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Hintergrund zum Skandalspiel in der EM-Quali
Darum kriselt es zwischen Montenegro und Russland

Fotos: Akinfejew getroffen – Skandalspiel in Montenegro
Fotos: Akinfejew getroffen – Skandalspiel in Montenegro FOTO: afp, ai/tlr
Podgorica. Noch vor wenigen Jahren bestand zwischen dem nur 620.000 Einwohner zählenden Ministaat Montenegro und dem riesigen Russland eine enge Verbundenheit. Doch das ist längst vorbei.

Die Ausschreitungen gegen die russische Fußball-Nationalmannschaft und deren Fans, die zum Abbruch des EM-Qualifikationsspiels am Freitagabend in der Hauptstadt Podgorica führten, sind ein weiteres Indiz für die schwierigen Beziehungen.

Seit den frühen 90er Jahren hatten Russen mit Riesensummen mutmaßlichen Schwarzgelds große Teile der Küste Montenegros aufgekauft. Auch die größten Industriebetriebe wie das Aluminiumwerk KAP oder das Stahlwerk in der Stadt Niksic übernahmen Oligarchen.
Doch viele von russischen Investoren begonnene Bauprojekte blieben nach schweren Umweltsünden und Pleiten im Stadium des Rohbaus stecken. Die Industriebetriebe mit russischen Eigentümern erlebten ein wirtschaftliches Fiasko.

Und jetzt leidet auch die Tourismusbranche des seit 2006 von Serbien unabhängigen Landes. Russen hatten mit viel Geld Apartmentanlagen in den Urlauberhochburgen errichtet. Die werden von russischen Eigentümern an russische Urlauber vermietet, die in russischen Flugzeugen einschweben. Diese Urlauber nutzen zwar die Infrastruktur, aber der montenegrinische Staat geht leer aus.

Weil der Geldsegen aus Russland versiegt ist, kochen die gravierenden sozialen, politischen und gesellschaftlichen Probleme des EU-Beitrittskandidaten nun hoch. Sie gelten als eigentliche Ursache für die Gewalt im Land – auch im Sport. In der letzten Woche bewarfen Anhänger beim Spiel von Podgoricas "Buducnost" gegen Partizan Belgrad in der regionalen ABA-Basketballliga den Trainer der Gastmannschaft mit Tier-Nieren: Dusan Vojosevic ist nierenkrank.

Ebenfalls in der vergangenen Woche wurden in Mojkovac beim Handballmatch gegen Budva Spieler von Zuschauern auf dem Feld attackiert. Vor eineinhalb Jahren lieferten sich Hooligans mit der Polizei Straßenschlachten in Podgorica. Sie wollten eine Schwulen- und Lesbenparade mit Gewalt verhindern.

Montenegro wird seit 1991 von Milo Djukanovic entweder als Regierungschef oder als Präsident regiert. Die schwache Opposition und die Zivilgesellschaft werfen ihm vor, Montenegro zu einem "Privatstaat" mehrerer befreundeter Familie umfunktioniert zu haben.

(dpa)
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