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Island sensationell im Viertelfinale
Frankreich feiert schon vorzeitig den Halbfinal-Einzug

Pressestimmen: "Das war hirntoter Fußball"
Pressestimmen: "Das war hirntoter Fußball" FOTO: dpa, hm
Paris. Islands Helden planen die nächste Sensation, doch die Grande Nation hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig. "Génial", titelte die größte französische Sportzeitung "L'Équipe" nach dem Viertelfinal-Einzug des krassen Außenseiters eindeutig zweideutig. Der Coup gegen England (2:1), er war "génial" – vor allem, weil der EM-Gastgeber auf dem Weg zum Titel nun die vermeintlich kleinste Hürde überwinden muss.

"Für das französische Team, das jetzt im Viertelfinale gegen Island spielt, ist das mehr als Glück", sagte Ex-Nationalspieler Paul Le Guen. "Mit Angst" brauche die Équipe tricolore am Sonntag (21) im Stade de France nicht zu spielen – ob der 52-Jährige das Achtelfinale am Montagabend auch wirklich gesehen hat?

Bislang hat die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps keineswegs gespielt, als könne sie die tapferen Isländer mal eben vom Platz fegen. Im Achtelfinale gegen körperlich ähnlich robuste Iren reichte ein Doppelpack von Antoine Griezmann gerade so zum 2:1. Von "génial" war das französische Spiel weit entfernt – und die Isländer haben das durchaus mitbekommen.

"Wir können jeden schlagen"

"Jetzt kommt eine noch größere Chance", sagte Trainer Heimir Hallgrimsson: "Wenn wir uns gut vorbereiten und mit der gleichen Einstellung spielen, können wir jeden schlagen." Gegen England, das sei nur "bis jetzt" das beste Spiel des EM-Neulings gewesen. Frankreich erwartet ein kräftezehrender Kampf um jeden Millimeter im Stade de France, wo am 10. Juni auch das Finale steigt.

"Wir haben uns gegen Irland, das mit zwei Stürmen gespielt hat, ein wenig schwergetan", räumte Le Guen zwar ein: "Aber noch einmal, es ist die Laufbereitschaft, das große Pensum, dass uns ein paar Schwierigkeiten bereiten könnte, nicht ihre technischen Fähigkeiten."

Gegen große Künstler hat Frankreich bei dieser EURO bislang noch überhaupt nicht gespielt. Auch Rumänien (2:1) und Albanien (2:0) in der Vorrunde boten überschaubares Niveau, gegen die Schweiz kamen die Bleus nicht über ein 0:0 hinaus. Berauschend war das alles nicht.

Das letzte Länderspiel gegen die Nordmänner ist knapp vier Jahre her, und beim 3:2 damals traf ausgerechnet Adil Rami – der am Sonntag wie N'Golo Kante gesperrt ist.

Sollte Frankreich Island ausschalten, käme trotz aller Anerkennung für den kühnen Außenseiter ein anderes Kaliber: entweder Italien – oder Deutschland. Den Weltmeister kann man zumindest kaum unterschätzen.

(sid)
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