, seinen Freund Ricardo Quaresma nahm Ronaldo kurz vor dem Wiederanpfiff lange in den Arm: Los! Weiter!

Mit drei Toren und drei Vorlagen hatte er im Turnierverlauf geglänzt - auf das Finale hatte er keinen Einfluss. Dass es nicht Ronaldo war, der das Spiel entschied, löste in den sozialen Netzwerken sofort heftige Emotionen aus. "Schrecklich, Cris so vom Platz gehen zu sehen", twitterte Gareth Bale, beim Champions-League-Sieger Real Madrid Teamkollege und im EM-Halbfinale mit Wales Gegner von Ronaldo: "Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes." Die, die Ronaldo für seine vermeintliche Arroganz verachten, freuten sich im gleichen Moment für Frankreich.

Der Portugiese hatte auch während der EM wieder polarisiert - wobei die Zahl seiner Kritiker geringer wurde. Ronaldo, der immer und wo er kann lamentiert, zeigte in Frankreich Mitgefühl mit den Verlierern (Bale!). Die Fans, die im aufregendsten Moment ihres Lebens auf den Platz gerannt waren, um ein Selfie mit ihrem Superstar zu ergattern, nahm der 31-Jährige in den Arm. Und er lächelte in die Kamera.

"Cristiano kann noch sechs, sieben oder zehn Jahre spielen", hatte Portugals Trainer Fernando Santos erst am Samstag gesagt - sein Zitat war am Sonntag sofort der Hoffnungsschimmer der Ronaldo-Anhänger: "Ich bin sicher, das Finale wird nicht sein letztes Spiel sein."

(sid)
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