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Desaströse Bilanz für England
Rooney hat genug vom ewigen Scheitern

EM 2016: Wayne Rooney hat genug vom ewigen Scheitern
Bei der WM 2006 war Wayne Rooney im Viertelfinale gegen Portugal mit Rot vom Platz geflogen. FOTO: dpa, fpt_jh soe
Chantilly. Wayne Rooney steht stellvertretend für all die englischen Pleiten der vergangenen Jahre. Bei der EM in Frankreich geht es für den Kapitän auch um seine ganz persönliche Reputation. Dabei formuliert der 30-Jährige gewagte Ziele.

Seine desaströse Bilanz für England in Alles-oder-Nichts-Spielen kann Wayne Rooney nur mit einer Prise Selbstironie ertragen. Den Kopf leicht schief gelegt lauscht der Kapitän der Three Lions der Frage, was er seinen jungen Teamkollegen für das EM-Achtelfinale gegen Island am Montag sagen wird. "Ich bin wahrscheinlich nicht die allerbeste Person, um ihnen einen Ratschlag zu geben", antwortet Rooney mit gequältem Lächeln. "Ich bin schon in einigen K.o.-Spielen aufgelaufen - nicht viele sind sonderlich gut ausgegangen."

Eine Untertreibung. Bei fünf Duellen in der entscheidenden Turnierphase gab es für Rooney bislang nur einen mickrigen Sieg (1:0 gegen Ecuador/WM 2006), ansonsten ein Aus nach Fußbruch (EM 2004), ein Aus nach Rot (WM 2006), ein Aus mit 1:4 gegen Deutschland (WM 2010) und ein Aus im Elfer-Drama (EM 2012). "Für England in Turnieren zu spielen, war bislang enttäuschend", gesteht Rooney.

"Wir wollen es gewinnen"

Genug vom ewigen Scheitern - mit fester Stimme formuliert er trotz der durchwachsenen Vorrunde den Anspruch für die EM in Frankreich. "Ich sitze hier nicht und sage, dass wir eine Gruppe von jungen Spielern sind und deshalb glücklich wären, das Viertelfinale zu erreichen", erklärt der Superstar von Manchester United trotz der drohenden Duelle mit Gastgeber Frankreich und dann Deutschland, Spanien oder Italien. "Wir sind hier und wollen es gewinnen."

Angesichts seines Alters von 30 Jahren wird dieses Turnier auch maßgeblich über den Platz Rooneys in den Geschichtsbüchern des englischen Fußballs entscheiden. Gegen den großen Außenseiter Island wird er in seinem 115. Länderspiel zu David Beckham als Feldspieler mit den meisten Einsätzen aufschließen. Die Bestmarke als Rekordtorschütze Englands hat Rooney dem legendären Bobby Charlton dieses Jahr schon abgenommen. Doch wird von den Turnieren lediglich der formschwache, der hitzköpfige, der körperlich angeschlagene Rooney in Erinnerung bleiben?

"Er ist der ultimative Profi", schwärmt Englands Trainer Roy Hodgson von seinem ersten Ansprechpartner im Team. "Du kannst niemals an seiner Professionalität zweifeln, seinem Verlangen das Richtige für England zu machen und seiner Fähigkeit, sich selbst zum Wohle des Teams zu opfern, wenn es nötig ist."

Auf dem Feld zeigte Rooney bei der EM bislang in seiner ungewohnten Rolle als Mittelfeld-Organisator starke Auftritte, ließ jedoch dadurch auch frühere Torgefahr vermissen.

Wie wichtig er abseits des Rasens geworden ist, zeigt folgende Anekdote: Vor dem Turnier plante Hodgson, dass die Spieler mit dem Fahrrad von ihrem Hotel zum Trainingsgelände fahren. Rooney legte aus Sorge vor der Dauerverfolgung von Paparazzi sein Veto ein - so lassen er und seine Teamkollegen sich die knapp zwei Kilometer im Bus zum Stade des Bourgognes kutschieren.

In der Mannschaft ist Rooney hochgeschätzt. "Selbst als ich erstmals im Aufgebot und er noch nicht mal Kapitän war, hat er seinen Arm um mich gelegt", lobt Jack Wilshere die Führungsqualitäten. "Vor meinem Debüt sagte er mir, dass ich relaxen und es genießen soll. Er war immer diese Führungsfigur für mich, aber jetzt hat er besondere Verantwortung." Auch für seine ganz eigene Turnier-Bilanz.

(dpa)
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