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EM 2016
Alaba sucht seine Rolle und Form

Island - Österreich: die Fakten
Island - Österreich: die Fakten
Düsseldorf. Österreichs einziger Weltklassespieler ist bei der EM noch ein Fremdkörper im Team. Oder hat ihn Trainer Marcel Koller auf der falschen Position aufgeboten? So oder so - Österreich muss heute gegen Island gewinnen, sonst geht es nach Hause. Von Thomas Schulze

Was Franz Beckenbauer für Deutschland, Johan Cruyff für die Niederlande oder Pelé für Brasilien waren, das ist David Alaba für Österreich. Er ist der beste Spieler des Landes, der einzige von Weltklasseformat. Er sollte die Mannschaft bei diesem Turnier führen, möglichst weit. Doch nach den beiden restlos enttäuschenden Spielen gegen Ungarn (0:2) und Portugal (0:0) steht die Mannschaft heute (18 Uhr) gegen Island mit dem Rücken zur Wand: Entweder Österreich gewinnt oder scheidet aus dem Turnier aus.

Die enttäuschenden Leistungen der gesamten Mannschaft wurden an David Alaba festgemacht. Tatsächlich war der 24 Jahre alte österreichische Superstar nur ein Schatten seiner selbst. In der Heimat stand er prompt im Zentrum der Kritik. "Was ist nur mit Alaba los?", lautete die vergleichsweise harmlose Frage der Boulevardzeitung "Österreich", während ihn die "Kronen Zeitung" als "Totalversager" abstempelte.

Die Enttäuschung spiegelt nur die großen Erwartungen wider an den Mann, der mit 17 Jahren Österreichs jüngster Nationalspieler war, der fünf Mal in Folge zum "Fußballer des Jahres" gewählt wurde, was seine Ausnahmestellung in dieser Sportart unterstreicht, der 2013 und 2014 sogar zum "Sportler des Jahres" gekürt wurde in einem Land, das in anderen Disziplinen durchaus über herausragende Persönlichkeiten wie Skifahrer Marcel Hirscher und Thomas Morgenstern oder Tennisspieler Jürgen Melzer verfügt.

Es ist das erste Mal, dass David Alaba, dessen Mutter von den Philippinen und dessen Vater aus Nigeria stammen, derart im Zentrum der Kritik steht. In seiner Bilderbuchkarriere wurde er beim FK Austria Wien ausgebildet, ehe er im Sommer 2008 zum FC Bayern München wechselte. Auf der Sonnenseite feierte er einen Titel nach dem anderen, wurde Champions-League-Sieger (2013), fünf Mal deutscher Meister, vier Mal Pokalsieger.

Das Fußballspielen hat er sicherlich nicht verlernt, so dass über die Gründe seiner schwachen Leistungen spekuliert wird. Ist der Druck, der auf ihm lastet, zu groß? Ist Alaba am Ende einer langen Saison körperlich und geistig ausgelaugt? Oder hat ihn Trainer Marcel Koller schlichtweg auf der falschen Position aufgeboten?

"David hat in diesem Kader im vergangenen halben Jahr die meisten Spiele gemacht", sagt der Coach. "Er hat über 2000 Minuten gespielt." Das war vielleicht einer der Gründe, warum er seinen Schützling gegen Portugal nach 64 Minuten ausgewechselt hat. "Ich wollte noch einmal frische Luft und frische Kraft reinbringen." Alaba reagierte auf seine Auswechslung verschnupft, klatschte widerwillig ab: "Ich weiß nicht, warum mich der Trainer rausgenommen hat."

Alaba ist mit seiner Rolle nicht klargekommen, bisweilen sah es so aus, als kennte er sie nicht. Spielt er in München meist als Außenverteidiger, so soll er in der Nationalmannschaft eine zentrale Rolle einnehmen. Aber wo? Im defensiven Mittelfeld auf der heute so wichtigen Sechser-Position oder als Spielmacher oder gar direkt hinter der einzigen Spitze Martin Harnik? "Ich denke, dass ich schon öfter gezeigt habe, dass ich ein flexibler Spieler bin", hält Alaba trotzig dagegen.

Doch viel Zeit bleibt ihm und Koller nicht mehr, um die richtige Position zu finden - 90 Minuten. Die kurzzeitige Verstimmung zwischen beiden ist verflogen, Koller verteilt Streicheleinheiten, stellt sich hinter den in die Kritik geratenen Star: "Er ist ein Spieler, der alles drauf hat und den wir brauchen. Er ist sehr wichtig für uns, da muss er sich überhaupt keinen Kopf machen."

Alaba wird gegen Island auf jeden Fall mitwirken, aber wo? Thorsten Fink, ehemaliger Bayern-Spieler und jetzt Trainer von Austria Wien, hat Koller wegen der bisherigen Leistungen des Teams in die Verantwortung genommen und kritisiert. Er fühlt sich berufen, seinem Kollegen einen Tipp zu geben: "Auf keinen Fall wieder mit David Alaba als offensivem Mann im Mittelfeld. Er ist kein Zehner."

Quelle: RP
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