| 20.06 Uhr

EM 2016
Erfolgsfaktor Torwart

Diese Torhüter sahen unglücklich aus
Diese Torhüter sahen unglücklich aus FOTO: ap, AF FP
Düsseldorf. Yann Sommer hielt der Schweiz mit seinen Paraden drei Punkte gegen Albanien fest. Bei seinen Torhüterkollegen anderer Nationen lief es am ersten EM-Wochenende deutlich schlechter. Von Karsten Kellermann

Oliver Kahn ist einer der renommiertesten Experten in Sachen Torhüterspiel. Schließlich war er zu seiner aktiven Zeit der Beste seines Fachs, ein "Titan". Dass Kahn, vom ZDF engagiert, zudem ein kritischer Geist ist und einen hohen Maßstab bei der Bewertung der Ballfänger anlegt, ist bekannt. Darum darf Yann Sommer, Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft, das, was Kahn vor dem Schweizer Auftaktspiel gegen Albanien sagte, als Ritterschlag einordnen: "Mit dem Ball am Fuß ist er auf einem Niveau mit Manuel Neuer." Und besser als Neuer, das ist die einhellige Meinung aller Fußballkenner, geht im Torwart-Segment nicht.

Dass Sommer, im Alltag für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga aktiv, später eine große Parade beim 1:0-Sieg der Eidgenossen mit dem Fuß vollbrachte, passte da ins Bild. Er klärte gegen Armando Sadiku, der dem Rest der Schweiz enteilt war. Später, als Shkelzen Gashi ebenfalls frei vor ihm stand, lenkte er den Ball mit der Hand über das Tor. "Wunderparade" nannte der "Zürcher Tages-Anzeiger" diese Tat.

Dass er tolle Reflexe hat, extrem stark im Eins-gegen-eins ist und seinen Strafraum sicher beherrscht, sind die nötigen Elemente des klassischen Torwartspiels. Hinzu kommt, dass Sommer ein so guter Fußballer ist, dass ihm Patrick Foletti, der Torwarttrainer der Schweiz, sogar zutraut, auch im Feld mitwirken zu können.

Sommer gilt neben Deutschlands Neuer als ein Prototyp des modernen Torhüters. Mit 1,83 Meter ist der Schweizer der kleinste aller Stammtorsteher des EM-Turniers. Dieses vermeintliche Manko macht er jedoch durch eine enorme Sprungkraft wett. Das Gesamtpaket Sommer ist, zusammengefasst: Weltklasse.

Die zwei Jahre, die er nun in Gladbach spielt, haben dazu beigetragen. "Die Bundesliga hat mich noch stärker gemacht", sagte Sommer nach dem EM-Auftakt. Dass die kleine Schweiz derzeit ein großes Angebot an tollen Torhütern hat, belegt die Tatsache, dass auch Sommers Konkurrenten im Schweizer Team Nummer eins sind in der Bundesliga: Roman Bürki bei Borussia Dortmund und Marvin Hitz beim FC Augsburg. Die Frage nach dem ersten Mann im Tor hat Trainer Vladimir Petkovic indes eindeutig beantwortet: Sommer.

Dass es Wechselgerüchte um ihn gibt, liegt ob der gezeigten Qualität nahe - natürlich kann es sein, dass britische Klubs für den Torwart bieten. Doch in Gladbach bleibt man gelassen und wertet solche Meldungen als Qualitätsmerkmal für die Spieler. Sommer betonte, dass er Gerüchte nicht kommentiere und "im Klub sehr glücklich" sei. Ein gutes Gefühl hat er nun auch seinen Landsleuten beschert. Denn die Schweiz weiß seit Samstag, dass sie einen Torwart hat, der dafür sorgen kann, Spiele zu gewinnen, auch wenn sich das Team schwertut wie gegen Albanien. Der Torwart als Erfolgsfaktor - das war in der Vergangenheit immer wieder eher ein Privileg deutscher Mannschaften. Eine deutsche Tugend also, auf die die Schweiz, gespickt mit vielen Profis aus der Bundesliga, nun bauen kann. Mit Sommer im Rücken und den drei Punkten, die er festhielt, gehen die Schweizer in die übrigen EM-Spiele gegen Rumänien und Frankreich. Vladimir Petkovic überrascht Sommers starke Form nicht. "Das ist nichts Neues. Yann ist in ganz Deutschland anerkannt", sagte der Trainer. Auch bei Oliver Kahn. Mehr geht nicht.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

EM 2016: Erfolgsfaktor Torwart


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.