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EM-Sensation
Island macht's wie Ottos Griechen

Pressestimmen: "Das war hirntoter Fußball"
Pressestimmen: "Das war hirntoter Fußball" FOTO: dpa, hm
Meinung | Düsseldorf. Island hat für die erste große EM-Sensation gesorgt und den Favoriten England aus dem Turnier geworfen. Diese Erfolgsgeschichte weckt Erinnerungen an Griechenlands Triumph 2004 unter Otto Rehhagel. Sie zeigt auch, dass sich Erfolg im Fußball nicht allein am Marktwert der Spieler bemisst. Von Martin Beils

Was macht mehr Spaß: sich mit den großartigen Isländern zu freuen oder sich über diese Engländer lustig machen? Schwierige Frage, oder? Torwart Joe Hart, der die Tradition englischer Fliegenfänger fortsetzt, bietet eine wunderbare Basis für Hohn und Spott. Die zeitliche Nähe zwischen Brexit und Englands Ausscheiden bei der EM liefert herrliche Vorlagen.

Nach den Holländern, die es gar nicht erst bis in die Endrunde geschafft haben, und den Spaniern sind die Engländer die nächste vermeintliche Großmacht des europäischen Fußballs, die auf der Strecke geblieben ist. Das Mutterland des Fußballs setzt die Serie des erstaunlich frühen Scheiterns fort. Nur sechs von 18 K.o.-Spielen bei Welt- und Europameisterschaften haben die Erfinder des Spiels seit 1966 gewonnen. Was für eine schlimme Bilanz!

Doch ist es nicht viel schöner, sich mit den Isländern und dem Siegtorschützen Sigthorsson zu freuen? Wie schön ist es, dass sich der Erfolg im Fußball nicht allein am Marktwert der Spieler bemisst. Wie sagte der schlaue Karl-Heinz Rummenigge doch einst: "Fußball ist keine Mathematik." Zum Glück nicht. Immer mal wieder gibt es solche Sensationen. Sei es der Titelgewinn von Leicester City in der Premier League, der Titelgewinn der Dänen bei der EM 1992 und der Triumph der Griechen 2004. Die Isländer erinnern in vielem an die Mannschaft, die Otto Rehhagel damals in Portugal zum Titel führte. Sie besinnen sich auf die einfachen Dinge des Fußballs: Sie rennen, sie werfen sich in die Zweikämpfe, sorgen mit simplen Einwürfen für Gefahr und verhalten sich taktisch geschickt und diszipliniert.

Doch noch einmal zurück zum Verlierer. Als die deutsche Mannschaft 2003 nur zu einem torlosen Remis auf Island kam, prasselte es Kritik. Einen neuerlichen Tiefpunkt hatten Gurus und Ex-Gurus ausgemacht, Rudi Völler hatte seinen legendären Weißbier-Ausraster bei Waldemar Hartmann im Studio. Die Engländer sind nun noch tiefer gesunken als die Rumpel-Deutschen von einst. Was für ein toller Fußballabend!

Quelle: RP
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