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Mamma mia, Italien!
Zur Belohnung gibt es Spanien

EM 2016: Italien erntet Spanien als zweifelhafte Belohnung im Achtelfinale
Gianluigi Buffon und Kollegen nach dem verlorenen Finale 2012. FOTO: dapd, Vadim Ghirda
Düsseldorf. Schon vor dem letzten Spieltag in Gruppe E steht Vize-Europameister Italien als Gruppensieger fest. Als Lohn für die überzeugende Gruppenphase gibt es ein Schmankerl für die Azzurri: ein Achtelfinale gegen Europameister Spanien.  Von Antje Rehse

Es ist die Neuauflage des EM-Endspiels von 2012. Und ein Favoriten-Treffen schon in der Phase des Turniers, in der dieses vermeintlich doch erst losgeht. Schwacher Trost für beide: Wer das finalwürdige Achtelfinale übersteht, dem winkt wahrscheinlich ein Viertelfinale gegen Weltmeister Deutschland. Alles easy oder was?

"Es ist nicht der Weg, den wir gehen wollten, aber das ist Fußball", sagte der spanische Trainer Vicente del Bosque nach dem 1:2 gegen Kroatien, welches das "vorgezogene Finale"("Tuttosport") erst möglich gemacht hatte. Sein Team wäre "gerne Erster geworden", doch nun "müssen wir körperlich und mental bereit sein", meinte der 65-Jährige: "Wir müssen das Spiel schnell abhaken, uns wieder aufrichten und uns gut auf das Achtelfinale vorbereiten." 

Pressestimmen: "Eine schallende Ohrfeige für Spanien" FOTO: dpa, hm

Italienische Presse geschockt

Während der erfahrene Trainer es sportlich nimmt – schließlich sind die Spanier ja auch selbst Schuld an der Misere – zeichnen die italienischen Zeitungen ein dunkles Bild. "Mamma, Spanien!" titelte die "Gazzetta dello Sport" wie ein verschrecktes Kleinkind. In ihrer Online-Ausgabe schreibt sie: "2012 war ein Albtraum", natürlich in Erinnerung an des EM-Finale vor vier Jahren, als Italien mit 0:4 nach Hause geschickt wurde. "Wir sind Außenseiter, klarer Außenseiter", befindet Italiens wichtigste Sport-Tageszeitung. "Ein Flämmchen der Hoffnung" bezieht das Blatt lediglich aus der souveränen Vorstellung der Italiener im ersten Gruppenspiel gegen Belgien (2:0). Auch da sei man schließlich nicht Favorit gewesen.

Auch die spanischen Zeitungen sind fassungslos ob des Turnierzweiges, in dem sich neben Italien und Spanien noch Deutschland, Frankreich und England tummeln. "Was für ein Tableau", schreibt "Sport". Und die "Marca" titelt ob des schwierigen Wegs ins erhoffte Finale, der den Spaniern bevorsteht: "Jetzt wird es kurvig".

Dabei hätte Sergio Ramos den zwei Fußball-Großmächten das Albtraum-Achtelfinale ersparen können. Der Kapitän übernahm nach einem mehr als zweifelhaften Elfmeter-Pfiff in der zweiten Halbzeit die Verantwortung vom Punkt – und scheiterte kläglich. Noch vor dreieinhalb Wochen im Champions-League-Finale hatte er getroffen, doch in der 72. Minute versagten ihm die Nerven. Es wäre das 2:1 gewesen.

Vor 37.245 Zuschauern hatte Nikola Kalinic mit seinem Ausgleichstor in der 45. Minute Kroatien zurück ins Spiel gebracht. Es war das erste EM-Gegentor, das die Spanier seit dem 10. Juni 2012 und seit 704 Minuten kassierten. Torschütze in der Vorrunde damals übrigens: der Italiener Antonio di Natale.

Zuvor war Spanien durch seinen neuen Torjäger Alvaro Morata in Führung gegangen (7.). Der dritte Turniertreffer des Juventus-Stürmers reichte aber nicht. Das dicke Ende kam schließlich mit dem Tor von Ivan Perisic (87.).

"Wer Europameister werden will..."

"Wir müssen daraus lernen. Jeder Fehler wird bestraft. Ich verschieße lieber einen Elfmeter in der Gruppenphase als im Halbfinale", sagte Ramos und griff zu der in solchen Momenten wohl naheliegendsten Phrase: "Wer Europameister werden will, muss gegen jeden gewinnen."

Kroatien rutschte durch den Sieg dagegen in die vermeintlich deutlich leichtere Hälfte des Tableaus und trifft als Erster am Samstag in Lens auf einen Gruppendritten. Dieser könnte im ungünstigsten Fall zwar Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo sein, aber bei den Kroaten war die Freude dennoch riesig. "Ich fühle mich stolz. Ich glaube, dass es nur wenige Mannschaften gibt, die Spanien schlagen können", sagte Matchwinner Perisic. Sein Kollege Ivan Rakitic ergänzte: "Wir haben vielleicht gegen die beste Nationalelf der Welt gespielt. Wir haben gekämpft und es verdient. Unsere Leistung war richtig gut, so wollen wir weitermachen."

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