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Deutschlands erster EM-Gegner
Bei der Ukraine sitzt der Star auf der Bank

EM 2016: Bei der Ukraine ist Co-Trainer Andrej Schewtschenko der Star
Andrej Schwewtschenko ist seit vier Monaten Co-Trainer. FOTO: afp
Andrej Schewtschenko soll als Co-Trainer mit seiner Erfahrung vor allem den Offensivspielern helfen. Vor Deutschland hat er großen Respekt.

Ein knackiger Antritt, ein geschickt geführter Zweikampf und ein millimetergenauer Pass zum Mitspieler: Durchtrainiert und äußerlich kaum gealtert zeigte Andrej Schewtschenko im Training der Ukraine, dass er es noch immer kann. Nur das blaue Leibchen entlarvte ihn dann doch als einen Assistenten von Nationaltrainer Michail Fomenko. Fomenko selbst verfolgte die Trainingseinheit vor dem EM-Auftaktspiel am Sonntag (21 Uhr/Live-Ticker) in Lille gegen Weltmeister Deutschland weit entfernt auf der Bank im Schatten.

Es war ein Bild mit Symbolcharakter, denn Fomenko steht in der Öffentlichkeit klar im Schatten von Schewtschenko (39). Europas Fußballer des Jahres 2004 ist erst seit vier Monaten Co-Trainer seines Heimatlandes, für die Medien und Fans aber der gefragteste Ukrainer während der EURO in Frankreich. Vor dem ersten Gruppengegner zeigt "Schewa" großen Respekt: "Deutschland hat ein sehr ausgeglichenes Team. Jeder Spieler hat eine gute Qualität und ist gefährlich."

Jarmolenko soll von Schewtschenko profitieren

Teamintern wird Schewtschenko andere Worte wählen. Er wurde ins Trainerteam geholt, um die Offensivspieler um Kiew-Star Andrej Jarmolenko starkzureden und auf ein anderes Niveau zu heben. Im Angriff haperte es in der EM-Qualifikation gewaltig, und wer könnte da besser helfen als der Rekordtorschütze, den nahezu alle im Team vergöttern? "Für die Spieler ist er ein Idol, ihm werden sie genau zuhören", behauptet der 74-malige Nationalspieler Andrej Woronin dem SID.

Seit einem Jahr ist Schewtschenko im Besitz der Uefa-Pro-Lizenz. Nicht wenige glauben, das ukrainische Fußball-Idol solle bei der EURO Erfahrungen sammeln, um danach den bereits 67 Jahre alten Cheftrainer Fomenko abzulösen. Im Vergleich zur Heim-EM 2012, als er als Spieler für die Ukraine fast im Alleingang die Kohlen aus dem Feuer holen sollte, sei diese Europameisterschaft "ein riesiger Unterschied", sagt Schewtschenko: "Ich muss jetzt an alle 23 Spieler denken."

Der Champions-League-Sieger mit dem AC Mailand sieht sich für seinen zweiten Karriereweg aber gerüstet. "Ich habe mit großartigen Trainern wie Walerij Lobanowski, Carlo Ancelotti oder José Mourinho gearbeitet und deshalb viel Erfahrung", sagt er. Ob er sich in der Zeit nach dem Karriereende 2012 wirklich viel mit Fußball beschäftigt hat, ist nicht überliefert. Der zweifache Familienvater, der mit einem ehemaligen US-Model verheiratet ist, hat sich aus der Öffentlichkeit weitestgehend zurückgezogen.

Den Aufstieg der deutschen Mannschaft zum Weltmeister hat Schewtschenko aber verfolgt. Besonders beeindruckt ihn keiner aus der Offensive, sondern Torhüter Manuel Neuer. Der Bayern-Keeper sei "fantastisch in allen Belangen", findet der frühere Weltklassestürmer.

Das sagen die Ukrainer auch über Schewtschenko. Dass der Nationalheld bei der EM auf der Bank sitzt, bedeutet seinen kriegsgeplagten Landsleuten viel. Egal ob im Osten oder Westen der Ukraine - alle lieben "Schewa". Er weiß aber, dass der Sport allein das tief gespaltene Land nicht einen kann. "Wir warten und hoffen. Uns bleibt nichts anderes übrig", sagte Schewtschenko der Aargauer Zeitung zu den Unruhen in der Ukraine: "Hoffentlich wird sich die Situation in ein, zwei Jahren wieder verbessern."

(areh/sid)
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