| 07.23 Uhr

Ukraine - Nordirland 0:2
Nordirland schreibt im Hagel von Lyon Geschichte

McGinn macht für Nordirland den Deckel drauf
McGinn macht für Nordirland den Deckel drauf FOTO: afp
Lyon. 20.000 ausgeflippte Fans sangen sich heiser vor Glück, als die tapferen Nordiren EM-Geschichte geschrieben hatten. Am Ende einer kuriosen Wasser-Hagel-Schlacht gegen die Ukraine feierte die "Green and White Army" ihren ersten Sieg bei einer EURO – aber sie wusste auch: Nur ein Punkt aus der Herkules-Aufgabe gegen die deutschen Weltmeister am Dienstag bringt sie halbwegs sicher ins Achtelfinale.

Am Donnerstagabend war ihnen das freilich noch egal. "Dies ist ein stolzer Tag! Das war eine ganz starke Reaktion meiner Spieler auf unsere Auftaktniederlage gegen Polen", sagte Trainer Michael O'Neill. Die Nordiren ließen sich auch von einer zweiminütigen Unterbrechung wegen eines heftigen Hagelschauers nicht aufhalten.

Dass sie träumen dürfen, verdanken sie Gareth McAuley und Niall McGinn. Acht Minuten, ehe Schiedsrichter Pavel Kralovec aus Tschechien die Spieler wegen des Hagels kurz in den Kabinengang schickte, erzielte der Abwehrchef im Starkregen einen geschichtsträchtigen Treffer (49.): Es war das erste Tor für Nordirland bei einem großen Turnier seit der WM 1986 in Mexiko. McGinn setzte den Schlusspunkt (90.+6). "Sie sind die neuen Helden der Nation", jubelte der Belfast Telegraph.

Den Ukrainern verhagelte nach dem 0:2 im ersten Gruppenspiel gegen Deutschland nicht nur der Gegentreffer die Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale: Der Regen hatte auf dem Rasen im Stade de Lyon Pfützen entstehen lassen, die ein sauberes Passspiel stellenweise verhinderten. Die Ukrainer müssen zum Abschluss gegen Polen gewinnen. "Wir haben nicht genug gekämpft", sagte Abwehrspieler Jewgeni Chatscheridi.

Passend zum Wetter plätscherte das Spiel vor 51.043 Zuschauern zunächst vor sich hin. Ein erster Aufreger war ein Handspiel McAuleys im Strafraum (9.), das der tschechische Schiedsrichter bei seinem ersten EM-Einsatz ungeahndet ließ.

Ansonsten probierte es die Ukraine erneut vornehmlich über ihre starke Flügelzange Jewgeni Konopljanka/Andrej Jarmolenko. Für das Duo war es allerdings alles andere als einfach: Die Nordiren verteidigten sehr variabel, im Extremfall mit sechs Mann auf einer Linie. Platz gab es wenig - das "Alles-oder-nichts-Spiel" begann zäh.

Lafferty nur auf der Bank

Die Offensive der Nordiren war eine halbe Stunde lang nicht vorhanden. Das lag nicht nur an der spielzerstörenden Ausrichtung, sondern auch am Fehlen von Kyle Lafferty. Der 28-Jährige, siebenmaliger Torschütze in der Qualifikation, saß zunächst auf der Bank.

Die Fans der Nordiren standen in der 24. Minute. Sie hatten sich zu Ehren des 24-jährigen Darren Rodgers erhoben, der in der Nacht auf Montag an der Promenade von Nizza von einem Geländer in den Tod gestürzt war. Ein bewegender Moment.

Kurz darauf hatte Craig Cathcart (34.) mit einem Kopfball die bis dahin beste Chance des Spiels, noch vor der Pause brachte Steven Davis den ukrainischen Torwart Andrej Pjatow aus spitzem Winkel erneut in Verlegenheit (41.).

Der nächste Versuch war dann erfolgreich, fast erwartbar war es eine Standardsituation: Nach einem Freistoß köpfte McAuley ein. Danach mussten die Nordiren die Führung gegen aufkommende Ukrainer mit aller Kraft verteidigen. Das machten sie gut. Auch Deutschland dürfte sich da schwer tun.

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