| 14.12 Uhr

Achtelfinale gegen Spanien
Italien gefällt sich in der Rolle des Außenseiters

Eder schießt Italien zum Sieg
Eder schießt Italien zum Sieg FOTO: afp
Paris/Düsseldorf. Auf vielen Tippzetteln war es im Vorfeld das Halbfinale, auf etlichen gar das Endspiel. De facto aber treffen Titelverteidiger Spanien und sein Finalgegner von 2012, Italien, schon im Achtelfinale (18 Uhr/Live-Ticker) aufeinander. Von Bernd Jolitz

Für einen der Leuchttürme Fußball-Europas ist das Turnier somit beendet, bevor es im Kampf um den EM-Pokal so richtig ernst wird. Und das wird es spätestens in der nächsten Runde, wenn Weltmeister Deutschland auf den Sieger des heutigen Duells wartet. Glücklich über diese Konstellation ist niemand. Schon gar nicht die Spanier, die bei allem Respekt vor Portugal lieber Gruppensieger geworden und dann gegen Cristiano Ronaldo und Co. angetreten wären. "Das wird ein kompliziertes Spiel", unkt Xavi, der zurückgetretene langjährige Regisseur der Iberer. "Spanien hat Italien schon immer gefürchtet."

Die Gründe dafür sind eher historisch, denn die Gesamtbilanz weist für beide Nationen je sechs Siege und bemerkenswerte zwölf Unentschieden aus. Italiens Erfolge bei großen Turnieren liegen allerdings schon eine Weile zurück: Bei der WM 1934, der EM 1988 und der WM 1994 stolperte Spanien über den alten Rivalen, hielt sich jedoch bei den EM 2008 (Viertelfinale) und 2012 schadlos.

Entsprechend groß ist Xavis Skepsis zum Trotz das Selbstvertrauen im aktuellen Kader. "Spanien ist Spanien und hat eine gute Mannschaft", sagt Stürmer Nolito, und Mittelfeldspieler Cesc Fábregas ergänzt: "Man sollte nicht vergessen, dass wir die Europameister sind." In den ersten beiden Gruppenspielen unterstrichen sie das sogar: Das 1:0 gegen Tschechien verlief deutlicher, als es das Ergebnis ausdrückt, die Türkei war mit dem 3:0 bestens bedient. Dann setzten die Kroaten mit ihrem 2:1-Sieg jedoch ein Fragezeichen hinter die aktuellen Möglichkeiten des Teams von Trainer Vicente del Bosque - freilich keines, das das ausgeprägte Selbstwertgefühl der "Furia Roja" nachhaltig geschädigt hätte.

Auf der anderen Seite genügt dieser Wackler des Favoriten, den Appetit des Kontrahenten zu wecken. "Wir werden versuchen, ihnen wehzutun", kündigt Andrea Barzagli an - man glaubt es dem kernigen Abwehrspieler gern. Der Ex-Wolfsburger bildet mit Torhüter Gigi Buffon, Leonardo Bonucci und Giorgio Chiellini den Abwehrwall, der die Basis auf dem Weg ins Achtelfinale war. Die Basis, aber nicht das alleinige Erfolgsrezept. Italien überzeugte zudem durch temporeiches Umschaltspiel und mannschaftliche Geschlossenheit.

Es bleibt freilich abzuwarten, inwieweit sich die Trickserei Antonio Contes auswirkt. Das Trainer-Schlitzohr schonte nach vollbrachtem Gruppensieg gegen Irland (0:1) fast alle Leistungsträger. Sind diese nun erholt oder aus dem Rhythmus? "Mal sehen, was auf dem Platz passiert", sagt Conte und geht zur allgemeinen italienischen Sprachregelung über: "Wir treffen auf eines der stärksten Teams der Welt." Die Azzurri gefallen sich sichtlich in der Rolle des Außenseiters.

Quelle: RP
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