| 19.33 Uhr

Superstar vor dem EM-Aus
Ibrahimovics Schweden warten noch immer auf den ersten Torschuss

Italien - Schweden: die Bilder
Italien - Schweden: die Bilder FOTO: afp
Toulouse. Auch im zweiten Gruppenspiel enttäuscht Schweden um Superstar Zlatan Ibrahimovic auf ganzer Linie und sorgte für eine erschreckende Statistik-Premiere. Italien spielt kaum besser – steht nach dem 1:0 aber trotzdem schon im Achtelfinale.

Zlatan Ibrahimovic hatte es eilig. Im Designer-Anzug mit blauer Krawatte, die Haare akkurat zurückgegelt, hetzte der Superstar zum schwedischen Mannschaftsbus. Der selbst ernannte Fußball-Gott wollte nichts sagen, er blieb dann aber doch kurz stehen und presste ein paar Sätze heraus - auf italienisch.

"Wenn du gegen Italien spielst, musst du 90 Minuten lang konzentriert sein. Sie können jederzeit treffen", sagte Ibrahimovic und zischte: "Und genau das ist passiert." Und schon war er verschwunden. Italiens Siegtorschütze Éder hatte ihm mit seinem Treffer zwei Minuten vor dem Ende gründlich die Laune verdorben.

Ibrahimovic steht mit den Schweden nach einem erneut völlig enttäuschenden Auftritt vor dem Heimflug - die unüberwindbare "Senioren-Abwehr" der Azzurri dagegen richtet sich auf einen längeren Aufenthalt in Frankreich ein. Trotz Fußball zum Abgewöhnen steht die extrem passive Squadra Azzurra nach einem trostlosen 1:0 (0:0) gegen "Blågult" sicher im EM-Achtelfinale.

Buffon jubelt wieder an der Torlatte FOTO: ap, AF FP

"Es ist großartig, die ersten beiden Spiele gewonnen zu haben, das hätten uns nicht viele zugetraut", sagte Éder. Bei Ibrahimovic schwindet die Hoffnung dagegen, über seine persönliche App raffte er sich zumindest noch zu ein paar tröstenden Worte an sein "Volk" auf. "Ein gutes Spiel" sei es gewesen, aber er sei "enttäuscht", schrieb er. Und: Schweden habe noch immer eine "große Chance" aufs Weiterkommen.

Trainer nimmt Ibrahimovic in Schutz

Der Auftritt vom Freitag macht allerdings kaum Mut. Manchmal schien es fast so, als sei Ibrahimovic nur nach Toulouse gekommen, um sich zu zu sonnen. Er lamentierte, anstatt zu sprinten, haderte mit seinen Mitspielern, anstatt sie in Szene zu setzen, und er blieb wie seine gesamte Mannschaft wie schon beim 1:1 gegen Irland 90 Minuten lang ohne Schuss auf das Tor. Das hatte es bei einer EM seit Beginn der Datenerfassung noch nie gegebenen. Der Treffer gegen Irland war ein Eigentor.

"Natürlich wäre ich glücklicher, wenn wir getroffen hätten", sagte Schwedens Trainer Erik Hamrén und nahm Ibrahimovic in Schutz. Er sei "einer der größten Stürmer", die er je gesehen habe. "Klar, dass er enttäuscht ist." Gewinnen Ibrahimovic und Co. gegen Belgien am Mittwoch nicht, geht es für den 34-Jährigen in den Zwangsurlaub.

Die Italiener feierten ihren zweiten Zu-Null-Sieg derweil mit einem ausgelassenen Tänzchen vor der Fankurve. "Wir kämpfen alle für das gleiche Ziel. Wenn du viel arbeitest, bekommst du Erfolg und Glückseligkeit", sagte Éder. Das italienische Geheimnis sei "der Zusammenhalt - von der Nummer eins bis zur Nummer 23".

Gegen Schweden verließen sich die Italiener mal wieder ganz auf ihre Defensiv-Qualitäten. Sie standen tief, sie standen kompakt, sie ließen die Skandinavier kommen und machten ihnen dann auf engstem Raum das Leben schwer. Als sich schon alle auf ein 0:0 eingestellt hatten, schlug der in Brasilien geborene Éder eiskalt zu.

"Der Italiener ist so: Er verliert die Freundschaftsspiele noch und noch. Und wenn es darauf ankommt, ist er da!", sagte Franz Beckenbauer der Bild-Zeitung. Conte versprach vor dem abschließenden Vorrundenspiel gegen Belgien: "Wir haben so viel Hunger. Wir wollen das Spiel gewinnen."

(sid)
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