| 19.52 Uhr

1:0-Sieg gegen Nordirland
Lewandowski bleibt blass – Polen schreibt trotzdem Geschichte

Milik sorgt für die verdiente polnische Führung
Milik sorgt für die verdiente polnische Führung FOTO: afp
Nizza. Robert Lewandowski verzweifelte fast - da kam Arkadiusz Milik und bescherte Polen in der deutschen Gruppe den historischen ersten EM-Sieg. Vier Tage vor dem Duell mit den Weltmeistern erlöste der ehemalige Bundesliga-Profi den Favoriten gegen äußerst widerspenstige Nordiren mit seinem Tor zum 1:0 (1:0).

Der Einzug ins Achtelfinale ist zum Greifen nahe, doch es war ein ganz hartes Stück Arbeit: 50 Minuten lang bissen sich Bundesliga-Torschützenkönig Lewandowski und seine Kollegen am erbittert verteidigenden EM-Neuling die Zähne aus.

"Das Tor war wichtig, darum bin ich glücklich. Aber noch wichtiger sind die drei Punkte. Wir haben noch einige Schritte vor uns, das ist noch nicht das Ende der Reise", sagte Siegtorschütze Milik, während der Nordire Steven Davis enttäuscht war: "Wir haben alles gegeben, aber es war nicht genug".

Milik, einst Bayer Leverkusen und FC Augsburg, bekam schließlich doch einmal etwas Platz im Strafraum der "Green and White Army". Er knackte den Riegel mit einem Flachschuss (51.). Am 21. Juni werden sich die Nordiren, die zuvor zwölf Spiele in Serie nicht verloren hatten, der DFB-Elf entgegenstellen.

Lewandowski hat 30 Saisontore für Bayern München erzielt und war mit 13 Toren bester Torjäger der EM-Qualifikation. Doch die Nordiren hatten einen Plan, und er funktionierte beinahe perfekt. In einer defensiven Fünferkette bearbeiteten die drei Innenverteidiger Craig Cathcart, Gareth McAuley und Jonny Evans den Star-Torjäger in jeder Minute.

Will Grigg's is not on fire

Wurde der Ball erobert, ging es vor 33.742 Zuschauern im Stade de Nice meist steil auf die einzige Spitze Kyle Lafferty, den siebenmaligen Torschützen in der Qualifikation. Will Grigg, dem die Fans ihr eingängiges Lied ("Will Grigg's on fire") widmen, saß auf der Bank.

Die Polen spürten umgehend, warum sich viele Mannschaften mit Nordirland so schwer tun. Sie wurden in eine Art Handball-Offensivspiel gezwungen, spielten bogenförmig unzählige kurze Pässe um den Strafraum herum. Dann kam meist eine Flanke, in der vagen Hoffnung, sie möge Lewandowski erreichen. Der Ball wurde abgewehrt - das Spiel begann von Neuem.

Nach einer stürmischen Anfangsphase des Favoriten machte sich Ratlosigkeit breit. Wie sollte diese Abwehr zu narren sein? Lewandowski war aus dem Spiel, der von Borussia Dortmund an den AC Florenz ausgeliehene Jakub Blaszczykowski wurde heftig abgegrätscht - beispielsweise beeindruckend von Evans (22.).

Als die Abwehr endlich überspielt war, versagten zunächst die Nerven. Milik rutschte der Ball aus allerbester Position nach überragender Vorarbeit von BVB-Profi Lukasz Piszczek über den linken Spann (30.). Bei einem Linksschuss von Bartosz Kapustka riss Torhüter Michael McGovern rechtzeitig die Hände hoch (38.).

Ausschreitungen auch in Nizza

Schon zur Halbzeit waren es 10:0 Torschüsse, der Trend setzte sich fort, obwohl die Nordiren nach dem Gegentreffer zum Handeln gezwungen waren und auf Vierer-Abwehrkette mit zwei Stürmern umstellten. Polen blieb bis auf wenige Szenen souverän, im Angriff lief vieles über den nun überragenden Blaszczykowski.

Auch im Vorfeld dieser Begegnung war es zu Ausschreitungen gekommen, wenn auch nicht in einem Ausmaß wie in Marseille. Bei Schlägereien zwischen einheimischen Jugendlichen und nordirischen Fans in Nizza wurden in der Nacht zum Sonntag sieben Personen verletzt.

Im Stadion war es friedlich und bunt, jeweils 15.000 Fans beider Lage unterstützten ihre Mannschaft in Grün-Weiß oder Weiß-Rot, was die Stimmbänder hergaben.

(sid)
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