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Iren brennen auf Revanche
Franzosen reden "Hand of Frog" lieber klein

Frankreich darf dank Hand-Tor zur WM
Frankreich darf dank Hand-Tor zur WM FOTO: Screenshot ARD
Lyon. Sieben Jahre nach der "Hand of Frog" will Frankreich gegen Irland ins Viertelfinale einziehen. Dann wäre das leidige Thema (vielleicht) erledigt.

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Der Auftrag ist klar: Die unrühmlichen Erinnerungen an die "Hand of Frog" sollen endlich ausradiert werden, geplant ist ein ruhmreiches Kapitel französischer Fußball-Geschichte. Dabei denkt der Chef der Equipe tricolore sogar schon über das anstehende EM-Achtelfinale an Sonntag gegen Irland hinaus. "Wir nähern uns den besten Mannschaften Europas. Wir stehen dicht vor dem Halbfinale, jetzt müssen wir das auch schaffen", sagte der französische Verbandspräsident Noël Le Graët.

Vor den Gedanken an die Zukunft standen noch einmal die Erinnerungen an die Vergangenheit, die Diskussionen um das legendäre Handspiel von Thierry Henry, das vor sieben Jahren den Franzosen den Weg zur WM nach Südafrika geebnet und gleichzeitig den Iren versperrt hatte. Le Graët, Präsident der Fédération Française de Football (FFF), hat jedoch genug von der leidigen Debatte, zumal er an besagtem 18. November 2009 ebenso wie Coach Didier Deschamps gar nicht in der heutigen Funktion gewesen war.

"Das Turnier beginnt nun von vorn. Die Mission K.o.-Runde ist erfüllt, vielleicht können wir jetzt etwas befreiter aufspielen", sagte Deschamps im Vorfeld der Partie. Sein Assistent Guy Stéphan bezeichnete die Iren, die zum ersten Mal die Gruppenphase einer EM überstanden, als "unerbittlich und sehr diszipliniert" - und er bat darum, nun endgültig den Blick nach vorne zu richten und die "Hand des Frosches" zu vergessen. "Das ist so lange her. Das ist nur eine winzige Randgeschichte, zumal kaum jemand von damals noch dabei ist", sagte Stéphan.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Immerhin stehen in beiden Kadern noch jeweils fünf Spieler, die das Skandalspiel hautnah erlebt haben. Und auch wenn Irlands Abwehrspieler Stephen Ward trotz eines vieldeutigen Grinsens behauptet: "Ob ich an Rache denke? Nein, niemals", stellte Trainer Martin O'Neill vor dem ersten Duell seit damals klar: "Es gibt kein Problem, mein Team zu motivieren. Das ist ganz einfach."

Bei Irlands ehemaligem Nationalspieler Kevin Kilbane sind die Erinnerungen an den 18. November 2009 erst recht wieder da. Das Handspiel von Henry, die jubelnden Franzosen, die wie er selbst geschockten Mitspieler. Nach dem Schlusspfiff ertönte damals "I Gotta Feeling" von den Black Eyed Peas durch das Stade de France in Saint-Denis. Das Spiel habe Narben hinterlassen, meinte der heute 39 Jahre alte Kilbane und fügte am Tag des EM-Achtelfinal-Duells zwischen Gastgeber Frankreich und Irland in einem Interview der Sportzeitung "L'Équipe" noch an: "Heute noch sehe ich jedes Mal wieder diese Bilder, wenn ich diese Musik höre."

Sollten die Erinnerungen der Spieler von heute an 2009 nicht reichen, muss O'Neill eben noch ein bisschen weiter in die Vergangenheit zurück. Bei der WM 1982 gewann er als Kapitän der Nordiren 1:0 gegen Spanien – den damaligen Gastgeber. 34 Jahre danach plant er den nächsten Coup.

Der würde Genugtuung für eine ganze Nation sein, denn in Irland schlägt "die Hand des Frosches" noch immer hohe Wellen. Das Handspiel von Henry vor William Gallas' spätem Treffer in der Verlängerung zum 1:1 sahen Millionen an den TV-Bildschirmen, Zehntausende im Stade de France - nur der schwedische Schiedsrichter Martin Hansson eben nicht. Die Irish Times mutmaßte also, "dass uns dieses Handspiel immer verfolgen wird".

Die L'Equipe ist sich vor dem Wiedersehen jedenfalls sicher: "Irland will die Revanche!". Vor dem Achtelfinale strahlte Frankreichs größte Sportzeitung das Spiel von damals im eigenen TV-Kanal sogar noch einmal in voller Länge aus, widmete in der Freitagsausgabe der Partie zudem acht Seiten. Am Sonntag soll eine andere Geschichte geschrieben werden. Ebenfalls unvergesslich. Aber ruhmreich.

(sid)
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