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Sieg im EM-Finale
Eder schießt Portugal nach Ronaldo-Drama zum Happy End

Bilder: Portugal und Ronaldo am Ziel
Bilder: Portugal und Ronaldo am Ziel FOTO: afp
Paris. Portugal hat zum ersten Mal den Titel bei einer Europameisterschaft gewonnen und den französischen Traum vom Triumph im eigenen Land zerstört. Der eingewechselte Eder traf in der 109. Minute zum 1:0 für die Portugiesen, die über weite Strecken des Spiels ohne Cristiano Ronaldo auskommen mussten. Der Superstar wurde nach 25 Minuten unter Tränen verletzt vom Platz getragen.

Als sein Lebenstraum Wirklichkeit wurde, sank Cristiano Ronaldo weinend zu Boden, rücklings, ein Betreuer warf sich auf seine zitternde Brust. Sekundenlang lagen sie so da, Ronaldo streckte die Arme von sich, dann erst humpelte er zu seinen ekstatischen Mitspielern in die Fankurve. Der Superstar hat mit Portugal an einem dramatischen Abend doch noch den EM-Titel geholt – und er hat die Franzosen von der Erfüllung einer nationalen Mission abgehalten.

Das 1:0 (0:0) nach Verlängerung im Herzen der schockierten Grande Nation feierte Ronaldo diesen Titel wie keinen seiner unzähligen zuvor. Er hatte zwei Stunden zuvor schon einmal geweint, sie hatten ihn verletzt vom Platz tragen müssen: Und nun die Krönung seiner Karriere. Für einen, der als Vereinsfußballer alles gewonnen hat – und das meist mehrfach.

Vor 75.868 Zuschauern im Stade de France versetzte der eingewechselte Eder in der 109. Minute Frankreich den Stich ins Herz. "Schade für Frankreich, nach den Terroranschlägen und vor dem Hintergrund der vielen innenpolitischen Probleme hätten wir auch dem Gastgeber diesen Titel gegönnt", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Infografik: Der Kampf um den Europameister-Titel | Statista
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Die Portugiesen gewannen aber dank seines Treffers einen Titel, den sie vor zwölf Jahren bei ihrer EM im Endspiel gegen Griechenland verloren hatten (0:1) – damals mit dem 19 Jahre alten Ronaldo.

Dieser Sonntag wurde sein großer Abend, obwohl er schon bald keine Rolle mehr spielt. Nach einem nicht geahndeten Foul von Dimitri Payet (8.) blieb er auf dem Rasen liegen, spielte weiter, wurde behandelt, bekam eine Bandage und kehrte zurück. Doch nach 24 Minuten war Schluss. Vor der Verlängerung stand er als Motivator auf dem Platz, in den Schlussminuten schien es, als sei Ronaldo der Trainer, nicht Fernando Santos.

Pressestimmen : "Das schafft nur Ronaldo" FOTO: ap, TH

Frankreich war überlegen und hatte eine Vielzahl von Chancen, doch auch Antoine Griezmann, der zwei seiner sechs EM-Treffer im Halbfinale gegen Deutschland (2:0) erzielt hatte, brachte den Ball nicht im Tor unter. Seine größte Chance war ein Kopfball in der 66. Minute.

Pfosten rettet Portugal in die Verlängerung

Portugal war schon in der regulären Spielzeit nah am Sieg: Frankreichs Torhüter Hugo Lloris reagierte aber bei einer Flanke von Nani und dem anschließenden Seitfallzieher von Ronaldo-Ersatz Ricardo Quaresma großartig (80.). Allerdings: In der Nachspielzeit (90.+2) traf der eingewechselte André-Pierre Gignac für die Gastgeber nur den Pfosten.

Frankreich hatte zum dritten Mal in einem EM-Finale gestanden, konnte den Titeln von 1984 (in Frankreich) und 2000 (in Belgien und den Niederlanden) aber keinen dritten hinzufügen. Erstmals nach der EM vor 32 Jahren und der WM vor 18 Jahren verloren die Franzosen zudem ein Endspiel im eigenen Land.

Bilder: Portugiesen feiern mit dem Pokal FOTO: dpa, sam

Von der Equipe tricolore war mehr erwartet worden, als nur ein wichtiges Fußballspiel zu gewinnen. Staatspräsident Francois Hollande hatte am Tag des Finales noch einmal betont: "Die Menschen brauchen etwas, um ihren Weg zu finden."

Die Entschlossenheit war sichtbar. Moussa Sissoko (6.) und Griezmann (7.) gaben erste Warnschüsse ab. Nach einem Kopfball von Griezmann regierte Torhüter Rui Patricio glänzend (10.). Ebenso nach einer längeren Phase ohne Höhepunkte gegen den starken Sissoko (34.) oder später gegen Giroud (75.) und wiederum Sissoko (84).

"Ich verdiene es, Portugal verdient es"

Nicht nur die Franzosen verstanden den Titelgewinn als nationalen Auftrag, wie Ronaldo betont hatte. "Ich habe immer davon geträumt, etwas mit Portugal zu gewinnen", sagte er voller Pathos, "ich verdiene es, Portugal verdient es, die Fans verdienen es." Um 23.48 durfte er den Silberpokal in die Höhe stemmen, die Konfettikanonen schossen los.

Auch Pepe feierte kräftig mit. Der Abwehrchef hatte seine Muskelverletzung überwunden und war kaum zu überwinden.

Kurios: Kaum war Ronaldo vom Feld, wirkte Frankreich, wirkte die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps, der die Equipe tricolore als Kapitän 1998 zum WM- und 2000 zum EM-Titel geführt hatte, plötzlich gehemmt. Chancen wurden ein Weile zur Mangelware.

Die Seleccao wartete auf den einen Konter, auf die eine Standardsituation. Es klappte nicht – der Schuss ins Glück sollte später gelingen. Der in der 79. Minute für Renato Sanches eingewechselte Eder fasste sich ein Herz und versenkte den Ball aus mehr als 20 Metern. Kurz zuvor hatte bereits der Neu-Dortmunder Raphael Guerreiro einen Freistoß an die Latte gesetzt (108.).

(areh/sid)
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