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Verrücktes Wales
Held Hal Robson-Kanu ist momentan arbeitslos

Wales liegt vorne, Robson-Kanu dreht das Spiel
Wales liegt vorne, Robson-Kanu dreht das Spiel FOTO: afp
Hal Robson-Kanu ist momentan ohne Verein, bei den Walisern ruhen vor dem EM-Halbfinale trotzdem viele Hoffnungen auf ihm. Der Held selbst bleibt entspannt.

Seit Freitag ist Hal Robson-Kanu arbeitslos. Er gehört zu den neuen Helden der EM in Frankreich, dabei hat er jetzt nicht mal mehr einen Verein. Aber: Das ist ihm herzlich egal. "Jetzt habe ich meine Zukunft in den eigenen Händen, das ist wichtig für mich und meine Familie", sagt der walisische Stürmer. Geht es nach den englischen Wettanbietern, verschlägt es den 27-Jährigen bald zu Swansea City. Spätestens nach seinem Traumtor im EM-Viertelfinale gegen Belgien (3:1) kann er sich seinen neuen Klub aber wohl entspannt selbst aussuchen.

Robson-Kanu mag keinen Job haben, aber er löst neuerdings Schwärmereien aus. "Er verwandelte sich in eine Mischung aus Johan Cruyff, Lionel und Pelé", schrieb der englische Mirror. Drei belgische Verteidiger hatte Robson-Kanu mit einer cleveren Drehung im Strafraum aussteigen lassen und mit dem 2:1 das wohl wichtigste Tor seiner Laufbahn erzielt - die Belohung: Er wurde zum Spieler des Spiels gewählt, und der mutige EM-Neuling Wales hat am Mittwoch (21.00 Uhr) im Halbfinale gegen Portugal die Chance auf den Finaleinzug.

"Wir sind auf Wolke sieben und haben unsere Nation stolz gemacht. Wir wollen mehr", sagt Robson-Kanu. Die Suche nach einem neuen Verein kann da erst mal warten. Nach zwölf Jahren war sein Vertrag beim englischen Zweitligisten FC Reading am Donnerstag ausgelaufen, prompt nutzte er am ersten Tag der Arbeitslosigkeit die EM als Jobbörse. "Ich war zwölf Jahre in Reading und habe ihnen viel gegeben. Ich war sehr loyal, habe mich aber im Laufe der Saison dazu entschieden, den Vertrag auslaufen zu lassen", sagte Robson-Kanu.

Cardiff steht nach Halbfinaleinzug Kopf FOTO: afp

In der abgelaufenen Saison erzielte der Angreifer bei seinem Klub nur fünf Tore in 35 Spielen, in der Nationalmannschaft sind es bislang vier Treffer bei 34 Einsätzen - davon zwei in Frankreich. Und trotz dieser eher mageren Zahlen haben ihm Fans einen eigenen Song gewidmet. Auf den 90er-Hit "Push It" von Salt'N'Pepa dichteten die walisischen Anhänger kurzerhand eine eigene Version: "Hal ... Rob-son ... Hal Robson-Kanu. Hal ... Rob-son ... Hal Robson-Kanu". Genau wie "Will Grigg's on fire" bei den Nordiren ist der Song in Wales längst Kult.

Dass sie Robson-Kanu derart bejubeln können, ist vor allem dessen walisischer Oma zu verdanken. Denn Robson-Kanu wurde im Westen Londons geboren und spielte bis zur U20 für die Three Lions. Erst seit 2010 trägt er den roten Drachen. "Wir arbeiten seit Jahren auf diese Erfolge hin und sind jetzt einfach nur glücklich, dass es so geklappt hat", sagte Robson-Kanu.

Gegen Portugal ist der Sturmpartner von Superstar Gareth Bale nun besonders gefordert. Nach der Gelbsperre für Spielmacher Aaron Ramsey wird es noch mehr auf seine Durchschlagskraft ankommen. "Sicher sind wir die Underdogs, aber wir haben Qualität", sagte Robson-Kanu.

Wales-Party nach dem Abpfiif FOTO: afp

Vor dem ersten großen Halbfinale in der walisischen Fußball-Geschichte konzentriert sich ohnehin alles auf das Privatduell zwischen Bale und Cristiano Ronaldo. Robson-Kanu hat vor dem Aufeinandertreffen der beiden Teamkollegen von Real Madrid eine klare Meinung: "Sie sind beide Weltklasse-Spieler. Aber wir haben den Weltklasse-Spieler, der besser ist."

(sid)
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