| 17.16 Uhr

Schwerstarbeit für deutschen EM-Schiedsrichter
England-Trainer Hodgson lobt Brych

England - Wales: die Fakten
England - Wales: die Fakten
Erst musste Felix Brych tagelang auf seine Nominierung warten, dann kam es für den deutschen Schiedsrichter gleich knüppeldick. Der Münchner "darf" bei seinem ersten EM-Einsatz am Donnerstag in Lens eine der brisantesten Vorrundenpartien leiten: Das Bruderduell, die "Battle of Britain" – England gegen Wales (15 Uhr/Live-Ticker).

Angesichts der Schwere der Aufgabe wird es Brych mit Freude vernommen haben, was der englische Nationaltrainer Roy Hodgson am Mittwoch über ihn sagte. "Der Schiedsrichter? Das ist doch der aus Deutschland, oder?", sagte Hodgson auf die Frage, ob er beunruhigt sei: "Er ist einer der besten Schiedsrichter in Europa. Er hat schon früher Spiele von uns geleitet, und das hat er extrem gut gemacht. Ich habe keinerlei Bedenken."

Für Brych (40) und sein Team ist die Ansetzung zugleich Auszeichnung und Herausforderung. Nur wenn sie keine groben Fehler machen, kommen sie ihrem EM-Wunsch ein Stück näher. "Unser Ziel muss es sein, möglichst viele Partien zu bekommen und die möglichst sauber zu pfeifen", hatte der Jurist kurz vor der Endrunde gesagt.

Olympia, Confed Cup, WM und jetzt EM

Doch schon mit seiner Nominierung hat Brych, dessen EM-Team aus seinen Assistenten Mark Borsch (Mönchengladbach) und Stefan Lupp (Zossen), den Torrichtern Marco Fritz (Korb) und Bastian Dankert (Rostock), sowie Ersatz-Assistent Marco Achmüller (Bad Füssing) besteht, seinen "Grand Slam" perfekt gemacht. Schließlich war der Referee bereits bei den Olympischen Spielen 2012 in London, dem Confed Cup 2013 und der WM 2014 (beide in Brasilien) im Einsatz.

Was Brych trotz seiner Karriere-Höhepunkte bei den großen Turnieren aber immer noch umtreibt, wurde am letzten Spieltag der abgelaufenen Bundesliga-Saison deutlich - natürlich in Sinsheim. Vor dem Spiel zwischen 1899 Hoffenheim und Schalke 04 (1:4) warf Brych mit seinen Assistenten immer wieder Bälle ans Außennetz. Diesmal ging keiner rein - anders als an diesem unglückseligen 18. Oktober 2013.

Als Brych an jenem Freitagabend vor knapp drei Jahren den Kopfballtreffer von Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) anerkannte, obwohl der Ball durch ein Loch im Netz von außen im Tor gelandet war, stand die Überschrift über seinem Werdegang trotz aller Turnier-Teilnahmen fest: Phantomtor-Schiedsrichter.

Diesen Makel wird Brych, der seit 2004 in der Bundesliga pfeift und schon drei Jahre später zum FIFA-Referee aufstieg, nicht mehr los. Da helfen weder die Ehrungen zum deutschen Schiedsrichter des Jahres (2013 und 2015) noch die Berufungen für Endspiele (Europa League 2014, DFB-Pokal 2015).

Vielleicht sah Brych auch deshalb seiner ersten EURO mit großer Demut entgegen. "Ein Final-Wunsch wäre Utopie. Dafür spielen zu viele Faktoren eine Rolle, die wir nicht beeinflussen können", sagte Brych, der neben der Schiedsrichterei als Abteilungsleiter für Talentförderung und Unparteiische beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) arbeitet: "Ich möchte mit meinem Team vor allem eine gute Zeit haben. Wenn wir das schaffen, haben wir schon viel erreicht."

(sid)
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