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"Better than Zidane"
Frankreichs Held Payet rührt sich selbst zu Tränen

Frankreichs Held Payet weint bei Auswechslung
Frankreichs Held Payet weint bei Auswechslung FOTO: dpa, sam
Paris. Die Fans von West Ham United haben die Qualitäten Dimitri Payets eine Saison lang bewundern dürfen und ihm gesanglich den Ritterschlag verpasst. Wie eindrucksvoll er 29-Jährige seinen Ruf im Eröffnungsmatch der Franzosen gegen Rumänien bestätigte, schien ihn selbst zu verblüffen. Payet traf kurz vor Schluss zum 2:1

Als um 23.12 Uhr der Eiffelturm in Blau-Weiß-Rot erleuchtete, war die Bierbecher-"Schlacht" an den Füßen des Wahrzeichens zu Ehren von Dimitri Payet schon in vollem Gange. Ganz wie die Fans von Payets Klub West Ham United im berühmt gewordenen Internet-Video feierten Zehntausende Franzosen und ihre Gäste aus ganz Europa den Matchwinner beim EM-Auftakt auf sympathisch-verrückte Art. Nur die wenigen Rumänen waren traurig auf den Rasen des Marsfeldes gesunken.

"Payet!", die Ehrerbietung für den Torschützen zum 2:1 (0:0)-Erfolg gegen Rumänien hallte wie ein nicht verstummen wollendes "Olé" noch lange durch die Nacht. Schon am frühen Abend, lange vor dem Eröffnungsspiel im knapp elf Kilometer entfernten Stade de France, hatten einige englische Fans den richtigen Riecher gehabt. Immer wieder stimmten sie den Song für ihren Helden Payet an, in dem der 29-Jährige "better than Zidane" ist, also besser als Frankreichs Legende Zinedine Zidane ist.

Unter dem großen Jubel der französischen Fans konnte Payet bei seiner Auswechslung im Stade de France die Tränen nicht mehr zurückhalten. Der überragende Offensivspieler wurde von seinen Gefühlen übermannt. "Da war viel Stress, viel Druck. Wenn es mir jemand vorher gesagt hätte, hätte ich es nicht geglaubt, das mir das gelingt. Danach kamen die Emotionen raus", sagte Payet. Mit einem spektakulären Distanzschuss in der 89.
Minute hatte er Frankreich den Start in die Heim-EM gerettet. In Deutschland denkt man da unweigerlich an die WM 2006 zurück, als Oliver Neuvilles Last-Minute-Treffer gegen Polen – wenn auch erst im zweiten Spiel – die grope Euphorie im Land weckte.

Auch auf der Bank flossen bei Payet noch die Tränen. "Ihm haben wir den Sieg zu verdanken", lobte der eingewechselte Bayern-Profi Kingsley Coman. Die Sportzeitung "L'Équipe" titelte am Samstag: "Payet rettet die Party." Der Angreifer von West Ham, wo er in der vergangenen Saison neunmal traf, darunter einige spektakuläre Freistöße, wurde auch zum "Man of the Match" gekürt.

Dimitri Payet überstrahlt die Superstars

Payet absolvierte gegen die Rumänen sein 20. Länderspiel für die Équipe tricolore, es war sein vierter Treffer. Er war von Trainer Didier Deschamps nach einem Jahr Pause erst zu den Testspielen in diesem Jahr wieder berufen worden. Der auf La Réunion geborene Angreifer gehörte weder zum EM-Kader vor vier Jahren noch zur WM-Delegation vor zwei Jahren. Vom Talent war er erst zum scheinbar ewigen Talent geworden und explodiert nun gleich auf der Höhe seines Schaffens. Bei West Ham reiben sie sich die Hände – Payet war 2015 für nur 15 Millionen Euro aus Marseille verpflichtet worden, seinen Marktwert dürfte er längst verdreifacht haben. In Marseille empfangen die Franzosen am Mittwoch im zweiten Gruppenspiel Albanien, an Payet führt dann kaum ein Weg vorbei.

Paul Pogba und Antoine Griezmann waren als Superstars in spe ins Eröffnungsspiel gegangen und können die Erwartungen freillich noch immer erfüllen. Doch beide erlebten den Abpfiff auf der Bank, weil Deschamps sie aufgrund ihrer schwachen Darbietungen vom Platz genommen hatte. Gefühlige Gründe hatte nur die Auswechslungs Payets, der außerdem den Führungstreffer durch Olivier Giroud und sieben weitere Chancen vorbereitete. Zumindest für einen Abend sei ihm der Ritterschlag "better than Zidane" gegönnt.

(jaso/sid/dpa)
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