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0:4 gegen Belgien
Ungarn verlässt die EM erhobenen Hauptes

EM 2016: Ungarn verlässt die EM erhobenen Hauptes
Applaus von und für die ungarischen Fans. FOTO: dpa, ks
Toulouse/Düsseldorf. Das Ende war bitter. 0:4 gegen Belgien - das klingt nach Ungarns Fußball-Tradition der vergangenen Jahrzehnte. Nach Chancenlosigkeit, Frust und wehmütiger Erinnerung an die goldenen, aber längst eingestaubten 1950er-Jahre. Doch diesmal ist es anders als in den deprimierenden Zeiten nach Ende der Ära von Puskas und Hidegkuti. Von Bernd Jolitz

Ungarn verlor im Achtelfinale nur deshalb so deutlich gegen Mitfavorit Belgien, weil es sich nicht ängstlich in sein sportliches Schicksal ergab und selbst nach dem 0:2 lieber die kleine Chance auf eine Wende suchte statt Schadensbegrenzung zu betreiben. Die Truppe des deutschen Trainergespanns Bernd Storck, Andreas Möller und Holger Gehrke verlässt Frankreich erhobenen Hauptes.

"Das Team hat die Vergangenheit abgelegt", sagt der frühere Dortmunder Bundesliga-Profi Storck. Der 53-Jährige meint das durchaus doppeldeutig - die entwürdigenden Pleiten der jüngeren Geschichte ebenso wie die großen Zeiten, die die modernen Kicker schier zu erdrücken drohten. Spieler wie Gabor Kiraly, Balasz Dzsudszak oder Adam Szalai haben es geschafft, ein Stück weit aus dem langen Schatten von Ferenc Puskas und Co. zu treten.

"Ganz Ungarn kann stolz sein", sagt Torhüter Kiraly, der wie zu seinen besten Zeiten bei Hertha BSC stets in Schlabberhose hält und mit seinen 40 Jahren wohl auch noch die Qualifikation zur WM 2018 angehen wird. "Jetzt müssen wir genauso weitermachen." Sein Trainer ist zuversichtlich, dass dieses Unterfangen gelingen kann. "Wir müssen vor der Zukunft keine Angst haben", meint Storck, der im Juli 2015 Pal Dardai im Amt ablöste, der sich ganz auf seinen Job bei Hertha konzentrieren wollte. Für Ungarn wie für Storck war es ein Glücksfall. Schon durch die EM-Quali war der Westfale zum Volkshelden geworden, der Gruppensieg vor Portugal, Island und Österreich hat diesen Status gefestigt. "Wir kommen aus dem Nichts", fasst er zusammen. "Das war ein großer Schritt für den ungarischen Fußball."

Storck und Möller sind jedoch keine Phantasten. Wirklich nach vorn kann es nur gehen, wenn gegen Portugal, die Schweiz, Lettland, Andorra und die Färöer auch die Teilnahme an der WM gesichert wird. Erst das würde den dringend nötigen Impuls geben, auch auf Vereinsebene das Niveau wieder zu heben.

Quelle: RP
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