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EM im Live-Ticker
Conte baut gegen Schweden auf Hilfe aus dem All

Conte holt sich beim Torjubel blutige Nase
Conte holt sich beim Torjubel blutige Nase FOTO: Screenshot ARD
Toulouse. Gegen Belgien jubelte sich Antonio Conte die Nase blutig. Gegen Schweden will sich Italien keine Kratzer holen. Dafür greift der "Mister" zu ungewöhnlichen Methoden.

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Seine Worte klingen wie eine Drohung. "Wir sind erst am Anfang unseres EM-Weges", sagt Antonio Conte und blickt finster: "Wir haben noch immer eine offene Wunde." Seit der WM-Schmach von 2014 arbeitet Italiens Nationaltrainer wie ein Besessener für den Erfolg der Squadra Azzurra, und schon mit einem weiteren Sieg gegen Schweden am Freitag (15 Uhr/Live-Ticker) winkt der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale der EM. Doch Conte will mehr.

"Ich glaube nicht, dass ein einziges Spiel die Meinung der Menschen ändern kann", sagt der 46-Jährige. Doch genau wegen dieses einen Spiels, wegen dieses 2:0 gegen Belgien im ersten Gruppenspiel, wird er in der Heimat schon als Begründer der italienischen Fußball-"Renaissance" gefeiert.

Astronaut gibt Motivations-Hilfe

Intelligent, penetrant, detailversessen: Conte gibt bei den Azzurri die Richtung vor - und dem italienischen Calcio seit seinem Amtsantritt Stück für Stück seinen Stolz zurück. Dabei geht er ungewöhnliche Wege. Zur Einstimmung auf das Duell mit Zlatan Ibrahimovic griff Conte mal wieder tief in die Psychokiste: Er ließ den Astronauten Luca Parmitano für einen Motivationsvortrag im Mannschaftshotel einfliegen.

"Conte beweist, dass er ein großartiger Trainer ist", lobt Altmeister Giovanni Trapattoni. Der frühere Bundesliga-Coach und ehemalige Nationaltrainer (2004 bis 2008) attestierte seinem ehemaligen Lehrling "sehr gute Arbeit" mit "Taktik, Spiel, Spektakel, Teamgeist". Conte könne Italien "ins Finale bringen".

Tatsächlich mobilisiert Conte bei seinen Spielern Kräfte, die den italienischen "Fußball-Opas" kaum jemand zugetraut hätte. Gegen Belgien spielte die mit 31,5 Jahren älteste Startelf der EM-Geschichte clever und diszipliniert. Hinten gewohnt sicher, präsentierten sich die Azzurri im Umschaltspiel jederzeit gefährlich. "Italien hat uns taktisch deklassiert", sagte Belgiens Torwart Thibaut Cortois. Und hatte Recht.

Mastermind Conte, der die Spielvorbereitung liebt, stundenlang Gegner analysiert und detaillierte Matchpläne entwirft, führt sein Team mit strenger Hand. Als kleiner Feldherr erinnert er am Spielfeldrand an Atletico Madrids Diego Simeone. Er verlangt von seinen Spielern völlige Hingabe und Gefolgschaft. Läuft im Training etwas schief, wird es ungemütlich. Freundinnen und Frauen der Spieler lässt er nicht mehr im Teamhotel wohnen.

Antonio Conte – der Alchemist

Der Erfolg gibt Conte Recht. Die "Gazzetta dello Sport" nennt ihn aufgrund seiner Gabe, mittelmäßige Mannschaften zu außerordentlichen Leistungen anzutreiben, ehrfürchtig einen "Alchemisten". Was er anfasst, wird zu Gold.

Nach Stationen bei kleineren Klubs wie Bari oder Siena heuerte der Ex-Nationalspieler 2011 bei Juventus Turin an. In seiner Premierensaison führte er die zuvor schwächelnde "Alte Dame" ungeschlagen zur Meisterschaft. Zwei weitere Scudetti folgten, ehe Conte beim italienischen Verband im August 2014 die Nachfolge von Cesare Prandelli antrat. Nach der EM übernimmt er den FC Chelsea.

Verbandspräsident Carlo Tavecchio schwärmt von Contes Arbeit und hofft schon auf ein "Endspiel in Paris gegen Frankreich". Doch Conte mag solche Träumereien überhaupt nicht, zu frisch sind die Erinnerungen an das WM-Trauma. Vor zwei Jahren gewann Italien erst gegen England, nach Niederlagen gegen Uruguay und Costa Rica war das Turnier für die Blauen dann aber schnell beendet.

(sid)
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