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Hu! - der Ruf geht um die Welt
Island erstaunte Europa

Island verabschiedet sich mit einem letzten "Hu!"
Island verabschiedet sich mit einem letzten "Hu!" FOTO: dpa, hm
Düsseldorf. Das Bild der Spieler und Fans hat das Turnier in Frankreich geprägt. Hu! - das ist ein Ausruf des Erschreckens. Hu! - das ist der Schlachtruf der isländischen Fußballer und ihrer Anhänger. Hu! - der Ruf geht um die Welt. Von Thomas Schulze

Überraschenderweise hatten sich Islands Fußballer für die Endrunde der EM in Frankreich qualifiziert, vor der Türkei. Und den Niederlanden, die aus diesem Grund nicht am Turnier teilnehmen durften und zu Hause bleiben mussten. Österreich wurde in der Gruppenphase ausgeschaltet, England im Achtelfinale. Die Fußballer aus dem Mutterland waren erschreckend naiv gegen den vermeintlichen Fußball-Zwerg zu Werke gegangen.

Hu! - das ist zum Synonym für den isländischen Fußball geworden. Hu! - das ist der Ruf, der diese EM-Endrunde geprägt hat: Die Spieler der isländischen Nationalmannschaft stehen vor der Kurve, ihrer Fans, die in ihren Trikots eine blaue Wand bilden, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und "Hu!" rufen. Hu! - Island hat die Herzen der Fußballfans erobert.

Die Uefa ist den Isländern zu tiefem Dank verpflichtet. Der Neuling und krasse Außenseiter hat mit seiner aufmüpfigen, kämpferischen Art, Fußball zu spielen, unerwartet großen Erfolg gehabt und damit die Diskussion über mäßige Leistungen, langweilige und von der Taktik geprägte Spiele in einem unnötig auf 24 Teilnehmer aufgeblähten Turnier im Keim erstickt.

Island war in aller Munde, und so manch einer hat dem Außenseiter auch im Viertelfinale gegen Frankreich beide Daumen gedrückt. Doch das Fußball-Märchen der Wikinger nahm ein abruptes Ende. Die Skandinavier waren chancenlos und lagen zur Pause bereits mit 0:4 zurück. Doch die Mannschaft vollendete den zuvor so bravourös geschaffenen Eindruck, indem sie sich nicht deprimiert hängen ließ und das Spiel abschenkte, sondern konsequent weiterspielte. Der verdiente Lohn war, dass sie sich mit einem kleinen Erfolgserlebnis, zwei Toren, verabschiedete.

"Es ist nie gut, ein Spiel zu verlieren, aber was mehr wiegt, ist, was wir erreicht haben. Und darauf sind wir stolz." Treffender als Dagur B. Eggertson, der Bürgermeister von Reykjavik, es formuliert hat, kann man es kaum sagen. Er hat die Gefühle in Worte gefasst. Drei Wochen lang hat das kleine Land die internationale Aufmerksamkeit in einem nie zuvor dagewesenen Maße auf sich gezogen. Die schönste Nebensache der Welt war für drei Wochen für die 330.000 Einwohner die Hauptsache. Einschaltquoten von 99,8 Prozent waren ein weiterer Beleg dafür.

"Es war ein fantastisches Turnier für so ein kleines Team wie uns", sagte der ehemalige Hoffenheimer Profi Gylfi Sigurdsson. Die biblische Geschichte von David gegen Goliath haben Islands Fußballer auf sportliche Weise belebt und erzählt. Sie haben gezeigt, dass der Kleine über sich hinauswachsen kann und imstande ist, Großes zu leisten. Mit diesem Gefühl, das die Hoffnung nährt, haben sich die Wikinger aus Frankreich verabschiedet. "Wir stehen hoffentlich vor einer rosigen Zukunft und wollen bei der nächsten Endrunde dabei sein", sagte Sigurdsson.

Der schwedische Trainer Lars Lagerbäck wird dann nicht mehr dabei sein, denn der 67-Jährige zieht sich zurück. "Es war eine fantastische Reise. Ich bin sehr stolz, denn wir haben uns enorm weiterentwickelt", sagte er. "Hoffentlich nutzt der Verband das Geld, um weitere junge Spieler zu fördern."

Gut möglich, dass es in zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Russland erneut durch die Stadien hallt: Hu!

Quelle: RP
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