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Aus in der Vorrunde
Spott, Kritik und eine "Watschn" für Österreichs Versager

Pfosten! Dragovic verschießt vom Elfmeterpunkt
Pfosten! Dragovic verschießt vom Elfmeterpunkt FOTO: afp
Hoch gelobt, tief gefallen: Die Österreicher sind bei der EM krachend gescheitert. David Alaba blickt trotzdem mit Zuversicht nach vorne.

Katastrophe, Drama, Blamage: Auf Österreichs gescheiterte "Pleite-Kicker" um David Alaba warteten bei der Rückkehr am Donnerstagabend nach Wien reichlich Spott, heftige Kritik und schmerzhafte "Watschn". Der unerwartete Absturz bei der EM in Frankreich hat die Alpenrepublik in Aufruhr versetzt. Die Sündenböcke: Trainer Marcel Koller und Bayern-Star Alaba.

"Dass wir diese Chance nicht nutzen konnten, ist eine Katastrophe. Wir sind bei der Reifeprüfung durchgefallen", schimpfte Ikone Hans Krankl und sprach der enttäuschten rot-weiß-roten Nation aus der gepeinigten Fußball-Seele. "Das Ende unseres Wunderteams", titelte die Zeitung Österreich. Die Presse schrieb von einem "Turnier der unerfüllten Hoffnungen".

Österreich war mit großen Ambitionen angereist, ist durch das peinliche 1:2 (0:1) gegen das kleine Island aber krachend gescheitert. Am Donnerstagnachmittag schlichen Alaba und Co. wie geprügelte Hunde aus dem noblen Hotel Le Moulin de Vernègues im südfranzösischen Mallemort.

Fotos: Wer uns in der K.o.-Phase fehlen wird FOTO: dpa, ss

Der Münchner, der die Erwartungen nie erfüllen konnte, sprach konsterniert und kleinlaut von einem "geplatzten Traum". Kapitän Christian Fuchs meinte unverblümt: "Das war Scheiße!" Entsprechend schlecht und kurz war nach der Rückkehr aus St. Denis auch die letzte Nacht verlaufen. "Schlafen war nicht so viel", sagte Fuchs am Donnerstagmittag mit kleinen Augen.

Vor dem Auszug aus dem Mannschaftsquartier hatte es für die Versager noch eine klare Ansage von Koller gegeben. Er habe der Mannschaft mit auf dem Weg gegeben, "sich im Urlaub Gedanken zu machen, damit wir wieder mit Schärfe und Konzentration in die WM-Quali gehen können. Jeder soll vor seiner eigenen Tür kehren und nicht mit dem Finger auf andere zeigen."

Island - Österreich FOTO: dpa, mr

So versuchte Alaba, den das Blatt Österreich das "Sinnbild der enttäuschenden EM" nannte, den Blick tapfer nach vorne zu richten. "Das Buch ist nicht zu Ende geschrieben. Es war kein schönes Kapitel, aber wir wollen das nächste aufschlagen und den Weg weitergehen", sagte der 23-Jährige.

Koller wird die Österreicher nach einem "Abschied mit Tränen" (Krone) auf diesem Weg führen, obwohl der Schweizer erstmals in der Kritik stand. Ex-Torjäger Toni Polster sprach von einem "völlig unnötigen Experiment", das "völlig schiefging". Der Grund dafür: Koller hatte Alaba erneut als Offensiven aufgeboten.

Man sei einfach "zu hektisch und nervös" gewesen, entgegnete der Coach. Er persönlich sei deshalb keineswegs gescheitert, "aber dass man im Nachhinein einige Entscheidungen vielleicht anders fällen würde, ist auch klar." Aus diesen Erfahrungen könne man aber "sehr viel lernen", fügte Koller vor der WM-Qualifikation an, die gegen die EM-Überraschungen Wales und Irland oder Serbien aber kein Selbstläufer wird.

Zunächst stand für den "Qualifikations-Europameister", wie der Standard hämisch anmerkte, die Aufarbeitung eines laut Fuchs "sehr ernüchternden Abends" an. Es sei "sehr schwer, jetzt irgendetwas Gutes zu finden", sagte Aleksandar Dragovic mit finsterer Miene. Sein Elfmeter-Fehlschuss (37.) nach der frühen Führung durch Jón Dadi Bödvarsson (19.) war der Knackpunkt. Alessandro Schöpf (60.) schürte mit dem erst zweiten Tor der österreichischen EM-Geschichte zwar noch einmal die Hoffnungen gegen die "isländische Mauer" (Koller). Doch Arnor Ingvi Traustason (90.+4) zerstörte den Traum endgültig.

Schöpf befand sich deshalb in einem Zwiespalt der Gefühle. Zwar sei der Treffer ein "ganz besonderer Moment" für ihn gewesen, sagte der 22-Jährige, "aber lieber hätte ich nicht getroffen und wir wären ins Achtelfinale gekommen." Den Österreichern wäre einiges erspart geblieben.

(sid)
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