| 08.09 Uhr

Kritik an Portugals Superstar
Kahn von Ronaldos Gehabe gelangweilt

Fotos: Ronaldos Portugiesen verpatzen EM-Auftakt
Fotos: Ronaldos Portugiesen verpatzen EM-Auftakt FOTO: afp
Er wird geliebt, er wird gehasst. Über keinen Fußballprofi wohl so kontrovers diskutiert und debattiert, keiner polarisiert so sehr wie Cristiano Ronaldo. Im Rahmen der Partie zwischen Portugal und Island zog nun auch EM-Experte Oliver Kahn im ZDF über den Superstar her. 

Unbestritten ist, dass der Portugiese ein absoluter Weltklassekicker ist. Mit seinem theatralischen Gehabe auf dem Platz kann der ein oder andere aber eher wenig anfangen. Ein Übersteiger hier, ein abfällige Geste da, die stets glatt gegelt Frisur  – viele Fans können genau dieser Art von Ronaldo nicht ausstehen. Kahn outete sich nun als einer von ihnen. "Ich liebe diesen Spieler und was er alles kann. Aber es geht irgendwann als Fußballer, wenn du älter wirst, auch um andere Dinge. Es ist langweilig, immer die gleichen Bilder zu sehen. Diese Selbstinszenierung, dieses Gehabe", erklärte Kahn.

Besonders Ronaldos übertriebene Jubel-Arie im Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Atletico Madrid gefiel Kahn überhaupt nicht:  "Er hat im Champions-League-Finale den entscheidenden Elfmeter geschossen: Natürlich kann ich mir dann wieder das Trikot vom Leib reißen und wieder den Marketing-Fritzen machen."

Im Champions-League-Finale avancierte der Superstar mit seinem entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen zwar zum großen Endspiel-Helden Reals, glänzte zuvor aber keineswegs. Ronaldo störte das aber herzlich wenig. Viel mehr bot ihm das entscheidende Tor wieder mal einen willkommenen Anlass, das Trikot vom Leib zu reißen und wie ein aufgepumpter Bodybuilder vor den Fans zu posieren. "Gerade er, der so viel gewonnen hat und so eine Persönlichkeit ist, da wäre es doch auch möglich gewesen, mal kurz inne zu halten. Auch mal kurz an die Spieler von Atletico zu denken. Das würde ihn wirklich groß machen", sagte Kahn.

Auf Twitter kamen die harten Worte Kahns nicht so gut an. Einige User kritisierten den mittlerweile 46-Jährigen und erinnerten den Torhüter an seine eigene Vergangenheit. "Kahn stört sich an Ronaldos Selbstinszenierung. Zum Glück fiel der Begriff 'Titan' zwischen 2001-2008 nur ganz selten", schreibt User 90Plus. 

Der kritisierte Ronaldo, der gegen Island sein 127. Länderspiel absolvierte und damit mit Rekordnationalspieler Luis Figo gleichzog, blieb im ersten Gruppenspiel Portugals ohne Tor und musste sich am Ende mit einem enttäuschenden 1:1 zufriedengeben. "Er war eher unauffällig. Die Rolle, die er spielt, wurde aber auch extrem gut bekämpft", sagte Kahn nach dem Spiel. 

Der deutsche Handball-Bundestrainer Dagur Sigurdsson war im Stadion, um seine isländischen Landsmänner als Fan zu unterstützen. Er konnte sich ein bisschen Häme gegen Ronaldo nicht verkneifen. Von der Tribüne aus filmte er, wie der portugiesische Superstar in die Kabine marschierte. Sigurdssons Kommentar dazu: ein breites Grinsen.

 

(old)
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