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Frust bei Portugal-Star
Ronaldo lästert nach Remis über Islands Defensivkünstler

Fotos: Ronaldos Portugiesen verpatzen EM-Auftakt
Fotos: Ronaldos Portugiesen verpatzen EM-Auftakt FOTO: afp
Saint-Etienne/Düsseldorf. Kein Sieg, kein Tor: Wieder einmal muss Cristiano Ronaldo mit der portugiesischen Nationalmannschaft einen Misserfolg verkraften. Der Start in die EM ging durch das 1:1 gegen Island daneben. Und der Superstar reagierte unsouverän. Von Antje Rehse

Dass der Außenseiter sich erdreistete, das überraschende wie hart erkämpfte Remis ausgiebig zu bejubeln, passte "CR7" gar nicht. "Die haben gefeiert, als hätten sie die EM gewonnen. Unglaublich", schimpfte Ronaldo. Auch die Art und Weise, wie sich Island den Punkt geholt hatte, gefiel dem dreimaligen Weltfußballer nicht: "Wenn man keinen Fußball spielen will, sondern nur verteidigt, verteidigt, verteidigt, dann spricht das für eine kleingeistige Mentalität. So erreicht man gar nichts."

Der Konter der Isländer folgte umgehend. "Was erwartet er denn? Dass Island gegen ihn wie Barcelona spielt?", fragte Innenverteidiger Kari Arnason und zog ein vernichtendes Charakter-Fazit. "Er ist einfach nur ein schlechter Verlierer."

Pressestimmen: "Island friert die Euphorie ein" FOTO: dpa, sam

Verloren hatte Ronaldo zwar nicht, sein Frust war in gewisser Weise aber verständlich. Rein spielerisch hätten die Portugiesen natürlich den Sieg verdient gehabt, auch das Torschussverhältnis fiel mit 27:4 deutlich zu ihren Gunsten aus. Seit 2008 warten die Portugiesen inzwischen schon auf einen siegreichen Einstand bei einem großen Turnier. Dass sie gegen Island hochüberlegen auftraten und sich viele große Möglichkeiten herausspielten, half am Ende nichts. "Wir hätten mehr Tore erzielen müssen, das ist kein Geheimnis", sagte Trainer Fernando Santos. "Island hat einfach nur viel Glück gehabt", stichelte Ronaldo, der die Anfrage von Islands Kapitän Aron Gunnarsson nach einem Trikottausch noch auf dem Platz mit einem müden Lächeln quittierte.

Dabei war für den Favoriten vor 38.742 Zuschauern in Saint-Etienne zunächst alles nach Plan gelaufen. Nani brachte Portugal in der 31. Minute mit dem 600. Endrundentor der EM-Geschichte verdient in Führung. Doch Birkir Bjarnason gelang fünf Minuten nach der Pause der von etwa 9000 isländischen Fans lautstark bejubelte Ausgleich. "Das ist ein wenig frustrierend", beklagte Ronaldo, um trotzig hinterherzuschieben: "Aber wir sind nicht besorgt. Es war erst der Anfang des Turniers. Und andere Favoriten haben sich auch schwer getan."

Portugal-Trainer nimmt Ronaldo in Schutz 

Rückendeckung bekam Ronaldo von Nationaltrainer Fernando Santos. "Solche Äußerungen kurz nach einem Spiel sollte man nie zu hoch hängen. Die Spieler sind noch heiß und äußern ihre Meinung dann eben manchmal", sagte Santos. Santos erinnerte in diesem Zusammenhang auch an eine Aussage des isländischen Trainers Lars Lagerbäck, der Ronaldo kurz vor der EM unter anderem als "Schauspieler" kritisiert hatte. "Ich respektiere Lagerbäck sehr", meinte der portugiesische Coach. "Aber vor dem Spiel waren es die Isländer, die kein Fairplay gezeigt haben."

Dass es für Portugal nicht zum Sieg reichte, lag freilich auch am 31-Jährigen selbst, der im Nationaltrikot wieder einmal nicht die Torgefahr ausstrahlte, die ihn bei Real Madrid auszeichnet. Einen Ball köpfte er aus kürzester Distanz genau auf den isländischen Torwart Hannes Halldorsson, zwei Freistöße in der Nachspielzeit landeten in der Mauer. 34 direkte Freistöße hat Ronaldo bei WM und EM mittlerweile geschossen. Getroffen hat er auf diese Weise kein einziges Mal. So hatte Ronaldo nur beim Anpfiff etwas zu feiern: Mit dem 127. Länderspieleinsatz schloss der Offensivmann zu Portugals Rekord-Nationalspieler Luis Figo auf.

Am Ende hatte der Augsburger Alfred Finnbogason sogar den Sieg für Island auf dem Fuß, scheiterte aber an Portugals Torwart Rui Patricio. Das wäre des Guten dann wohl auch etwas zu viel gewesen. Die Isländer waren mit dem Punkt jedenfalls mehr als zufrieden. "Unglaublich", sagte Mittelfeldspieler und Kapitän Gunnarsson. "Wir hatten einen Plan, und der ist aufgegangen. Aber es war echt harte Arbeit, denn Portugal war sehr stark."

Und auf der Tribüne feierte mit den 9000 Fans auch Deutschlands Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Er veröffentlichte bei Twitter ein selbst gedrehtes Handy-Video. Sigurdsson ist darauf im Stadion von Saint-Etienne mit einem hämischen Grinsen im Gesicht zu sehen, unter ihm schleicht Ronaldo enttäuscht in den Kabinengang. Sollte Ronaldo dieses Video zu Gesicht bekommen, dürfte er wohl noch schlechter auf Island zu sprechen sein.

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