| 23.14 Uhr

England - Island 1:2
Sensation! Island schaltet England aus

EM 2016: Island sorgt gegen England für erste Sensation
FOTO: dpa, mr
Nizza. Die erste große Sensation der EM ist perfekt. Das kleine Island hat im Achtelfinale Mitfavorit England ausgeschaltet. Den entscheidenden Treffer beim 2:1 (2:1)-Erfolg erzielte – wer auch sonst – Kolbeinn Sightorsson. Während in Reykjavik die Nacht zum Tag gemacht wird, weint das Mutterland des Fußballs bittere Tränen. Island trifft am Sonntag auf Gastgeber Frankreich, danach wartet Deutschland oder Italien.

"Das sind Spieler, denen wir sonst am Fernseher zuschauen. Ich kann es nicht fassen. Die Zuschauer waren unser zwölfter Mann", sagte Ragnar Sigurdsson, der das 1:1 erzielt hatte.

England erlebte nach dem WM-Vorrunden-Aus 2014 sein nächstes Debakel. "Das ist die schlimmste Niederlage unserer Geschichte", twitterte das Fußball-Idol Gary Lineker. "England ist von einem Land geschlagen worden, das mehr Vulkane als Fußballprofis hat."

Isländer feiern Sieg mit den Fans FOTO: afp

Wenig beeindruckt vom Rückstand durch einen von Wayne Rooney verwandelten Foulelfmeter (4.) drehte Island das Spiel innerhalb von zwölf Minuten. Zunächst traf der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson nach einem längst bekannten Einwurf-Trick (6.), dann sah Englands Torhüter Joe Hart beim Schuss von Sigthorsson schlecht aus (18.).

Die verzweifelten Versuche der Three Lions, die Blamage zu verhindern, scheiterten kläglich. Teammanager Roy Hodgson wird wohl abtreten müssen. Der Siegeszug der Isländer beginnt derweil an das griechische Fußball-Märchen unter Otto Rehhagel bei der EM 2004 zu erinnern.

Twitter-User verspotten England-Torwart Hart

Alan Shearer, ehemaliger Kapitän, hatte ein mögliches Ausscheiden gegen Island als "größte Peinlichkeit in der Geschichte unserer Nationalmannschaft" bezeichnet. Rooney, sein Nachfolger als Träger der Binde, tat sein Möglichstes, um das zu verhindern. Nachdem Islands Torhüter Hannes Halldorsson sehr ungeschickt Raheem Sterling im Strafraum zu Fall gebracht hatte, trat Rooney furchtlos zum Elfmeter an – und traf. Knapp, aber der Ball war drin.

Island schlägt prompt zurück

Auf das Schießen von Elfmetern schienen die Engländer also vorbereitet zu sein, dagegen hatten sie von den Einwürfen Aron Gunnarssons offenkundig noch nie etwas gehört: Keine zwei Minuten nach dem Rückstand schleuderte Islands Kapitän den Ball hinein in den Strafraum, Kari Arnason verlängerte vorbildlich, Sigurdsson stahl sich im Rücken von Englands Kyle Walker davon - Ausgleich. Es war eine Kopie von Islands 1:0 gegen Österreich im letzten Gruppenspiel (2:1).

Die größten EM-Sensationen

Der schnelle Ausgleich war aber nicht das einzige Missgeschick, das den erkennbar erschrockenen Engländern unterlief. In der 18. Minute durfte Sigthorsson ungehindert die Strafraumgrenze überschreiten und schießen - zum zögerlichen Eingreifen von Gary Cahill kam ein weiterer Beweis mangelnder englischer Torhüterkunst: Joe Hart fiel zu spät nach links, und der Ball rollte quälend langsam für die Engländer über die Linie.

Die Three Lions antworteten mit wütenden Angriffen. Sie waren die spielerisch bessere Mannschaft, aber Island kämpfte. Jede Chance konnten die Nordmänner nicht verhindern, so jene von Harry Kane (28.). Je länger das Spiel dauerte, desto entnervter wurden die Engländer: Sie hatten die meiste Zeit den Ball, aber sie wussten damit nichts anzufangen - auch Rooney nicht. Die Isländer rannten und kämpften die Lücken zu, sie warfen sich in jeden Ball. Und sie erzwangen ihr Glück.

(seeg/sid)
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